04:33 16 Dezember 2018
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    Neue US-Atombombe: Russland prüft Folgen für strategische Parität

    © Foto : US Department of Defense / SSGT Phil Schmitten
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    Die Vereinigten Staaten bereiten die Produktion ihrer Atombombe B61-12 vor. Bis 2020 soll die modernisierte Kernwaffe in Serie gehen, wie die US-Behörde für Atomsicherheit, NNSA, mitteilt. Russland will derweil prüfen, ob die Modernisierung des Atomarsenals der USA das Gleichgewicht der Nuklearkräfte gefährdet.

    Ab 2020 wollen die Vereinigten Staaten die B61-12 in Europa stationieren. Auf europäischen Stützpunkten sind bereits frühere Versionen dieser Atomwaffe vorhanden.

    Die B61 wird seit den sechziger Jahren hergestellt. Seitdem steht die Atombombe im Dienst der strategischen Atomstreitkräfte der USA. Sie ist die älteste Kernwaffe im US-Arsenal.

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    Die Modernisierung der B61 werde ihre Lebensdauer um 20 Jahre verlängern, erklärte die NNSA. Die Entwicklung der neuen Version hat vier Jahre in Anspruch genommen. Die B61-12 soll alle bisherigen Modifikationen der alten Bombe ablösen und sowohl in strategischen als auch in taktischen Bombern der US-Air Force eingesetzt werden.

    Indes vermutet der Präsident der russischen Akademie für geopolitische Forschung, Dr. Konstantin Siwkow, dass die ersten B61-12 bereits in eineinhalb Jahren ausgeliefert werden können. Denn die Bombe selbst werde nicht umgebaut, „nur diverse Blöcke werden modernisiert. Die Aerodynamik der Hülle etwa wird optimiert“, sagte er.

    Die neue Modifikation zeichne sich durch außergewöhnliche Zielgenauigkeit aus, betonte Dr. Siwkow. Die Abweichung der B61-12 vom Ziel betrage nicht mehr als einige Meter. „Das versetzt die Vereinigten Staaten in die Lage, geschützte Kommandobunker in großen Tiefen zu treffen. Die Vernichtung dieser Bunker ist nur durch den präzisen Einschlag einer Atomwaffe möglich“, erklärte der Militärexperte.

    Russlands Gegenmaßnahme könne nur darin bestehen, die Iskander-Raketen mit einem atomaren Sprengkopf auszurüsten. „Eine andere effektive Antwort gibt es einfach nicht“, sagte Siwkow.

    Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte indes, dass die Einschätzung der Bedrohung für die nukleare Parität im Zusammenhang mit den Vorbereitungen der USA auf die Produktion der neuen Bombenmodifikation Fachleute vornehmen müssen.

    Wiktor Oserow, Vorsitzender des Sicherheits- und Verteidigungsausschusses des Föderationsrates (russisches Oberhaus) sagte, dass russische Spezialisten das Ausmaß dieser Bedrohung analysieren und, falls notwendig, Maßnahmen zu ihrer Minimisierung treffen werden. 

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    Die Modernisierung des Arsenals stehe in keinem Widerspruch zu internationalen Verpflichtungen, betonte der Ausschussvorsitzende. Die Indienststellung neuer Sprengköpfe könne jedoch das nukleare Gleichgewicht stören, so Oserow.

    Der Leiter des Zentrums für militär-politische Forschung der Russischen Akademie der Wissenschaften, Wladimir Batjuk, sagte, die USA seien nicht die einzigen, die ihr Arsenal modernisieren – Russland tue das auch. Washington werde auch weiterhin die strategische nukleare Parität mit Moskau anstreben, „weil diese die Grundlage für die strategische Stabilität in der Welt ist“, ist der Wissenschaftler überzeugt.

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    Atombombe B61-12, Russland, USA