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    Abdul Turay.

    Nach Brexit: Einziger schwarzer Politiker Estlands bangt um seine Zukunft

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    Abdul Turay, der einzige schwarze Politiker Estlands, der die britische Staatsbürgerschaft hat, befürchtet, dass er wegen der Brexit-Ergebnisse auf seine Staatsangehörigkeit verzichten muss, um weiter in der estnischen Politik tätig zu sein, wie die Website „Buzz Feed“ berichtet.

    Brexit sei eine Selbstvernichtung Großbritanniens, so Turay, an dem lettische Rechtsextremisten vor drei Jahren Kritik übten, nachdem der britische Bürger zur Wahl für den Rat der Stadt von Tallin aufgestellt worden war. Wegen des Austritts Großbritanniens aus der EU denkt der Politiker immer öfter über die weitere Entwicklung seiner politischen Karriere in Estland nach.

    Der Seite „Buzz Feed“ zufolge nannte Turay sich selbst einen Beweis dafür, dass die europäische Vereinigung wirklich funktioniere. Laut dem Politiker konnte er dank der europäischen Integration mit der britischen Staatsbürgerschaft eine politische Tätigkeit in einem anderen EU-Land ausüben. Dies beweist seine Biographie.

    Seine Familie zog während der Migrationswelle der unabhängig gewordenen Kolonien nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges von Jamaika nach Großbritannien um.

    Als Politikjournalist lernte er seine zukünftige, in Estland geborene Frau kennen. Vor fünf Jahren fuhr Turay nach Estland, wo er ein großes Interesse an den politischen Fragen bekam.

    Dem Politiker zufolge spürte er nach der Geburt seines Kindes immer mehr Probleme in der Familien- und Kinderpolitik und beschloss diese Richtung zu entwickeln. Im Ergebnis war er 2013 bei den Wahlen in den Rat der Stadt Tallin erfolgreich und wurde zum ersten schwarzen Politiker Estlands. Danach nahm er auch an den Wahlen zum Europäischen Parlament teil, kam aber nicht durch.

    Das Ex-Mitglied der sozial-demokratischen Fraktion der Tallinner Stadtversammlung verließ im April 2016 sowohl die Fraktion als auch die Sozialdemokratische Partei (SDE) und begann mit der Arbeit im Talliner Zentrum für Entwicklung und Bildung. Die Hauptaufgabe von Turay bestand zuvor in einer repräsentativen Funktion der estnischen Hauptstadt in der EU und in der Lösung von Marketingfragen.

    Er sagte mehrmals: „Ich bin ein gutes Beispiel dafür, dass die EU sehr viele Möglichkeiten für die Menschen eröffnet. Als Schwarzer bin ich in Estland gewählt worden und wohne hier mit meiner Familie“.

    Nach der Brexit-Entscheidung droht der Karriere von Turay in Estland bislang nichts. Großbritannien hat offiziell noch zwei Jahre für den Austritt aus der EU. Trotzdem hat er große Angst vor seiner Zukunft, weil er laut Gesetz nicht estnischer Politiker und britischer Staatsbürger zugleich sein darf.

    Am 23. Juni haben die Brexit-Befürworter beim Referendum in Großbritannien einen Sieg errungen. In 382 Wahlkreisen haben sich 17.410.742 Briten, also 51,9 Prozent, für einen Austritt Großbritanniens aus der EU ausgesprochen. Mit 16.141.241 Personen stimmten 48,1 Prozent dagegen. Die Wahlbeteiligung lag bei 72 Prozent.

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