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    Militärstützpunkt Incirlik in der Türkei

    Ausgebliebene Sensation mit Incirlik: „Für Ankara ist es normal zu feilschen“

    © AP Photo / Durmus Ali Baskan/Anatolia
    Politik
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    Warum hat die Türkei ihre Erklärung relativiert, die als Bereitschaft gedeutet werden konnte, die Luftwaffenbasis Incirlik den russischen Streitkräften zur Verfügung zu stellen? In einem russischen Kommentar wird darauf hingewiesen, dass die türkische Außenpolitik ihre spezifischen Besonderheiten hat – noch seit der Zeit des Osmanischen Reiches.

    Die russische Onlinezeitung vz.ru schreibt, es sei für die Türken eine gewohnte Sache, mit Incirlik für politische Zwecke „virtuell“ zu handeln: „Im April haben sie die Basis den Deutschen für eine langfristige Nutzung – ebenfalls im Kampf gegen den IS – angeboten. Als Gegenleistung sollte Berlin sowohl den Stützpunkt selbst als auch die umliegende Infrastruktur komplett modernisieren (…) Nach der Krise der deutsch-türkischen Beziehungen führte Berlin allerdings keine Gespräche mehr über die Nutzung der Basis.“

    „Für Ankara ist es durchaus normal, mit seinen Bündnispartnern auf diese basarartige Weise zu feilschen, geschweige denn mit Russland“, kommentiert vz.ru.

    Solche politischen Ansätze seien noch zu Zeiten des Osmanischen Reiches üblich gewesen. Es sei deshalb sinnlos, Ungereimtheiten in den Worten des türkischen Außenministers zu suchen oder ihm eine Inkompetenz zu bescheinigen. Denn er spiele redlich die Rolle eines osmanischen Wesirs. Eigentlich habe Mevlüt Cavusoglu tatsächlich keine sachlichen Vorschläge zu Incirlik angekündigt, stellt die russische Onlinezeitung fest. 

    Mehr zum Thema: Nach Sorry an Russland: Türkei revidiert Syrien-Kurs

    Sie zitiert den Minister mit seiner ursprünglichen Erklärung in Wortlaut: „Wir werden mit allen zusammenarbeiten, die sich dem ‚Islamischen Staat‘ entgegensetzen (…) Wir haben den Stützpunkt Incirlik für jene geöffnet, die an diesem Kampf aktiv teilnehmen wollen. Warum könnten wir nicht genauso mit Russland kooperieren? Der IS ist für uns alle ein Feind – und man muss gegen ihn kämpfen.“ 

    Später erklärte Cavusoglu, er habe nicht davon gesprochen, den Stützpunkt den Russen zur Verfügung zu stellen: „Wir sagten, dass wir mit allen kooperieren könnten, die gegen die Terrorgruppe IS kämpfen. Wir sprachen von unserer Bereitschaft, mit Russland im Kampf gegen den ‚Islamischen Staat‘ zusammenzuarbeiten.“

    Die Onlinezeitung schreibt nun weiter, Russland habe um Incirlik nicht gebeten und werde das auch nicht tun: „Für den russischen Verband in Syrien und überhaupt für Russlands militärische Positionen in der Region ist dieser Stützpunkt von keinem Interesse.“

    Im Kommentar wird darauf hingewiesen, dass Incirlik formell als US-Luftwaffenbasis gilt: „Für die russische Luftwaffe würde sich eine Nutzung von Incirlik so kompliziert gestalten, dass es besser ist, sich damit überhaupt nicht abzugeben. Wozu brauchen wir dies mit der US-Militärpolizei, mit dem gestaffelten Luftraum-Scannen, mit dem totalen Abhören, aber auch mit den türkischen Technikern?“

    „Der Stützpunkt Chmejmin in Syrien genügt durchaus, zumal sein Funktionieren durch offizielle Verträge zwischen Moskau und Damaskus geregelt wird. Der hypothetische Status russischer Soldaten auf einer Nato-Basis wie Incirlik wäre dagegen wackelig“, postuliert vz.ru.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Incirlik, Russland, Türkei