17:22 16 Dezember 2018
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    Flaggen Israels und der Türkei

    Abkommen zwischen Israel und Türkei: wenig Fortschritte, Ankara profitiert

    © REUTERS/ Baz Ratner
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    Das israelisch-türkische Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern hat hauptsächlich der Türkei genützt und sehr wenig Fortschritte gebracht, wie die Kolumnistin der israelischen Zeitungen „Shalom“ und „Haaretz“ Karel Valansi in einem Interview mit Sputnik sagte.

    Die Seeblockade des Gazastreifens werde nach wie vor aufrechterhalten, betonte die Kolumnistin. Vom  Boden aus sei der Gazastreifen sowieso niemals blockiert worden, die Waren seien über den Grenzort Kerem Schalom eingeführt worden. Natürlich habe die israelische Seite diesen Prozess kontrolliert, weil sie Waffenlieferungen habe verhindern wollen, die Lieferungen von Hilfsgütern und Baustoffen seien aber nicht verboten worden.

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan
    © AP Photo / Murat Cetinmuhurdar/Presidential Press Service

    Ebenso sei auch der Hafen von Aschdod für den Transport von Hilfsgütern in die Palästinenserenklave zuvor benutzt worden, so habe sich in dieser Hinsicht nichts geändert. Nach einigen Angaben werde allerdings die Eröffnung  eines weiteren Grenzkontrollpostens  in der Nähe von Kerem Schalom behandelt, die die Rolle der Türkei  bei den Bauarbeiten im Gazastreifen stärken solle.

    Israel habe seinerseits nicht auf die Schließung der Büros der radikal-islamischen Hamas im türkischen Gebiet  bestanden. Dies sei aber darauf zurückzuführen, dass  es die Türkei in der Rolle eines Vermittlers in Gesprächen mit der Hamas sehe, so Valansi.  Allerdings sei bis jetzt  unklar, wie die Türkei  ihre Verpflichtung umsetzen solle, die Terroranschläge gegen Israel  und die Terrorfinanzierung  von ihrem  Boden zu verhindern.  Außerdem können sich einige nicht ausgewiesene führende Persönlichkeiten der Hamas auf dem türkischen  Territorium aufhalten. Insofern sei das Abkommen nicht ausreichend durchdacht, so die Kolumnistin.

    Angesichts der vorhandenen geopolitischen Hintergründe sei der Bedarf  der isolierten Türkei an einer Normalisierung der Beziehungen wesentlich größer gewesen als der von Israel, betonte Valansi. Längst vorbei seien die Zeiten, als Israel  als gemeinsamer Feind der arabischen Welt gesehen worden sei.  Schließlich habe es die „Null-Probleme-mit-den-Nachbarn-Politik", zu der sich die Türkei seit langem bekenne, deutlich erfolgreicher umgesetzt.

    Die ernsthaften außenpolitischen Fehler, die die Türkei während des „Arabischen Frühlings"  und der syrischen Krise begangen habe, haben eine Isolierung des Landes verursacht. Deswegen sei der Abschluss des Abkommens mit Israel für sie so nötig gewesen.

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    Tags:
    Blockade, Normalisierung, Abkommen, Hamas-Bewegung, Gaza-Streifen, Türkei, Israel