21:45 05 Dezember 2019
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    Moskau warnt: Neue US-Atombombe erhöht „Einsatz-Versuchung“

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    Ein Einsatz der modernisierten US-amerikanischen Atombombe B61-12 wird relativ schwache Folgen haben. Dabei aber kann gerade dies dazu verleiten, sie auch einzusetzen, wie der Direktor der Abteilung für Nichtverbreitung und Rüstungskontrolle des russischen Außenministeriums, Michail Uljanow, mitteilte.

    Die B61-12 werde sehr treffsicher sein und eine relativ geringe Zerstörungskraft besitzen, erklärte Uljanow. „Die amerikanischen Experten bezeichneten die neuen Gefechtsladungen schnell als ‚ethischer‘“, so der Vertreter des Außenamtes. „Aber das ist ja gerade das Schlimme: Die Charakteristika derartiger Waffen erhöhen objektiv die Versuchung, sie auch einzusetzen.“

    Uljanow zufolge kann das die Hemmschwelle für einen Einsatz herabsetzen: „Ich will nicht übertreiben, aber es tauchen auch Gründe auf, die vermuten lassen, dass das Pentagon die neue Waffe nicht mehr nur als Eindämmungsmittel, sondern auch als Waffe des ‚Gefechtsfeldes‘ sieht.“ Uljanow würde sich „diesbezüglich gern irren.“ 

    Mehr zum Thema: Neue US-Atomwaffen in Deutschland im Visier russischer Interkontinentalraketen

    B-61
    © Foto : US Department of Defense / SSGT Phil Schmitten
    Die neue Bombe der USA sei ein „vereinheitlichter Kernsprengsatz“. Sie sei dazu bestimmt, auf dem Territorium Belgiens, Deutschlands, Italiens, der Niederlande und der Türkei die sich dort bereits befindenden US-Kernwaffen zu erneuern. Nach Uljanows Angaben sollen B61-12-Bomben „auf Vorrat“ auch auf amerikanischem Territorium deponiert werden. Die Entscheidung der US-Behörde für Atomsicherheit, NNSA, könne in nächster Zeit den Stand der Dinge in Europa und der Welt nicht beeinflussen, „da diese neuen Kernsprengsätze erst ab 2020 in Dienst gestellt werden“. Dann aber würden sich auch die negativen Folgen offenbaren, so Uljanow.

    Der Direktor des Departements für Nichtweiterverbreitung und Rüstungskontrolle im russischen Außenministerium erinnerte daran, dass es den Atommächten gemäß Artikel 1 des Atomwaffensperrvertrags verboten sei, Nicht-Atommächten direkt oder indirekt die Kontrolle über Atomwaffen zu übergeben. „Artikel 2 desselben Vertrags verbietet den Nicht-Atommächten, eine derartige Kontrolle anzunehmen. Diese Grundpflichten werden von den Amerikanern und jenen Nato-Staaten in Europa grob missachtet, die an ‚gemeinsamen Atommissionen‘ teilnehmen“, stellte Uljanow fest.

    Mehr zum Thema: Moskau warnt vor erhöhter Nuklearkriegsgefahr durch neue US-Atombombe

    Zuvor hatten die Vereinigten Staaten erklärt, die Produktion ihrer Atombombe B61-12 vorzubereiten. Bis 2020 soll das erste Muster der modernisierten Kernwaffe fertiggestellt sein, dann könne die Serienproduktion beginnen, wie die NNSA mitteilte. Russland will derweil prüfen, ob die Modernisierung des Atomarsenals der USA das Gleichgewicht der Nuklearkräfte gefährdet.

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    Atombombe B61-12, Michail Uljanow, Russland, USA