16:02 29 Januar 2020
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    Was wird mit dem Brexit? (340)
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    An den Börsen hat der Brexit für ein Beben gesorgt. Laut Spiegel hat der Austritt insgesamt fünf Billionen Dollar vernichtet. Über die Konsequenzen für die Finanzmärkte hat Sputnik-Korrespondent Matthias Witte mit dem Chefanalysten der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, gesprochen:

    „Kurzfristig haben wir eine dramatische Situation, um zehn Prozent ging der Dax erstmal runter. Aber wir haben im Moment schon eine relative Beruhigung, die Zentralbanken haben auch deutlich gemacht, dass man ein Chaos nicht zulassen wird. Und die aktuelle Reaktion ist Ausdruck für diese Intervention, seitens der Zentralbank.“

     „Ich gehe im weiteren Verlauf auch davon aus, dass das Management der Zentralbanken die negativen Folgen an den Finanzmärkten ein Stückweit eingrenzen wird“, äußerte Hellmeyer. „Damit wird ein Chaos im Sinne eines echten Black Friday nicht zum Zuge kommen.“ 

     „Wesentlich ist, dass die Einordnung dieser Entscheidung der Bevölkerung Großbritanniens dazu führt, dass Großbritannien in der Tat den Preis bezahlen wird — mit der Wirtschaft, am Arbeitsmarkt, mit dem Finanzplatz London und einer geschliffenen Position“, betonte er. „Aber für die Weltwirtschaft und für das Gesamtsystem sehe ich hier keine nachhaltigen ökonomischen Folgen auf uns zukommen.“

     „Bezüglich Europa sage ich, irgendwo muss man bei dieser Entscheidung hier auch erkennen, dass sich mit dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union Chancen verbinden. Beispielsweise das der Integrationsprozess mittellangfristig nachhaltiger ausfallen kann als mit Großbritannien, und die Statik, in der die EU mit Großbritannien gefangen war, damit ein Ende hat.“

     „Die EU muss sich fragen, welche handwerklichen Fehler in den letzten 20 Jahren gemacht worden sind“, fügte er hinzu. „Dann müssen wir über die Osterweiterung sprechen. Denn die Flüchtlingsströme waren ja ein Kernthema des Brexit. Hat man überhaupt bei der Osterweiterung darauf geachtet, dass die Beitrittsländer das Niveau hatten, um beitreten zu dürfen? Da wird man relativ schnell zu dem Ergebnis kommen, dass das nicht der Fall war. Und ich glaube, die EU wird perspektivisch reagibler werden müssen, auch bei den Mitgliedsländern. Wir müssen begreifen, dass die wirklich wichtige Institution die Eurozone wird. Das Ende der EU sehe ich nicht, aber sie muss sich verändern, um dem Anspruch der Menschen an die EU gerecht zu werden.“

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    Black Friday, Brexit, Wirtschaft, Börsen, EU, Europa, Großbritannien