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02:43 20 August 2019
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    Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei

    Westen sorgt sich um US-Atomwaffen in der Türkei

    © Foto: US Air Force/Staff Sgt. Alexandre Montes
    Politik
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    Westliche Medien zeigen sich besorgt über das Schicksal der US-Atomwaffen in der Türkei und rufen Washington zum Abtransport von Kernwaffen aus dem Land auf.

    „Die Türkei ist kein sicherer Ort mehr für US-Atombomben“, schreibt Jeffrey Lewis, Direktor des Programms „East Asia Nonproliferation“ des Monterey Institute of International Studies in der Zeitung „Foreign Policy“.

    Der Experte betonte vor allem die Tatsache, die nun besonders Assoziationen mit dem Putschversuch in der Türkei auslösen wird: zahlreiche Videos der von Rebellen ergriffenen F16-Kampfjets, die auf niedriger Höhe über Ankara und Istanbul fliegen. Es liege auf der Hand, dass sie regelmäßig nachtanken müssten. Dies geschehe durch das Nachtankflugzeug vom Militärstützpunkt Incirlik. Und genau auf diesem Stützpunkt befänden sich die US-Atomwaffen.

    Lewis zufolge löste dies bereits während des Putschversuchs Besorgnisse aus: „Ist es eine gute Idee, US-Atomwaffen auf dem Stützpunkt der Luftstreitkräfte zu stationieren, die unter Leitung eines Menschen steht, der vielleicht bei Bombenangriffen auf das Parlament des eigenen Landes geholfen hat?“, schreibt der Experte.

    Die Nato habe noch vor kurzem 160 Millionen US-Dollar zur Verbesserung des Sicherheitssystems an Lagerungsorten ihrer Atomwaffen ausgegeben — auch am Stützpunkt Incirlik. Doch falls feindliche Kräfte die Situation im Lande unter ihre Kontrolle bringen sollten, werde es riskant. „Der Luftwaffenstützpunkt ist keine Festung, es gibt kaum mehr Möglichkeiten, einer Belagerung standzuhalten, als bei einer Botschaft“, so der Experte.

    Es stellte sich heraus, dass alle Sicherheitsmaßnahmen bei Incirlik zum Schutz der US-Atomwaffe ausschließlich auf der Vorstellung beruhten, dass die Situation im Lande stabil und seine Regierung t gegenüber den USA loyal ist. Aber in letzter Zeit verschlechterte sich die Sicherheitslage in der Türkei, so Lewis. Er erinnerte an den Vorfall im April, als Militärs und ihre Familien vom Stützpunkt Incirlik wegen Terrorgefahr in Sicherheit gebracht werden mussten.

    Die Bomben werden in Schutzbunkern gelagert — um sie zu nutzen, braucht man Sicherheitscodes. Doch diese Sicherheitsmaßnahmen können bei entsprechenden Kenntnissen und Fertigkeiten völlig wirkungslos werden.

    „Zudem verwirrt auch das Verständnis davon, dass die Stationierung dieser Bomben durch die USA in der ganzen Welt wenig Verteidigungswert hat“,  meint die Autorin von „The National Interest“, Bonnie Christian. Sie verweist auf einen für Aufsehen sorgenden Artikel zu diesem Thema, der von Erik Schlosser in der Zeitschrift „The New Yorker“ veröffentlicht wurde. Er schrieb, in Incirlik würden rund 50 Bomben des Typs B61 gelagert – 25 Prozent der Nato-Vorräte.

    „Beim Vorhandensein notwendiger Instrumente und Fertigkeiten kann man in wenigen Stunden das Lager mit Nato-Waffen öffnen und sie verlegen. In wenigen Sekunden kann ein Sprengsatz montiert bzw. eine tödliche radioaktive Wolke gestartet werden“, so Schlosser.

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    Tags:
    Atomwaffen, USA, Incirlik, Türkei