00:23 24 Januar 2018
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    EU-Ratspräsident Donald Tusk, der britishe Ministerpräsident David Cameron und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker

    Tusk, Juncker, Merkel? – auf der Suche nach den Brexit-Schuldigen

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    EU-Ratspräsident Donald Tusk hat nie eine führende Rolle unter den europäischen Politikern gespielt und hat keinen Plan für die Zukunft Europas, wie der polnische Außenminister Witold Waszczykowski meint. Bei der Suche nach Brexit-Verantwortlichen steht Tusk jedoch nicht allein im Zentrum der Aufmerksamkeit.

    Zuvor hatte auch der Vorsitzende der konservativen PiS-Partei, Jarosław Kaczyński, seinen Mitbürger Tusk für den Brexit verantwortlich gemacht und ihn zu einem Rücktritt aus der EU-Arena aufgerufen.

    „Es hat nicht gereicht, dass er (Donald Tusk – Anm. der Red.) irgendwelche Konsultationen hinter den Kulissen geführt hatte. Er hat keine führende Rolle, keinen Plan und keine Vorstellungen darüber, wie man die Probleme überwinden kann, in denen Europa aktuell steckt“, meint jedoch Waszczykowski.

    In der vergangenen Woche habe Tusk dem Außenminister zufolge ein Telefonat mit der polnischen Ministerpräsidentin Beate Szydlo durchgeführt und „auf den Brexit gesetzt“. Wenn er ein solches Ergebnis des Referendums wirklich für sicher gehalten hätte, hätte seine Reaktion viel intensiver ausfallen müssen, so Waszczykowski.

    „Seit vielen Monaten ist zu sehen, dass Tusk ein Politiker zweiter oder sogar dritter Wahl in der EU ist, kein Anführer, dem ein so wichtiges Instrument gegeben wird, wie die Leitung der Europäischen Union“, schlussfolgerte Waszczykowski.

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    Zuvor hatte der tschechische Außenminister Lubomir Zaoralek dem EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker angesichts des Brexit-Votums vorgeworfen, er sei nicht der richtige Mann für seinen Job.

    Der „Welt“-Korrespondent Dirk Schümer hatte in einem Beitrag geschrieben, die Briten hätten am Donnerstag neben Premier David Cameron auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel abgewählt. Mit ihren Alleingängen habe Merkel den europäischen Bürgern gezeigt, wie wenig sie wirklich von der EU und deren Institutionen halte.

    Am vergangenen Donnerstag hatten sich 51,9 Prozent der Briten bei der Volksabstimmung für einen Ausstieg aus der EU ausgesprochen. Daraufhin kündigte Premier David Cameron seinen Rücktritt an. Jüngsten Meldungen zufolge soll sein Nachfolger schon Anfang September feststehen.

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    Tags:
    Verantwortung, EU-Ausstieg, Brexit-Referendum, David Cameron, Angela Merkel, Jean-Claude Juncker, Jaroslaw Kaczynski, Witold Waszczykowski, Donald Tusk, Deutschland, Tschechien, Europäische Union, Polen, Großbritannien