02:42 23 Oktober 2018
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    Boris Jelzin

    „Ich hab halt verschlafen“: Kult-Worte des einstigen Kreml-Chefs Jelzin

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    Politik
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    Ein Vierteljahrhundert nach dem Amtsantritt des ersten russischen Präsidenten Boris Jelzin hat die Zeitung „Kommersant“ einige seiner markantesten Aussprüche aufgelistet.

    1. „Das große Russland erhebt sich von den Knien!“

    Im Juli 1991 wurde Jelzin als erster Präsident der damaligen Sowjetrepublik Russland vereidigt. Beim Amtsantritt hielt er eine emotionale Programmrede und sagte unter anderem: „Das große Russland wird von den Knien aufstehen. Ohne Zweifeln werden wir das Land in einen prosperierenden, demokratischen, friedliebenden, souveränen Rechtsstaat verwandeln. Die ersten Schritte dazu haben wir bereits unternommen. Nach den zahlreichen Bewährungsproben haben wir klar unsere Ziele vor Augen und können uns sicher sein – Russland wird wiedergeboren!“

    2. „Ich hab halt verschlafen…“

    Am 30. September 1994 wollte der russische Präsident auf dem Weg von den USA in die Heimat einen Zwischenstopp in Irland einlegen, um sich mit dem dortigen Ministerpräsidenten Albert Reynolds zu treffen.

    Das Flugzeug landete auf dem Flughafen Shannon, die Gastgeber warteten jedoch vergeblich: Jelzin stieg nicht aus. Nach der Rückkehr in Moskau sagte der Kreml-Chef: „Ich sage es ehrlich: Ich hab halt verschlafen. Ich hatte 18 Stunden Flug hinter mit – und der Sicherheitsdienst ließ die Menschen nicht rein, die mich sozusagen wecken sollten. Ich habe mit ihnen natürlich noch ein Hühnchen zu rupfen.“ Nach offiziellen Angaben soll sich Jelzins Gesundheitszustand bei der Landung in Irland drastisch verschlechtert haben.

    3. „Ihr sitzt falsch!“

    Am 5. Mai 1999 tagte das organisatorische Komitee zur Vorbereitung auf die Millennium-Feier. Zum Auftakt der Sitzung machte Jelzin eine Bemerkung, die dann zu einem geflügelten Wort wurde: „Ihr habt euch falsch gesetzt… Stepaschin ist der erste Vize. Bitte korrigieren. Wechseln Sie den Platz.“ Der stellvertretende Regierungschef Sergej Stepaschin nahm Platz neben Jewgeni Primakow, dem Ministerpräsidenten. Eine Woche später wurde dieser entlassen – und Stepaschin übernahm sein Amt.

    4. „Ich gehe.“

    Am 31. Dezember 1999 überraschte Jelzin dann in einer TV-Ansprache: „Ich gehe. Ich gehe vor dem Ende meiner Amtszeit. Ich habe verstanden, dass ich es tun muss. Russland muss ins neue Jahrtausend mit neuen Politikern eintreten, mit neuen Gesichtern, mit neuen, klugen, starken, energischen Menschen. Und wir, die wir schon lange Jahre an der Macht waren, wir sollten gehen.“ Am selben Tag legte er sein Amt nieder. Als Interimspräsident fungierte nun Wladimir Putin, der bald auch die Vorwahlen gewann. 

    5.  „Zur Entspannung“

    Und noch ein Zitat, welches auf der Liste des „Kommersant“ zwar fehlt, aber nicht weniger einprägsam war: Nachdem ranghöchste Vertreter der sowjetischen Elite am 19. August 1991 erfolglos versucht hatten, den damaligen Staatschef Michail Gorbatschow abzusetzen, fand am 22. August eine außerordentlich Tagung des Obersten Sowjets der Sowjetrepublik Russland statt. Während Gorbatschow Fragen der Abgeordneten beantwortete, sagte Jelzin zwischendurch: „Genossen, mal zur Entspannung. Gestatten Sie mir, einen Erlass zum Verbot der Aktivitäten der russischen Kommunisten-Partei zu unterzeichnen.“ Erst eineinhalb Jahre später wurde eine Nachfolgepartei der Kommunisten, die KPRF, in Russland gegründet.

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