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    Katholikos aller Armenier, Karekin II, Papst Franziskus und Präsident Armeniens, Sersch Sargsjan im Denkmalkomplex „Zizernakaberd“ in Eriwan

    Papst Franziskus gedenkt der Opfer des Genozids an Armeniern

    © Sputnik / Assatur Jesajanz
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    Der Römische Papst Franziskus hat am Samstag das Völkermord-Denkmal „Zizernakaberd“ in Eriwan besucht, sich dort mit Überlebenden des Genozids an den Armeniern von 1915 getroffen und eine Messe für die armenische katholische Bevölkerung abgehalten, wie die Agentur RIA Novosti meldet.

    Ihn begleiteten der Präsident Armeniens, Sersch Sargsjan, mit seiner Gemahlin Rita Sargsjan, der Katholikos aller Armenier, Karekin II., sowie andere Amtspersonen und Geistliche.

    Während seiner Rede in der Residenz des Präsidenten bezeichnete das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche die Verfolgung der Armenier zwei  Mal als „Genozid“.  Den Empfang in Armenien bezeichnete er als „warm und herzlich“.

    Der Papst verweilte am Denkmal vor dem Kranz und betete schweigend. Danach begab er sich zum Ewigen Feuer und legte zwei Rosen – eine weiße und eine gelbe – nieder. Karekin II. sprach dort das „Vaterunser“.

    Die Messe mit Papst Franziskus im Denkmalkomplex „Zizernakaberd“ in Eriwan beschloss eine Duduka-Melodie, gespielt am Ewigen Feuer von Musikern unter Führung des weltbekannten Maestro Dschiwan Gasparjan auf.

    Papst Franziskus machte eine Eintragung im Buch der Ehrengäste des Völkermord-Museums und Instituts, das sich auf dem Gelände des Denkmalkomplexes befindet. Sein Direktor Ajk Demojan überreichte Seiner Heiligkeit eine goldene Medaille mit der Darstellung des Komplexes und einer Gravüre zu christlichen Motiven.

     „Hier beten wir für die Opfer der Tragödie des armenischen Volkes. Möge das der Menschheit bewusst werden, und möge sie stets unterscheiden, was gut und böse ist. Möge das Gedenken an die Tragödie des armenischen Volkes mit uns bleiben: gerade das Gedenken wird eine Wiederholung derartiger Verbrechen künftig abwenden“, schrieb der Papst ins Buch der Ehrengäste.

    Unweit des Museums befindet sich eine Allee, an der ausländische Staatsmänner zum Gedenken an die Opfer der tragischen Ereignisse Bäume pflanzen. Im Jahr 2001 hatte Papst Johannes Paul II., der als erstes Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche Armenien besuchte, dort eine Tanne gepflanzt. Der Papst Franziskus tat es ihm nach und entschied sich ebenso für eine Tanne.

    Anlässlich des 100. Jahrestages des Völkermords an den Armeniern im Jahr 2015 hatte Papst Franziskus im Petersdom im Vatikan eine Liturgie zelebriert und in seinem Appell an die ganze Menschheit erklärt, der Völkermord an den Armeniern sei das erste Genozid des 20. Jahrhunderts wegen nationaler Zugehörigkeit gewesen.

    Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Osmanischen Reich regelmäßig Verfolgungen und Vertreibungen von Armeniern. Bis zu 1,5 Millionen Armenier waren 1915 während des Ersten Weltkrieges bei den Massakern gestorben. Die Tatsache des Genozids in der osmanischen Türkei wurde von vielen Staaten anerkannt, ebenso vom Europäischen Parlament und dem Weltkirchenrat. Das russische Parlament hatte 1995 den Völkermord am armenischen Volk in den Jahren 1915-1922 in seiner historischen Heimat – in West-Armenien – verurteilt. Die heutige Türkei aber lehnt den Begriff des Völkermords nach wie vor strikt ab. Der Streit um die Anerkennung des Genozids als historische Tatsache belastet bis heute die Beziehungen zwischen der Türkei einerseits und Armenien sowie zahlreichen westlichen Staaten andererseits.

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    Tags:
    Sersch Sargssjan, Völkermord, Genozid, Katholische Kirche, Papst Franziskus, Eriwan, Armenien