07:23 16 Juni 2019
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    Nach schrecklicher Tragödie in München

    Zentralrat der Muslime in Deutschland: „Hetze tötet den Verstand!“

    © AP Photo / Jens Meye
    Politik
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    Nach der vergangenen Anschlagswelle wird der Islam in Deutschland immer skeptischer betrachtet. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, ruft dagegen zu Besonnenheit auf. Die hier lebenden Muslime seien höchst besorgt, als Terroristen abgestempelt zu werden.

    Laut Aiman Mazyek geht Deutschland unruhigen Zeiten entgegen. Er stellt fest: Es gibt durchaus Personen, die nicht betroffen auf diese schrecklichen Ereignisse reagieren, so wie es angebracht wäre, sondern mit Häme.“

    Er ruft zum Nachdenken auf, bevor man etwas sagt, und dazu die eigene Position zu hinterfragen.
    Zu der Lage der Muslime in Deutschland sagt er in einem Sputnik-Interview: „Wir sind ein Teil der deutschen Bevölkerung und wir haben mindestens die gleichen Sorgen.“

    Man müsse aufpassen und nicht immer nur monokausale Begründungen für Taten wie in Ansbach oder Würzburg zu suchen, um nicht versehentlich Propaganda für den IS zu betreiben. Er sehe Ähnlichkeiten zwischen den beiden Anschlägen: „Die Menschen waren in einer schwierigen Lage, sie waren suizidgefährdet, sie waren in psychiatrischer Behandlung und offenkundig hatten sie große Probleme.“

    Auch wenn dies solche Mordanschläge in keiner Weise rechtfertige müsse man versuchen nach weiteren Motiven zu suchen, die tiefere Erklärungen liefern würde. „Wenn wir diese Taten nur in die politische Ecke verorten, machen wir es uns zu einfach“, so Mazyek.
    Man müsse die Gesellschaft und den Umgang mit solchen Menschen insgesamt hinterfragen und nicht nur schnelle politische Verortungen vornehmen. In der Konsequenz führe das bei nicht in wenigen Menschen dazu, bestehende Vorurteile und Stereotype zu verhärten.

    Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime plädiert für eine intelligente Präventionsarbeit: „Mit Repressionen sind psychisch labilen Menschen die mit extremen bzw. extremistischen Vorstellungen kokettieren, nicht beizukommen.“
    Unter intelligenter Präventionsarbeit versteht Mazyek, die betroffenen Gruppen und das Milieu an sich stärker zu unterstützen und vor allem zu differenzieren. Den derzeit vorherrschenden Diskurs, der alle in einen Topf werfe und Vorurteile und Ressentiments gegen eine gesamte Gruppe der Gesellschaft geradeweg ausspreche, sei nicht besonders hilfreich.

    Mazyek verurteilt die Aussagen mancher Politiker in diese Richtung und meint: „Wer Ressentiments gegen Migranten, Flüchtlinge und Muslime schürt, der legt den Grundstein für nächste schreckliche Ereignisse.“

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    Tags:
    Terrorismus, Migranten, Muslime, Deutschland