09:20 14 Dezember 2019
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    „Merkels Hitler-Bart“ vs. „Erdogans Schweinefurz“

    © AFP 2019 / ADEM ALTAN / AFP
    Politik
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    Während die Causa Böhmermann auch weiter in hunderten Akten durch deutsche Gerichtssäle ihre Runden zieht, hat die Zeitung „Aksam“ nach dem Video-Verbot für Erdogan die Bundeskanzlerin Merkel mit einem Hitler-Bart abgebildet. Wird nun Berlin wegen Majestätsbeleidigung klagen?

    In Fragen von Satire, Karikaturen und sonstiger Kunst will man sich ja stets als äußerst demokratisch zeigen – immerhin sind sie ein Teil der durch Grundgesetze gesicherten Freiheiten in Deutschland. Darüber hinaus möchte man ja als Politiker keinen Imageverlust einstecken.

    So hat die Bundeskanzlerin im Fall Böhmermann mit der Entscheidung, ein Strafverfahren zuzulassen, zwar durchaus klar angedeutet, dass sie treu zu ihrem Kollegen Erdogan stehen werde (was wohl sicher mit dem Flüchtlingsdeal zusammenhängt, aber inzwischen wohl hinterfragt werden könnte, da Erdogan mit der ganzen Putschgeschichte allmählich vom Partner zum alleuropäischen Sorgenkind werden könnte). Später ruderte sie jedoch zurück und räumte ein, dass ihre Äußerung über die „bewusst verletzende“ Satire Böhmermanns ein Fehler gewesen sei. „Das war im Rückblick betrachtet ein Fehler“, so Merkel.

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    Опубликовано Titanic-Magazin 28 июля 2016 г.
    In den vergangenen Jahren hatten mehrere Medien ​und auch Demonstranten Merkel mit  Hitler-Bart und in Nazi-Uniform dargestellt. Offenbar hat aber niemand erwartet, dass nun auch noch die türkischen Medien (die nach dem misslungenen Putsch bedenklich geschrumpft sind) der Bundeskanzlerin in den Rücken fallen: So hatte gestern die Zeitung "Aksam", weil Staatschef Erdogan nicht per Videoleinwand zu seinen Fans bei der Kölner Türkendemo geschaltet werden durfte, im Artikel „Heil Merkel!“ die Bundeskanzlerin mit Hitlerbart und einem zum Nazi-Gruß gestreckten Arm abgebildet. „Yeni Akit", schrieb sogar, dass „Deutschland kein Freund, sondern ein Feind“ sei.

    Desto lustiger erscheint die Tatsache, dass das türkische Außenministerium  Berlin immer noch als „einen unserer wichtigsten Verbündeten“ bezeichnet  und auch das Auswärtige Amt über „eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit auch in kontroversen Fragen“ prahlt. Immerhin genießt Deutschland in der Türkei „ein traditionell hohes Ansehen“, heißt es auf der Internetseite der Behörde.

    ​Das Verbot für einige Verse von Böhmermanns "Schmähkritik" hatte  das Hamburger Landgericht im Juni mit dem Aufgreifen „rassistischer Vorurteile gegenüber Türken“ erklärt. Aus der Erklärung ging hervor, dass einige Verse sozusagen einen „Schweinefurz“ zu weit von Kunst entfernt sind und somit nicht von der Kunstfreiheit geschützt werden. Deshalb stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage: Werden Merkel-Hitler-Vergleiche von der Meinungsfreiheit gedeckt, auch wenn sie nicht in Deutschland, sondern in der Türkei gemacht werden?

    Man dürfte jetzt wohl sehr gespannt darauf warten, ob und wie das offizielle Berlin auf die Nazi-Eklate aus der Türkei reagieren wird.

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    Tags:
    Jan Böhmermann, Recep Tayyip Erdogan, Angela Merkel, Ankara, Türkei, Berlin, Deutschland