17:05 12 Dezember 2017
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    „Svenska Dagbladet“: Lockerung der Sanktionen ohne Zugeständnisse Moskaus

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    Der Westen könnte demnächst die Sanktionen gegen Russland lockern, obwohl Russland überhaupt keine Zugeständnisse gemacht hat, schreibt der schwedische Professor Stefan Hedlund in einem Artikel für die Zeitung „Svenska Dagbladet“.

    Die Sanktionspolitik an sich sei das Ergebnis eines falschen Umgangs mit Russland. Hedlund zufolge zeigen beide Seiten zwei unterschiedliche außenpolitische Verhaltensweisen. Moskau betrachte die Ereignisse in der Ukraine aus der Perspektive eines Interessenkonflikts, der Westen hingegen vom Standpunkt eines Wertekonflikts. Zudem sei der Westen der Meinung, dass Moskau „nicht das Recht hatte, sich einzumischen“.

    „Ein grundsätzlicher Unterschied zwischen einem Interessen- und dem Wertekonflikt besteht darin, dass ersterer durch Verhandlungen gelöst werden kann. Beim Wertekonflikt wird automatisch gemeint, dass die eine Seite Recht hat und die andere nicht“, so der Professor.

    „Als Reaktion des Westens galt die Einführung der Sanktionen, die dennoch keinen Einfluss auf das Verhalten Russlands hatten. Die Sanktionen haben den westlichen Politikern das Gefühl einer moralischen Überlegenheit verliehen, wofür ein extrem hoher Preis in Form eines erheblichen Rückgang des Handels und des Zusammenbruchs der europäischen Sicherheitsstruktur gezahlt worden ist”, behauptet der Professor.

    Hedlund schließt nicht aus, dass die Sanktionen im nächsten Jahr gelockert werden könnten, obwohl der Kreml keinerlei Zugeständnisse gemacht habe.

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    Falsch sei auch die Behauptung, dass Moskau mit seiner Politik ein Eigentor schieße. Die meisten Russen seien zufrieden mit der Politik von Präsident Wladimir Putin. Die Ereignisse des letzten Jahrzehntes empfänden sie nicht als „eine Reihe von Misserfolgen“. Zudem stärkten die westlichen Sanktionen die Position Putins und bestärkten die Russen in ihrer Meinung, dass der Westen ihr Land zerstören will, so Hedlund.

    „Die Hauptfrage muss lauten: Was hat der Westen aus seiner Sicht in dieser Situation außer der moralischen Überlegenheit gewonnen?”, fragt der schwedische Experte.

    Vor dem Nato-Gipfel in Warschau hatte Hedlund in „Svenska Dagbladet“ von der Gefahr der Konflikteskalation durch die Nato geschrieben und den Westen dazu aufgefordert, ein Mittel zu finden, mit dem die Spannungen mit Moskau abgebaut werden könnten. Hedlund wurde daraufhin vorgeworfen, ein „Apologet der offiziellen Position Russlands“ zu sein. Der Professor bezeichnete die Vorwürfe als „grobe Verleumdungen“.

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    Tags:
    Sanktionspolitik, Sanktionen, NATO, Stefan Hedlund, Wladimir Putin, Russland
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