15:31 25 Januar 2020
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    Der südkoreanische Premier Hwang Kyo-ahn ist bei seinem Besuch in Seongju in der Provinz Gyeongsangbuk-do, 300 Kilometer südöstlich von Seoul, angegriffen worden. Einheimische warfen Eier, Wasserflaschen und andere Gegenstände auf den Politiker, wie The New York Times berichtet.

    US-Raketenabwehr THAAD
    © Foto : US Missile Defense Agency
    Dem Premier wurde dieser unfreundliche Empfang bereitet, nachdem am Mittwoch der Beschluss bekannt gegeben wurde, in Seongju ein neues US-Raketenabwehrsystem THAAD zu stationieren. Die Einwohner wurden nicht nach ihrer Meinung dazu gefragt, was große Unzufriedenheit unter ihnen auslöste. Die Anwohner befürchten vor allem, dass die Radaranlage des Raketenabwehrsystems ihrer Gesundheit schaden werde.

    Seit Mittwoch gab es in Seongju mehrere Kundgebungen. Am Freitag kam der Premier nach Seongju, um die Einwohner zu beschwichtigen.

    Tausende Menschen versammelten sich vor dem Verwaltungsgebäude von Seongju. Sie riefen „Hau ab!“ und warfen Eier und Flaschen auf den Premier. Einige warfen sogar Salz, was laut einheimischen Traditionen als Maßnahme gegen böse Geister gilt.

    Die Leibwächter des Premiers mussten ihn mit Regenschirmen schützen. Dennoch musste er vor der protestierenden Masse fliehen. Danach wurde die TV-Übertragung seines Auftritts gestoppt.

    Wie die NYT berichtet, blockierten die Protestierenden den Kleinbus, mit dem Hwang Kyo-ahn und andere Beamte wegfahren wollten. Die Einwohner stellten einen Traktor vor den Wagen. Danach kam es zu Zusammenstößen zwischen Protestierenden und der Polizei. Die Unruhen dauerten mehrere Stunden. Verletzt wurde niemand.

    Die Stationierung der THAAD-Systeme war am Mittwoch offiziel angekündigt worden. Laut Seoul würde dieses System zwei Drittel des Landes vor nordkoreanischen Raketen schützen. US- und südkoreanische Militärs rechnen damit, die THAAD-Systeme in Seongju gegen Ende 2017 aufzustellen.

    Laut Umfragen unterstützen die meisten Südkoreaner die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems im Lande. Nach Angaben von Gallup Korea handelt es sich um 50 Prozent Unterstützer, während sich 32 Prozent gegen die Stationierung der THAAD-Systeme äußerten.

    Die Gegner des US-Raketenabwehrsystems zweifeln an der Effizienz der THAAD-Systeme und befürchten, dass ihre Stationierung in Südkorea die Abhängigkeit des Landes von den USA und die Spannungen mit den Nachbarn, darunter vor allem Nordkorea, verschärfen wird. Die nordkoreanischen Behörden drohten bereits mit physischen Maßnahmen als Antwort auf die Stationierung des US-Raketenabwehrsystems im benachbarten Land. Auch Russland ist gegen die geplante Stationierung der US-Raketenabwehrsysteme in Südkorea.

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    Tags:
    Radaranlagen, Luftabwehrsystem THAAD, Seoul, Südkorea, USA, Washington, Russland