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23:40 19 August 2019
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    Bremer Wirtschaftsexperte: Nach Brexit - zurück zur Kern-EU?

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    Was wird mit dem Brexit? (340)
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    Schockiert über das Ergebnis des Referendums, aber wenig überrascht über die mit dem Brexit einhergehenden Turbulenzen zeigt sich der Bremer Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel. Einen „Dexit“ befürchtet er allerdings nicht.

    Brexit und was nun? Professor Rudolf Hickel von der Universität Bremen sieht die Priorität darin, schnellstmöglich die Handlungsfähigkeit der EU herzustellen und klare Regelungen für den Austritt Großbritanniens und für zukünftige Abkommen zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU zu finden. Hickel vermutet allerdings, dass es nicht zu einer harten und endgültigen Trennung kommen wird.

    „Ich glaube, dass es bei den Verhandlungen zu einem sehr opportunistischen Verhalten kommen wird. Man wird eine Einigung finden, mit der man Großbritannien doch noch ein wenig an die EU bindet“, äußerte er im Interview mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa. „Das kann man nach dem Schweizer Modell machen, also mit einem Freihandelsabkommen oder aber nach dem norwegischen Modell, das halte ich aber für nicht relevant. Ich persönlich bin der Meinung, dass man eine Regelung finden muss, die die Option offen lässt, auch wieder zurückzukehren.“

    Das norwegische Modell schließt der Wirtschaftsprofessor aus, weil es zu einem Dominoeffekt unter den austrittswilligen EU-Ländern führen könnte:

    „Es ist klar, dass dann andere Staaten, wie Italien, die sich drangsaliert fühlen über die Fiskalunion, oder auch die Niederlande und Frankreich dann sagen: Wir nehmen die Vorteile mit, wir gehen in den gemeinschaftlichen Wirtschaftsraum hinein und übernehmen sonst keine Pflichten.“

    Dass es überhaupt zu dem Referendum gekommen sei und der Brexit nun tatsächlich Realität zu werden drohe, werfe natürlich die Frage nach der Zukunft des Projektes EU.

    „Vor einem Jahr hätte ich noch gesagt, es sei unmöglich, dass die EU auseinanderbricht“, so Prof. Hickel. „Es könnte sein, dass sich am Ende das ganze EU-Projekt auf eine Kern-EU reduziert. Das sind dann die Gründungsländer, wobei es fraglich ist, ob Italien dann noch dabei sein wird. Die EU hat jetzt zwei mögliche Wege: Entweder sich aufzubauen und zu erweitern oder aber sich auf die Kern-EU zu reduzieren.“

    Über einen möglichen „Dexit“, also den Austritt Deutschlands aus der EU, müsse man sich aber derzeit noch keine Sorgen machen, ist der Experte sicher. „Den Dexit halte ich zurzeit überhaupt nicht für wahrscheinlich. Die Gefahr ist momentan nicht da, kann aber ganz schnell kommen. Beispielsweise, wenn die AfD jetzt mehr Macht gewinnt, denn sie hat ja in ihrem Programm auch den Austritt aus der EU.“

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