05:47 19 September 2018
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    Recep Tayyip Erdogan

    Asche auf Erdogans Haupt: Presseschau zu Entschuldigung für Abschuss russischer Su-24

    © AP Photo / Lefteris Pitarakis
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    Russische Einschränkungen für die Türkei (60)
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat sich für den Abschuss des russischen Su-24-Jets im November 2015 entschuldigt. Die weltweite Presse interpretiert diesen Schritt durchaus unterschiedlich und sucht Gründe und Ursachen in unterschiedlichen Bereichen.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
    © REUTERS / Kayhan Ozer/Presidential Palace
    Erdogan hat die Türkei in die internationale Isolation geführt, wie mehrere Medien schreiben. Die Entschuldigung gegenüber Russland sei nun der Versuch, die geopolitischen Spannungen abzubauen, die Ankara selbst erzeugt hatte. Deutsche Medien beleuchten die Rolle der EU-Türkei-Beziehungen, während amerikanische Medien die Sache globaler angehen.

    Die deutsche Bild-Zeitung schreibt, die Türkei suche sich neue Freunde unter alten Verbündeten in eben jenem Moment, wo ihr Verhältnis zu den europäischen Ländern keine Blütezeit mehr erlebe. Der Spiegel zitiert wiederum Erdogans Sprecher mit folgenden Worten:

    „Wir sind erfreut mitzuteilen, dass die Türkei und Russland übereingekommen sind, ohne Verzögerung die notwendigen Schritte zu unternehmen, um die bilateralen Beziehungen zu verbessern.“

    Laut der Washington Post allerdings beginnt „einer der totalitärsten Staatsoberhäupter der Region“ nun doch noch, außenpolitische Konflikte beizulegen, die er in der letzten Zeit angehäuft hatte. Ein solcher Schritt Erdogan sei an sich schon ein großes Ereignis: Die Türkei versuche, ihre Isolation zu durchbrechen, betont die amerikanische Zeitschrift The Atlantic.

    Andere Medien wiederum schreiben, Erdogan entschuldigte sich vor Moskau aus rein geopolitischen Kalkül, weil Russland ein wichtiger Akteur bei den aktuellen internationalen Vorgängen ist, unter anderem auch bei der Regelung des Konflikts in Syrien, was für den türkischen Präsidenten von einer besonderen Bedeutung sei.

    „Wenn es auf der Welt etwas gibt, was Erdogan mehr hasst, als beleidigt zu werden, dann ist es, sich vor jemanden für seine Handlungen zu entschuldigen“, schreibt Foreign Policy.

    Die Zeitschrift hebt außerdem hervor, dass die Versöhnung zwischen Ankara und dem Kreml vor dem Hintergrund der Besorgnis erregender Aktivität der IS (Islamischer Staat, auch Daesh) gesehen werden müsse.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
    © AFP 2018 / Adem Altan
    Ein weiteres Argument Erdogans könnte seine Ohnmacht in internationalen Angelegenheiten sein. Ein Paradebeispiel war die jüngste Anerkennung des Völkermords an den Armeniern durch das Osmanische Reich im deutschen Bundestag. Der türkische Staatschef könne aber gleich nach dieser Demütigung ihre Früchte ernten, die das Gefühl der Erniedrigung beiseitelegen werden, schreibt wiederum Al Jazeera.

    Die Last der russischen Wirtschaftsbeschränkungen, die nach dem Abschuss des russischen Jets und dem Tod des russischen Piloten verhängt wurden, dürfte für Erdogan unerträglich sein. Die Krise in der türkischen Tourismusbranche ist die stärkste seit 1999, der Präsident des Landes hatte keine andere Wahl, wie die britische Financial Times schreibt.

    Die türkische Luftwaffe hatte am 24. November 2015 den russischen Bomber Su-24 in Syrien abgeschossen. Der Pilot Oleg Peschkow konnte sich katapultieren, wurde dann aber noch am Fallschirm hängend vom Boden aus erschossen. Der mutmaßliche Täter steht derweil nur wegen unerlaubten Waffenbesitzes vor einem türkischen Gericht.

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