08:53 29 März 2020
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    Was wird mit dem Brexit? (340)
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    Instabilität, Migration und Terrorgefahr: Für die Türkei ist der britische Volksentscheid kein Blitz aus heiterem Himmel. Deshalb wird Ankara hierbei nationale und strategische Interessen verfolgen, wie der Abgeordnete der AKP-Regierungspartei und Vize-EU-Ausschussvorsitzende im türkischen Parlament, Ahmet Berat Çonkar, Sputniknews sagte.

    „Der bei dem Referendum in Großbritannien gefasste Beschluss wird die Bildung eines polyzentrischen Europas beschleunigen. Andere Länder werden nun eine Beziehung mit der EU aufbauen wollen und im Rahmen der Verhandlungen ihre nationalen Interessen und Identität in den Vordergrund stellen“, so der Politiker.

    Die Türkei müsse diese Situation für das Knüpfen von solchen Kontakten mit der EU nutzen, bei denen die nationalen und strategischen Interessen berücksichtigt werden würden.

    Für Ankara sei aber der britische Volksentscheid kein Blitz aus heiterem Himmel gewesen. „Besonders vor dem Hintergrund der Finanzkrise ist absolut klar gewesen, dass die EU als Bund mit seiner heutigen Struktur nicht in der Lage ist, aktuelle Probleme zu lösen“, sagt Çonkar. 

    Zu solchen Problemen würden Instabilität, die Migrationskrise und die erhöhte Terrorgefahr gehören. Dies würde wiederum in die Hände der nationalistischen Parteien in Europa spielen. 

    „Ich glaube, dass wir nach dem Referendum Zeugen der Bildung eines neuen Systems in Europa werden. Da dieser Prozess sich nicht nur auf Großbritannien beschränken wird, wird sich der Drang zu einem Austritt in vielen europäischen Ländern, deren Menschen mit der heutigen Situation unzufrieden sind, verstärken“, sagte er.

    Eines sei klar – der Brexit werde die Position der Türkei zur EU beeinflussen. 

    „Das Resultat des Referendums wird seitens der Türkei eine Revision des Verhandlungsprozesses mit Brüssel und das Entwickeln einer neuen Strategie erfordern, die auf den Interessen der Türkei in diesem Prozess beruhen. Ich denke, dass diese Zeit gekommen ist. Die Türkei kann dieses Problem durch das Abhalten eines Referendums lösen“, betonte er.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul
    © REUTERS / Yasin Bulbul/Presidential Palace/Handout via REUTERS

    Zuvor hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der EU vorgeworfen, sein Land im Beitrittsprozess absichtlich hinzuhalten und eine Volksabstimmung über die Fortsetzung der Beitrittsgespräche in Aussicht gestellt. 

    „Ihr haltet eure Versprechen nicht. Eben das ist euer hässliches Gesicht. Weil Erdogan dieses hässliche Gesicht entlarvt, dreht ihr durch“, erklärte der türkische Staatschef. Deswegen sei die EU bestrebt, ihn „loswerden“ zu wollen.

     

     

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