09:48 10 Dezember 2018
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    Experte: Amerikas Stuxnet-Virus für Iran nicht mehr gefährlich

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    Der in den US-Kinos laufende Dokumentarfilm „Zero Days“ von Alex Gibney erzählt von der größten US-Operation gegen den Iran, in deren Rahmen der Computerwurm Stuxnet in iranische Computer eingeschleust worden war. In einem Sputnik-Interview äußert sich der iranische Spezialist Mani Mehrabi über den Film und Cyber-Attacken.

    Stuxnet gilt als die erste Cyber-Waffe der USA gegen den Iran im Rahmen der Operation „NITRO ZEUS“. Einigen iranischen Medien zufolge war sein Ziel, die für die technologischen Prozesse in den Urananreicherungsanlagen verantwortlichen Computer zu infizieren.

    Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg
    © AP Photo / Geert Vanden Wijngaert
    Laut inoffiziellen Angaben waren dem Virus seit 2010 die Reaktoren in den iranischen Städten Natanz und Arak und das Kernkraftwerk Buschehr zum Opfer gefallen. Im Endeffekt sollen viele Zentrifugen für die Urananreicherung zerstört worden sein.

    Der ehemalige Direktor der CIA und NSA, Michael Hayden, hat das Erscheinen des Filmes damit erklärt, dass die Fragen der Anwendung von Cyber-Waffen öffentlich besprochen werden sollten. Das sei für die Prävention großer Katastrophen von großer Bedeutung.

    Die iranische Fachleutegemeinschaft ist anderer Auffassung. Der Experte im Bereich Politik und Regionalsicherheit, Mani Mehrabi, meint, die iranischen Strategieobjekte seien zweimal von dem Wurm Stuxnet attackiert worden. Beim ersten Mal habe er sein Ziel erreicht: Mehrere Zentrifugen für die Urananreicherung seien außer Betrieb gesetzt oder beschädigt worden.

    Laut Mehrabi wollten die Stuxnet-Erfinder so sehr zum Erfolg kommen, dass die iranischen Geheimdienste dies herausfanden. Die Ausrüstung und die Atomsysteme haben zurzeit keinen Internetzugang, deswegen sollte für einen Hackerangriff ein schweres Virus erfunden werden, das nur durch ein Flash-Laufwerk oder eine Speicherkarte übertragen werden könnte. Mehrabi betont, die Verbreitung von Stuxnet wirke sich nicht nur auf den Iran, sondern auch auf Indien, Aserbaidschan, Pakistan, Indonesien und sogar die USA selbst negativ aus.

    Zurzeit bestehe für die iranischen Atomobjekte keine Drohung mehr durch dieses Virus, weil die iranischen Fachleute die Methode seines Eindringens festgestellt haben.

    Der Film „Zero Days“ gibt Mehrabi zufolge keine neuen Informationen über den Wurm Stuxnet. Es gab wirklich 18 Personen, die bekannt haben, dass sie das Virus erfunden und später aus den USA und Israel eingeschleust hatten. Das Ziel, das der Computerwurm verfolgte, wird im Film erläutert.

    Der Stuxnet-Wurm war erstmals im Juni aufgetaucht und wurde unter anderem auf Siemens-Systemen in Indien, Indonesien, Pakistan und anderen Ländern gefunden. Besonders stark ist offenbar der Iran betroffen. Die iranische Presse sprach bereits von einem „elektronischen Krieg“ gegen das Land, das international wegen seines Atomprogramms unter Druck steht.

    Der Dokumentarfilm „Zero Days“ wurde erstmals im Februar auf der Berlinale gezeigt. Regisseur Alex Gibney hatte 2008 für den Film „Taxi zur Hölle“ den Oscar gewonnen.

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    Tags:
    Cyberattacken, Atomkraftwerke, Israel, Iran, USA