10:17 26 Juni 2019
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    Der Premierminister des Vereinigten Königreichs David Cameron und seine Frau

    Rule Britannia! - Was Sie schon immer über Camerons Nachfolger wissen wollten

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    Politik
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    Fünf Kandidaten haben sich als Nachfolger des scheidenden britischen Premiers Cameron beworben. Ex-Verteidigungsminister Fox und Arbeitsminister Crabb sind mittlerweile ausgeschieden. Innenministerin Theresa May behielt ihre Favoritenrolle. Was soll man über sie und andere Bewerber wissen – an dieser Stelle bei Sputnik.

    Wer ist noch drin im Rennen um die Nachfolge von Premier Cameron?

    Theresa May, Andrea Leadsom und Michael Gove
    © REUTERS /
    Theresa May, Andrea Leadsom und Michael Gove

    Im ersten Wahlgang der konservativen Abgeordneten erhielt der ehemalige Verteidigungsminister Liam Fox die wenigsten Stimmen. Für ihn votierten lediglich 16 Parlamentarier. Arbeitsminister Stephen Crabb erzielte mit 34 Stimmen das zweitschlechteste Ergebnis. Er gab daraufhin bekannt, dass er seine Kandidatur zurückziehe und nun die Favoritin Theresa May unterstütze.

    Die amtierende Innenministerin May konnte einen deutlichen Sieg einfahren. Wie das Komitee der Partei bekanntgab, erhielt sie 165 Abgeordnetenstimmen und damit einen mehr als die übrigen vier Bewerber zusammengenommen: An zweiter Stelle nach May kam die Staatssekretärin im Energieministerium, Andrea Leadsom, mit 66 Stimmen vor Justizminister Michael Gove mit 48 Stimmen.


    Theresa May ist schon in aller Munde. Wer ist  Andrea Leadsom? 

    Andrea Leadsom
    © REUTERS / Peter Nicholls
    Andrea Leadsom

    Andrea Leadsom hat seit 2010 einen Sitz im Unterhaus, im Mai 2015 wurde sie zur Staatsministerin für Energie und Klimawandel ernannt. Leadsom wuchs in Tonbridge in der Grafschaft Kent auf. Sie studierte an der University of Warwick, wo sie einen Abschluss in Politikwissenschaften erlangte. Danach arbeitete sie im Bankensektor und in der Finanzindustrie. In dieser Woche  sagte die Finanzexpertin, sie werde den EU-Austritt des Landes hart verhandeln. 

    Einen Austritt aus der EU  sieht sie als große Chance für ihr Land. Die taffe, ehemalige Bankerin will die Austrittsverhandlungen so schnell wie möglich starten — im Gegensatz zu Innenministerin May. Auch der gleich zu Anfang zurückgetretene Boris Johnson erklärte übrigens seine Unterstützung für Leadsom.

    Die 53-jährige forderte unter anderem, wer in Downing Street 10 einzieht, müsse zum Leave-Lager gehören. Eine wirklich weiße Weste soll sie aber auch nicht haben. Britische Medien schrieben, Leadsom habe selber vor ein paar Jahren erklärt, das Vereinigte Königreich solle besser nicht aus der EU austreten. Wie May wird auch sie des Öfteren mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher verglichen. Sie ist verheiratet und hat drei Kinder.


    Michael Gove, Englands Justizminister und ein weiterer Bewerber um den Premier-Posten, wird auch der "widerwillige Kandidat" genannt. Warum eigentlich? 

    Michael Gove
    © REUTERS / Peter Nicholl
    Michael Gove

    Gove präsentiert sich gerne selbst so. Eigentlich wollte der Justizminister nie Premierminister werden, das beteuerte er jahrelang selbst. Nicht gerade überraschend schlug er sich vor dem EU-Votum auf die Seite des Leave-Lagers, stand dem Brexit-Wortführer Boris Johnson treu zur Seite. Doch dann, wie das Kaninchen aus den Hut — der 48-jährige bewarb sich für den Vorsitz der britischen Konservativen und somit für das Amt des Premiers. Britische Medien nannten die Entscheidung einen Dolchstoß in den Rücken Johnsons, nun gilt Gove als Brutus. 

    Gove arbeitete zunächst für den Sender BBC und als Star-Kolumnist für die The Times. 2005 wurde er für die Tory-Partei ins Parlament gewählt und erhielt fünf Jahre später das Bildungsressort. Er galt als radikaler Reformer, womit er sich bei vielen unbeliebt machte, bevor er ins Justizressort wechselte. 

    Der Justizminister ist langjähriger Freund und politischer Kumpan Camerons. Sein Eintreten für den Brexit muss ein schwerer Schlag für den Noch-Premier gewesen sein. Der 48-jährige stammt aus Schottland, wo sein Vater in der Fischverarbeitung und seine Mutter in einer Gehörlosenschule arbeitete. 


    Top-Favoritin Theresa May – eine neue Eiserne Lady?

    Theresa May
    © REUTERS / Dylan Martinez
    Theresa May

    In Bezug auf die Brexit-Problematik hielt sie sich am Anfang sehr zurück. Sie schlug sich auf die Seite des Pro-EU-Lagers Camerons, zeigte sich dann aber offen für Kritik an der Union  und hielt sich aus dem politischen Gezanke raus.

    Gerade dies könnte aber der 59-jährigen nun den Weg zum Chefsessel ebnen, denn in der gespaltenen konservativen Partei sehnen sich viele nach Versöhnung. Nun gilt Theresa May als klare Favoritin, es an die Spitze der britischen Konservativen und damit des ganzen Landes zu schaffen.

    Schon seit Jahren wird die Innenministerin von den Medien als aufgehender Stern gehandelt, wie der Telegraph sie 2010 nannte. Als Eiserne Lady im Wartestand beschrieb The Independent sie drei Jahre später. Vor allem beim Thema Immigration gilt sie als knallhart. Ihre Haltung zur EU stellte May nach dem Referendum klar. Brexit bedeutet Brexit, sagte sie, und schloss ein zweites Votum oder einen Verbleib in der EU aus.


    Wie geht es jetzt weiter mit der Wahl?

    Bei der Suche nach der neuen Führung haben zunächst die Tory-Abgeordneten das Sagen. Die etwa 150.000 Parteimitglieder sollen dann im September bei einer Stichwahl zwischen den beiden von den Abgeordneten favorisierten Kandidaten die endgültige Entscheidung treffen. Der nächste Wahlgang ist für Donnerstag geplant.

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    Brexit, Boris Johnson, Michael Gove, Andrea Leadsom, Theresa May, David Cameron, Großbritannien