06:38 24 Oktober 2018
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    Russische Marine-Offiziere an Bord des atomgetriebenen Zerstörers Petr Weliki

    Russland plant neue Atom-Zerstörer: „Präsenz in abgelegenen Regionen der Welt“

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    Russland entwirft einem Zeitungsbericht zufolge neuartige atomgetriebene Zerstörer. Sie sollen schwer bewaffnet sein und Vorteile von drei Schiffsklassen kombinieren. Dass solche Kriegsschiffe auf dem Plan stehen, zeugt laut Experten von neuen geopolitischen Interessen des Landes.

    Wie die Tageszeitung „Iswestija“ am Donnerstag berichtet, arbeitet das in St. Petersburg ansässige Konstruktionsbüro Sewernoje am technischen Entwurf im Rahmen des Projekts 23560 Leader.

    Der Vorentwurf stammt vom Forschungszentrum Krylow. Dessen Fachmann Walerij Polowinkin sagte dem Blatt, das geplante Kriegsschiff sei vielseitig einsetzbar: „Das Projekt Leader soll in der Lage sein, gleich drei Schiffsklassen der russischen Kriegsmarine zu ersetzen, und zwar die eigentlichen Zerstörer, die großen U-Jagd-Schiffe und die Raketenkreuzer des Projekts 1144 Orlan.“

    Der neue Zerstörer soll laut Polowinkin mehr Waffen tragen als ein ebenfalls atomgetriebenes Orlan-Schiff: „Wie autonom solche Schiffe sind, liegt gewöhnlich nur an Nahrungsmittelvorräten: Der Atomantrieb kann mehrere Jahre lang ohne Neubeschicken funktionieren.“

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    Nach Informationen der Zeitung bekommen die Leader-Zerstörer neue russische Reaktoren des Typs RITM-200 und sind dann fähig, eine Geschwindigkeit von 30 Knoten zu erreichen. Insgesamt sollen acht Schiffe dieser Klasse gebaut werden. Die unmittelbare Arbeit mit Metall beginnt nach Angaben der Schiffsbau-Holding USBC Anfang 2018.

    Der Zerstörer soll zwei bis vier Startvorrichtungen mit Kalibr-NK- und Onyx-Raketen bekommen. Zur Verfügung steht voraussichtlich die seegestützte Version des Raketenabwehrsystems S-500, aber auch das Fla-System Poliment-Redut mit einer geringeren Reichweite. Geplant ist ein entsprechendes Leitsystem des Typs Poliment mit einem aktiven Phased-Array-Radar. Auch die Aufstellung von Panzir-M-Flugabwehrsystemen wäre möglich. Dazu noch bekommt der Zerstörer 130-mm-Geschütze des Typs A-192.

    Das endgültige Erscheinungsbild des Zerstörers sowie dessen Bewaffnung könnten allerdings vor dem Produktionsstart noch geändert werden, wie der russische Marineexperte Alexander Mosgowoi prognostizierte: „Der Innovationsstand ist hoch, die Leistungen aus der Forschungs- und Entwicklungsphase müssen komplett umgesetzt werden. Vor diesem Hintergrund wären wesentliche Korrekturen am technischen Entwurf in Bezug auf die Konstruktion wahrscheinlich. Dies betrifft vermutlich nicht nur das technische Erscheinungsbild, sondern auch die Pläne für die weitere Serienproduktion.“

    Der neue Zerstörer soll eine Wasserverdrängung von rund 17.500 Tonnen haben. Damit ist er kleiner, aber doch vergleichbar mit dem jetzt in Dienst stehenden russischen Atomkreuzer „Pjotr Weliki“ des Projekts Orlan. Igor Kassatonow, Ex-Vizechef der russischen Kriegsmarine, sagte dem Blatt, solche Schiffe seien gut bewaffnet und fähig, verschiedene Aufgaben in jedem Gebiet des Weltmeeres zu lösen: „Seit 1989 hat die russische Kriegsflotte keine Schiffe einer solchen Klasse bestellt. Das heißt, das Land hat nun erneut geopolitische Interessen in Bezug auf seine Präsenz in abgelegenen Regionen der Welt.“

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    Tags:
    Atom-Raketenkreuzer Pjotr Weliki, Onyx-Raketen, RITM-200, Zerstörer, Projekt 1144 Orlan, USBC, Sewernoje, Igor Kassatonow, Russland