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    Türkischer Präsident Recep Tayyip Erdogan

    Anschläge in Türkei: Erdogans pro-islamistische Strategie schlägt zurück - Expertin

    © AFP 2019 / Ozan Kose
    Politik
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    Die auf eine pro-islamistische Strategie im Bezug auf den nahen Osten und im speziellen auf Syrien ausgerichtete Politik von Präsident Recep Tayyip Erdogan schlägt nun zurück, so die renommierte Türkei-Expertin Dr. Gülistan Gürbey aus der Freien Universität Berlin.

    Man habe den IS systematisch unterstützt, und zwar  nicht nur finanziell, sondern auch militärlogistisch und politisch. Die IS-Terroristen konnten sich frei über das türkische Territorium bewegen. Aktuell sehe man nun die Ergebnisse dieser Strategie, betonte Gürbey in einem Interview mit Sputnik-Korrespondent Marcel Joppa. 


     
    Zum jüngsten Anschlag auf den Flughafen Istanbul stellte sie fest, dass die Türkei sehr verletzlich geworden ist: "Innerhalb des ersten halben Jahres 2016 ist das nun schon der vierte Anschlag. Wieder im Herzen von Istanbul, diesmal am internationalen Flughafen. Insofern ist es eine Fortsetzung der Anschläge, die der IS in der Türkei verübt."
     
    Auf der anderen Seite, gibt es den Terrorismus der kurdischen Splittergruppen. Auf die Frage, ob die Türkei sich in einer Zange zwischen IS und kurdischem Terrorismus befinde, antwortete die Expertin: 
     
    "Ja, das kann man so sagen, aber ich glaube, dass die politische Führung in der Türkei die Chance hat, die terroristischen Anschläge der Splittergruppe der PKK einzudämmen, wenn sie den Friedensweg mit den Kurden wieder einschlagen würde. Aber diese Bereitschaft ist nicht zu sehen."
     
    Insgesamt sei es aber nicht neu, dass die Türkei zur Zielscheibe des IS geworden sei. Gürbey erklärt: "Seitdem die Türkei sich im Sommer letzten Jahres der Anti-IS-Koalition angeschlossen hat, ist sie auch zur Zielscheibe für Anschläge des IS geworden."
     
    Die nun begonnene langsame Annäherung an Russland und an Israel resultiere aus der regionalpolitischen Isolation der Türkei, meinte die Expertin. "Die Türkei ist mit ihrer ideologisch unerfütterten Strategie in eine Sackgasse geraten und hat mittlerweile zu ihren Nachbarstaaten ein angespanntes Verhältnis. Diese angespannte Situation konnte nicht mehr lange aufrecht erhalten werden. Deswegen findet gerade der Versuch statt, ein Stückweit den pragmatischen Weg einzuschlagen — gerade Russland als Großmacht spielt ja eine entscheidende Rolle in Syrien. Daher ist Russland für die Türkei von besonderer Bedeutung." 
     
    Als Folge der Anschläge habe die Verunsicherung in der Gesellschaft massiv zugenommen. "Zu Recht", wie Gürbey betont, "die Anschläge finden mitten in Großstätten wie Ankara oder Istanbul statt, wo vorwiegend Zivilisten betroffen."
     
    Deshalb gebe es in der Türkei nun kritische Stimmen, die einen Zusammenhang herstellten zwischen den Anschlägen und der ideologisch unterfütterten Politik. Trotzdem stellt Gürbey fest: " Es gibt aber auch viel Unterstützung des Kurses von Premierminister Erdogan, wo eben diese Politik gar nicht so in Frage gestellt wird.  Daher haben wir in der Gesellschaft eine sehr polarisierende Situation." 

     

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    Tags:
    Islamisierung, Kurden, Islamischer Staat, Arbeiterpartei PKK, Gülistan Gürbey, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Israel, Russland