02:08 23 November 2019
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    Keine Panik wegen Brexit – Rahr

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    Was wird mit dem Brexit? (340)
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    Großbritannien bewegt sich nach dem Brexit-Votum in eine schwierige, vielleicht auch dunkle Zukunft, so der Politologe Alexander Rahr.

    Das Land könne jetzt nicht mehr von dem gesamten europäischen Markt profitieren, sagte der Experte vom Verband der russischen Wirtschaft in Deutschland, im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. 

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    „Auch das Bankenzentrum Londons ist jetzt in Frage gestellt. Wenn aber das Brexit-Modell an der größeren Zustimmung in Großbritannien gewinnt und seine Wirtschaft von dieser Isolierung von der EU an Fahrt gewinnen wird, dann soll man in Kontinentaleuropa befürchten, dass andere Staaten dem Beispiel der Britten folgen können, weil sie sich davon bessere wirtschaftlichen Perspektiven versprechen können.“

    Deutschland und Frankreich sollten jetzt versuchen, meint der Experte, Europa ohne Großbritannien zu konsolidieren, damit Europa weiter funktioniere, an Stärke gewinne und als internationaler Akteur auf der Weltbühne weiter bestehen bleibe.

    Alexander Rahr ist zuversichtlich, dass der Brexit keine Änderungen in den Wirtschaftsbeziehungen der EU mit Russland mit sich bringen würde. „Im Gegenteil, man hofft auf die Beendigung der Sanktionen. Russland wird sich die neue geopolitische Lage ganz genau anschauen. Mehr noch, die nächste britische Regierung könnte aus dem Sanktionsmechanismus der EU gegenüber Russland aussteigen. Ein Land wie England wird, auch wenn es auf sich allein gestellt ist, wirtschaftliche Kontakte zu solch einem großen Markt wie Russland brauchen. Jetzt soll Deutschland das Vakuum, welches Großbritannien hinterlässt, ausfüllen und dann vielleicht positivere Momente im Umgang mit Russland aufstellen.“ 

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    Alexander Rahr ist sicher, dass ein „Dexit“ nicht in Frage komme. Deutschland werde auf dem politischen europäischen Modell beharren, weil es für eine politische Integration stehe. „Das ist ein Selbstverständnis Deutschlands. Das Land ist in dieser großen europäischen Union nach dem Zweiten Weltkrieg sicher aufgewachsen und damit glücklich geworden. Es hat eine eigene europäische Identität zurückgewonnen und wird von ihr nicht losgehen. Deutschland wird mit den anderen Kernstaaten die Union weiter stärken. Eine große Frage ist: Wer wird und kann denn Deutschland folgen? Vielleicht wird gerade ein anderes Modell attraktiver, wie es die Britten immer vorgeschlagen haben – keine politische Union, sondern eine verstärkte Wirtschaftsunion, eine Union von Interessen.“

    Das Brexit-Votum sei kein Grund zur Panik, betonte der Politologe. „Es ist keine große Katastrophe passiert.“ Den wirtschaftlichen Vorteil, in der EU zu sein, werde keiner so schnell wie die Britten verspielen, ist der Experte sicher.

    Zugleich werde sich das Flüchtlingsproblem für Deutschland weiter verschärfen. „Deutschland wurde jetzt mit dem Problem der Flüchtlinge allein gelassen“, so Alexander Rahr. „Viele haben darauf gehofft, dass die Insel sie mitaufnimmt. Das wird jetzt nicht passieren. Nur die Historiker werden daran erinnern, dass die Flüchtlingskrise neben den anderen Faktoren der eigentliche Auslöser des Brexit gewesen ist. Und die Regierungen anderer Staaten werden sich hüten, mehr Flüchtlinge in ihren Staaten aufzunehmen — aus der Angst, die Rechts- bzw. Linkspopulisten in ihren Ländern dadurch zu stärken.“

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