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23:35 17 August 2019
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    Wolhynien-Streit: Kiew will Polen Völkermord an Ukrainern vorwerfen

    © Sputnik / Сергей Старостенко
    Politik
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    Dem ukrainischen Parlament ist eine Initiative vorgelegt worden, der das Vorgehen Polens gegen die Ukrainer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Völkermord einstufen soll, wie der Rada-Abgeordnete Oleg Mussi via Facebook mitteilte.

    „Alle müssen die Lehren aus der Geschichte büffeln. Das ist eine Impfung gegen Wiederholung“, schrieb er. 

    „Die Geschichte der ukrainischen Erde unter der Herrschaft der Zweiten Polnischen Republik (polnisch II. Rzeczpospolita) und des Volkspolen ist eine Geschichte von Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Repressalien – eine Geschichte des Völkermordes am ukrainischen Volk seitens des Polnischen Staates“, heißt es bei dem Gensetzentwurf.

    „Am 18. März 1921 war der Rigaer Vertrag unterzeichnet worden, demzufolge Wolhynien und Ostgalizien an die Polnische Republik (der Zweite  Rzeczpospolita  — Anm. d. R.) übergeben worden waren. Am 14. März 1923 hatte der Botschafterrat der Entente die Souveränität Polens über Ostgalizien endgültig anerkannt“, heißt es in einem Erläuterungsbericht.  

    Der polnische Senatschef Stanisław Karczewski nannte diesen Vorstoß Kiews Medienberichten zufolge eine schlechte Idee. Es gehe hierbei allein um eine gegenseitige politische Anschuldigung. 

    Anlässlich des 70. Jahrestages der Tragödie von Wolhynien hatte der polnische Sejm eine Resolution verabschiedet, die die damaligen Ereignisse als „ethnische Säuberungen mit Anzeichen eines Völkermordes“ bezeichnete.

    Im Jahr 2015 hatte das ukrainische Parlament die Tätigkeit der OUN und der UPA als „Kampf für die Unabhängigkeit der Ukraine“ anerkannt. Eine der zentralen Straßen Kiews – früher nach der russischen Hauptstadt als Moskauer Prospekt benannt – trägt inzwischen den Namen Stepan Banderas, eines ukrainischen UPA-Nationalistenführers. 

    Das Oberste Gericht Russlands hatte Ende 2014 die Organisation „Ukrainische Aufständische Armee“ als extremistisch eingestuft und ihre Aktivitäten in Russland verboten. 

    Im Jahr 1943 war die UPA im Kampf gegen die Sowjetunion gegründet worden. Im Februar 1943 haben die ukrainischen Nationalisten mit der Vernichtung der polnischen Bevölkerung in Wolhynien begonnen. 

    Am 11. Juli erreichten die Massaker ihren tragischen Höhepunkt: Hunderte polnische Siedlungen wurden angegriffen, wobei rund 100 000 Menschen ermordet wurden – hauptsächlich Frauen, Kinder und ältere Menschen.

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    Tags:
    Völkermord, nationalistische Ukrainische Aufständische Armee UPA, Stanisław Karczewski, Oleg Mussi, Polen, Ukraine