21:11 15 Juli 2018
SNA Radio
    Situation in Syrien

    Kritik an Syrien-Vorschlag der USA: „Sie spielen Schlagdame oder werden genasführt“

    © REUTERS / Bassam Khabieh
    Politik
    Zum Kurzlink
    Situation in Syrien (2016) (852)
    81732

    Die USA schlagen Russland einem Zeitungsbericht zufolge vor, die Luftangriffe in Syrien zeitgleich für eine Woche auszusetzen. Russische Kommentatoren warnen jedoch, dass die Dschihadisten davon sofort profitieren könnten.

    Wie die russische Tageszeitung „Iswestija“ am Donnerstag berichtet, haben die USA beim jüngsten russisch-amerikanischen Ministertreffen am Rande des ASEAN-Gipfels vorgeschlagen, den Luftwaffeneinsatz in Syrien für eine Woche zu unterbrechen. Diese Pause soll ermöglichen, moderate und terroristische Gruppen in den bombardierten Gebieten voneinander zu trennen. In Moskau scheint der Vorschlag allerdings auf Skepsis zu stoßen.

    Ein russischer Diplomat, der mit dem Inhalt der Verhandlungen vertraut ist, sagte dem Blatt: „Wie Moskau schon sagte, hatten die dortigen Gruppen genug Zeit, um zu entscheiden, ob sie die Waffen niederlegen oder nicht. Die seit mehreren Monaten gültige Feuerpause ermöglichte ein präzises Bild in Bezug darauf, wer weiter kämpfen will und wer eine politische Lösung sucht.“ 

    Mehr zum Thema: Kerry resümiert über Moskau-Besuch: Fortschritte zu Syrien erzielt

    „Dabei darf man nicht vergessen: Kämpfer der terroristischen Organisationen (insbesondere der Al-Nusra-Front), die sich in denselben Gebieten wie moderate Oppositionelle aufhalten, machten davon Gebrauch, dass die russische Luftwaffe dort keine Angriffe fliegt, und konnten ihre Kampffähigkeit teilweise wiederherstellen. Falls der Luftwaffeneinsatz nun überhaupt gestoppt wird, können die Kämpfer wiederum davon profitieren“, so der Diplomat weiter. 

    Die syrischen Regierungstruppen hatten zuvor die Stadt Aleppo eingekesselt und zum Teil befreit. Am Mittwoch stellten sie ein Ultimatum an jene Kämpfer, die sich in östlichen Stadtteilen verschanzten. Die Kämpfer müssten entweder sich den Behörden stellen oder die Waffen niederlegen und die Stadt verlassen, hieß es. 

    Mehr zum Thema: Terrororganisation Daesh

    Wladimir Komojedow, Chef des russischen Duma-Ausschusses für Verteidigung, kommentierte, ein Stopp der Luftangriffe könne den Terroristen eine Chance bieten, ihre Kräfte umzugruppieren. Nach Ansicht von Komojedow hätten Russland und die USA stattdessen längst ihre Luftangriffe koordinieren sollen: „Wir und die USA stehen vor einer gemeinsamen Aufgabe: Wir müssen den IS besiegen, der inzwischen ganz Europa und womöglich die Hälfte des Erdballs leiden lässt. Doch Amerika ist erst aufgewacht. In den Beziehungen mit den US-Amerikanern sollten wir auf die einstigen Erfahrungen zurückgreifen: Die Praxis aus dem Jahr 1945 zeigt, dass ein koordiniertes Vorgehen zweckmäßig ist.“

    Die russische Onlinezeitung vz.ru wies unterdessen darauf hin, dass manche Kämpfer in Syrien einen Bruch mit den Terroristen „chamäleonartig“ vortäuschen: „Die USA spielen entweder bewusst Schlagdame mit diesen Einheimischen oder begreifen wirklich nicht, dass man sie an der Nase herumführt.“

    „Sobald ein Kämpfer der ehemaligen ‚Freien Armee‘ oder von Fatah Halab sich einen europäischen Anzug anzieht und in einem relativ normalen Englisch etwas Gefühlvolles zum Thema Demokratie und freie Wahlen sagt, verlieren die Yankees sofort ihre Fähigkeit, die Lage kritisch einzuschätzen. Die Koordinaten derjenigen, die von den USA als Verbündete eingestuft werden, und der eigentlichen Dschihadisten lassen sich deshalb kaum identifizieren, denn man wechselt leicht die Plätze und färbt seine Flaggen um“, schrieb vz.ru.

    Themen:
    Situation in Syrien (2016) (852)

    Zum Thema:

    Syrien: US-unterstützte “gemäßigte Rebellen” köpfen Kind – USA unter Druck
    Konfrontation USA-Russland in Syrien erst am Anfang
    Offensive auf Manbidsch: US-Koalition stoppt Feuerhilfe für syrische Opposition
    Zweimal in zehn Tagen: Worüber sprechen Lawrow und Kerry so lange?
    Tags:
    Syrien, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren