21:36 17 Juli 2018
SNA Radio
    In Istanbul sammelten sich Menschen mit Flaggen auf der Straße und demonstrierten gegen den Putsch

    Putschversuch: Türkische Minister nennen Zahl der Beteiligten

    © AFP 2018 / BULENT KILIC
    Politik
    Zum Kurzlink
    Putschversuch in der Türkei (231)
    3357

    Rund 10.000 Militärs haben sich am gescheiterten Putschversuch in der Türkei beteiligt, wie der türkische TV-Sender „NTV“ berichtet. Die Verschwörer haben mittels gekennzeichneter Dollar-Scheine miteinander kommuniziert.

    Die Putschisten hätten auf Anweisung des Islam-Predigers Fethullah Gülen gehandelt, heißt es in dem TV-Beitrag. Seit 1999 lebt der Oppositionelle in den USA. 

    Die aufständischen Militärs hätten beim Umsturzversuch hunderte gepanzerte Fahrzeuge und tausende Schusswaffen eingesetzt. Außerdem haben sie 27 Kampfflugzeuge, 38 Hubschrauber, 74 Panzer und drei Kampfschiffe mobilisiert.

    Der türkische Justizminister, Bekir Bozdag, erklärte, bei den Aufständischen seien während der Durchsuchungen Dollar-Scheine von geringem Wert gefunden worden. Die Putschisten hätten die Geldscheine zu Kommunikationszwecken verwendet und sie dafür mit entsprechenden Buchstaben markiert: Der Buchstabe F etwa habe auf einen höheren Rang verwiesen, niedere Ränge seien auf den Dollarscheinen mit den Buchstaben J oder C gekennzeichnet gewesen.

    Wie der türkische Innenminister Efkan Ala mitteilte, sind mehr als 15.000 Menschen im Zusammenhang mit dem Putsch festgenommen worden – 10.000 davon seien Angehörige des türkischen Militärs. Rund 8.000 Menschen stehen unter Arrest. 

    Die Nachrichtenagentur „Reuters“ berichtet, dass acht Militärangehörige nach der Zerschlagung der Revolte mit einem Hubschrauber nach Griechenland geflohen seien, wo sie Asyl beantragt hätten. Die griechischen Behörden wollten die Asylsuchenden am 19. August dazu befragen.

    Der Putschversuch in der Türkei ist in der Nacht auf den 16. Juli unternommen worden. Türkische Militärs haben Panzer, Jagdflugzeuge und Kampfhubschrauber eingesetzt, um den türkischen Präsidenten und seine Regierung zu stürzen. Die Putschisten haben staatliche Fernsehkanäle besetzt und Regierungsgebäude beschossen.

    Präsident Erdogan hat das türkische Volk dazu aufgerufen, auf die Straßen zu gehen und den Meuterern entschieden entgegenzutreten. Der Umsturz ist niedergeschlagen worden. Nach offiziellen Angaben starben dabei außer Putschisten 246 Menschen, mehr als 2.000 wurden verletzt. 

    Die türkische Führung macht Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Der oppositionelle Prediger bestreitet jegliche Beteiligung an der Organisation der Revolte und erklärt, dass der Militäraufstand möglicherweise von der türkischen Regierung selbst initiiert worden sei.

    Ankara hat in einem offiziellen Schreiben an Washington die Auslieferung Gülens gefordert. Der türkische Premier, Binali Yildirim, hat die Vereinigten Staaten aufs Schärfste kritisiert, weil die US-Behörden als Voraussetzung für die Auslieferung des Oppositionellen Beweise für Gülens Beteiligung am Putschversuch fordern. Die Türkei werde „einen Berg von Beweisen“ bereitstellen, versprach der türkische Premier.

    Präsident Erdogan hat in seiner ersten Verordnung nach dem Verhängen des Ausnahmezustands die Sicherheitsbehörden dazu berechtigt, Personen für die Dauer von einem Monat in Gewahrsam zu nehmen. Auf Anordnung des türkischen Staatschefs sind 35 Einrichtungen der Gesundheitsfürsorge, mehr als 1.000 private Bildungseinrichtungen und Wohnheime, über 1.200 Stiftungen, 19 Gewerkschaften und Verbände sowie 15 Hochschulen in Trägerschaft einer Stiftung geschlossen worden.

    Themen:
    Putschversuch in der Türkei (231)

    Zum Thema:

    Türkei: Neffe von Erdogan-Gegner Gülen festgenommen
    Türkei: Haus von Erdogan-Gegner Gülen wird in öffentliche Toilette umgebaut
    Geflüchtete Putschisten? Türkische Generäle in Dubai verhaftet
    Tags:
    Putsch, Türkei, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren