04:12 06 August 2020
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    Immer mehr Manöver, Luftraumüberwachung über dem Baltikum und Truppenverlegungen: Die Nato verstärkt sich im Osten, und die Bundeswehr ist vorne mit dabei. Bei den Deutschen kommt dieser Kurs allerdings nicht besonders gut an. Das zeigt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Deutsche Presse-Agentur.

    Demnach befürworteten nur neun Prozent die geplante Stationierung deutscher Soldaten im Baltikum. Über die Ergebnisse und die Folgen der Umfrage hat Sputnik mit YouGov-Sprecher Holger Geißler geredet.

    Herr Geißler, hat sie das Ergebnis der Umfrage überrascht?

    Ehrlich gesagt, nein.

    Aha, warum? Weil sich die Deutschen um den Frieden sorgen? 

    Natürlich ist der Frieden ein wichtiges Thema. In der Umfrage bezeichnen 37 Prozent der Leute die Spannungen zwischen Russland und der NATO als neuen Kalten Krieg. Allerdings sehen zwei Drittel der Befragten den internationalen Terrorismus als wesentlich größere Gefahr.

    Sie haben insgesamt über 2000 Menschen befragt. Haben Sie einen Überblick darüber, welche Altersgruppen wie abgestimmt haben?

    Ja, wir sehen es vor allem bei den älteren Menschen, die Russland und diese politischen Themen noch präsenter haben. Bei den über 55-jährigen sind es 41 Prozent, die sagen „Ja, das ist so ein neuer Kalter Krieg“. Bei den ganz Jungen, zwischen 18 und 24 Jahren, sind es gerade einmal 28 Prozent.

    Berichterstattung über Russland nach Medien
    © Sputnik /
    Berichterstattung über Russland nach Medien

    Was sagt die Umfrage denn über die deutschen Massenmedien aus, in denen Russland in letzter Zeit nicht so gut weggekommen ist? 

    Das ist eine gute Frage, finde ich. Man kann als normaler Bürger ohne die Medien oder das Internet kaum Aussagen zu politischen Verwerfungen machen, weil man es gar nicht mitbekommen würde. Von daher muss man davon ausgehen, dass die Meinungen in Deutschland, Russland und anderen Ländern sehr stark von den Medien geprägt sind. Gerade beim Thema Russland ist der Tenor in den deutschen Medien sehr einheitlich.

    Das Ergebnis der Umfrage, nur neun Prozent der Befragten sind für die Stationierung der NATO an den russischen Grenzen, zeigt aber, dass die Leute das trotz der großen Kritik an Russland in den Medien nicht so kritisch sehen wie die Medien, oder?

    Ja, klar, natürlich. Das ist etwas, was wir im Moment an ganz vielen Stellen beobachten. Die Medien neigen im Moment dazu, Themen kurz hoch zu pushen. Und das Gefühl zu erzeugen „Wow, es ist wahnsinnig präsent“ — und dann ist das Thema auch schnell wieder durch. 

    Da bin ich bei Ihnen: Medien machen im Moment wirklich Themen und diese Tendenz hat sich in den letzten Jahren weltweit wahnsinnig verändert. Das heißt, die Themen sind kürzer, werden kurz hochgepusht und sind dann nach zwei, drei Tagen raus. Da ist so ein Thema wie Terrorismus etwas Besonderes. Es gibt neue Anschläge, es ist omnipräsent, da hat man das Gefühl, es betrifft mich selbst, weil man selber auch einmal am Flughafen ist.

    Dagegen ist dann die Spannung zwischen NATO und Russland vergleichsweise fern. Und da ist dann auch ein Mismatch zwischen der medialen Präsenz und der Wahrnehmung der Bürger.

    Hat ihr Institut vielleicht einen Trend ausgemacht, was das Bild Deutschlands in Russland angeht? hat sich das Bild verändert? 

    Wir haben Anfang des Jahres für Handelsblatt eine Umfrage zu Russland gemacht und da gibt es spannende Ergebnisse, wie die Deutschen die Russen sehen. 61 der Deutschen sehen Russland als wichtige Weltmacht. Die USA liegen da vorne mit 78 Prozent, China landet auf Platz drei mit  

    51 Prozent. Und Deutschland selber liegt nur bei 45 Prozent. Da sieht man schon, für Deutsche ist Russland eine der wichtigsten Weltmächte.

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    NATO, Holger Geißler, Deutschland, USA, Russland