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    Russische und chinesische Flaggen

    Unter US-Druck: „Kritische Masse für künftige Russland-China-Synergie“

    © AFP 2019 / Peter PARKS
    Politik
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    Die Interessen Russlands und Chinas stimmen immer mehr überein, indem die beiden Länder von den USA und deren Satelliten unter Druck gesetzt werden. Darauf weist ein russischer China-Experte hin. Er spricht von einer „Höheren Mathematik“ der Beziehungen zwischen Moskau und Peking.

    Juri Tawrowski, Professor an der Russischen Universität der Völkerfreundschaft, schreibt in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Iswestija“: „Es ist Mode geworden, den Stand der Beziehungen zwischen Russland und China in US-Dollar oder seltener in Rubel und Yuan zu berechnen.“

    „Als der Warenumsatz im Jahr 2014 beispielsweise auf 90 Milliarden Dollar angestiegen war, sprach man von einer stabilen Entwicklung. Als dann angekündigt wurde, den bilateralen Handel zum Jahr 2020 auf 200 Milliarden erhöhen zu wollen, freute man sich: Das wäre ja ideal! Kaum hat aber der Ölpreis einen Sturz erlebt und den russisch-chinesischen Handel im Jahr 2015 auf 64 Milliarden nach unten gedrückt, wurden sofort die Pessimisten-Chöre laut: Russlands Wende nach Osten sei gescheitert, Peking habe Moskau in einer schwierigen Zeit Hilfe verweigert und so weiter“, so der Kommentar.

    „Auch Wladimir Putin und Xi Jinping mögen und verstehen es, mit Zahlen zu operieren. Sie sind bestrebt, die arithmetische Dimension unserer Beziehungen auf einen Stand zu erhöhen, den die beiden gegenseitig ergänzenden Wirtschaften, die beiden riesigen Anrainerländer verdienen. Doch die Staatschefs müssen sich dazu noch um die Höhere, also globale Mathematik kümmern“, schreibt der Experte.

    Er erläutert: „Putins jüngster Peking-Besuch fiel zeitlich mit dem 15. Jahrestag des Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrags zusammen. Die beiden Staatschefs verabschiedeten eine Erklärung über die Festigung der globalen strategischen Stabilität. Nun nehmen Forscher, Diplomaten und Spione aus verschiedenen Ländern diese Erklärung unter die Lupe, um zu verstehen, inwieweit Moskau und Peking sich einem militärpolitischen Bündnis genähert haben.“

    „Sowohl in Moskau als auch in Peking wird immer wieder betont, dass ein Bündnis wie damals seit den 1950er bis Mitte der 1960er Jahre nicht mehr möglich sei. Doch, wie ein Spruch besagt, sag niemals nie“, so Tawrowski weiter.

    „Die USA und ihre Satelliten schaden sich selbst, indem sie Russland und China jeweils von West und Ost aus immer mehr zusammenpressen und die ‚kritische Masse‘ für eine künftige Synergie dadurch erzeugen. Sie bauen den Raketenschild in Europa und Asien auf. Sie verlegen Nato-Bataillonen an die russischen Grenzen und bestreiten die chinesischen Grenzen im Südchinesischen Meer. Sie verlängern die Krim- und die Tiananmen-Sanktionen. Sie ziehen neue Bruchlinien zwischen globalen geopolitischen und geowirtschaftlichen Platten, indem die Handelsabkommen TPP und TTIP ohne Russland und China gegründet werden“, heißt es im Kommentar.   

    „Zwar stimmten die nationalen Interessen Russlands und Chinas bei weitem nicht immer überein. Doch jetzt ist die Übereinstimmung praktisch perfekt. Dies wird durch die globale Höhere Mathematik bestätigt. Man sollte sich also nicht auf die Arithmetik beschränken und die Beziehungen der beiden Großmächte in Dollar, Rubel oder Yuan berechnen“, mahnt Tawrowski zum Schluss.

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    Tags:
    Yuan, Rubel, Dollar, TTIP, Xi Jinping, Wladimir Putin, Juri Tawrowski, China, Russland, USA