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    Das renommierte italienische Politikjournal Ispi hat einen Artikel des Professors Eugenio di Rienzo von der Università di Roma zur Amtszeit von Obama und zu den Beziehungen zwischen den USA und Russland abgelehnt. Di Rienzo äußert sich in einem Sputnik-Interview zur Zensur in Italien.

    Das geopolitische Journal Ispi (Istituto di Studi di Politica Internazionale) habe eine scharf ausgeprägte proamerikanische Position. Deswegen schien es di Rienzo schon von Anfang an überraschend, dass das Journal ihn um eine Analyse der Regierungszeit des amerikanischen Präsidenten und dessen Einstellung zu Russland gebeten hatte. Aber damals dachte er, dass die Redaktion einmal eine von der üblichen Meinung abweichende Stimme haben wollte. Doch er hatte sich geirrt.

    „Ich habe mich geirrt, sie brauchten Choristen. Sie haben keine ernsthaft begründeten Argumente gegen den Inhalt des Textes vorgebracht“, so der Professor.

    Als der Text noch in der Korrekturfahne vorlag, wurde er wegen „antiamerikanischer und prorussischer Stimmung“ abgelehnt. Das soll eine Entscheidung der Führungsspitze von Ispi gewesen sein.

    „In akademischen Kreisen Italiens herrscht bedauerlicherweise die Tradition einer intellektuellen Servilität vor, eine Tradition, sich an die stärkere Seite anzulehnen“, betonte di Rienzo.

    In Italien gebe es keine aufrichtige Zensur, sondern einige Eingrenzungen in Bezug auf geopolitische Äußerungen.

    In dem von di Rienzo verfassten Text handele es sich um zwei grundsätzliche Stichpunkte. Zum einen halte der Professor die Annäherung der Nato an die russischen Grenzen für einen Fehler, da dabei die Interessen der Föderation betroffen seien. Und zum anderen hat Obama, laut dem italienischen Experten, eine Spaltung in der Allianz verursacht, indem er antirussische revanchistische Stimmungen in den baltischen Ländern und in Polen förderte.

    „Ich denke, dass die Politik des Westens gegenüber Russland nichts Gutes nicht nur für Russland, sondern auch besonders für den Westen selbst gebracht hat. Also ich bin kein Antiamerikaner. Nicht mehr als Kissinger, der Obama sehr scharf für dessen Position in dem Ukraine-Konflikt kritisierte“, so di Renzio.

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    Tags:
    Henry Kissinger, Barack Obama, USA, Russland, Italien