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    Der russische Präsident Wladimir Putin

    US-Analyst: „Putin will die Welt in einen Klub der Großmächte reorganisieren“

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    Politik
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    Wladimir Putin ist offenbar bereit, mit den USA zu kooperieren, trotzdem sind neue Spionagespiele wie im Kalten Krieg zu erwarten. Diese Prognosen liefert US-Analyst Mathew Burrows. Er erläutert auch, ob ein Krieg zwischen China und Amerika möglich wäre.

    Mathew Burrows, einst Experte des US-Nachrichtendienstes National Intelligence Council und nun Leiter des Zentrums für strategische Prognosen (Strategic Foresight Initiative) beim Atlantic Council, sagte in einem Interview mit der russischen Onlinezeitung gazeta.ru, das gegenwärtige Amerika habe zwei aufwendige Kriege hinter sich: „Egal, ob man Anhänger von Trump oder Clinton ist, es wird derzeit deutlich, dass die Ausgaben gekürzt werden müssen.“ 

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    Burrows wurde gefragt, ob das Weltsystem zusammenbrechen würde, wenn die USA nicht mehr weltweit dominieren. Er antwortete: „Nein, nicht unbedingt. Washington hat genug Möglichkeiten, die für eine Zusammenarbeit mit den führenden Ländern genutzt werden könnten. Ich denke, Präsident Putin wird mit den USA kooperieren und tut es bereits in Syrien. Er will nicht, dass die USA dort das Regime wechseln, wie wir es in Libyen getan hatten. Wie es mir scheint, strebt Putin danach, die Welt in einen Klub der Großmächte zu reorganisieren, wo Washington zwar einen größeren Anteil hätte, dabei aber in Moskau anrufen müsste (wie einst im Kalten Krieg), um schlechte Entwicklungen diesbezüglich zu vermeiden.“

    „Ich arbeitete früher unter der Leitung von General James Clapper – er sagte manchmal, dass er lieber in den Kalten Krieg zurückkehren würde. Damals war ja alles einfacher gewesen. Es hatte die Sowjetunion gegeben: Was auch geschah, hatte sie immer etwas damit zu tun. Sehen Sie sich nun die gegenwärtigen Anhörungen im Kongress an, wenn dieser Bedrohungen bewertet. Es gibt eine riesige Liste davon. Deshalb stecken die politischen Entscheidungsträger in einer schwierigen Lage“, so der Experte.

    Er kommentierte weiter: „Wenn man aber in Russland hört, dass die russische Bedrohung zwischen dem terroristischen ‚Islamischen Staat‘ und Ebola eingestuft wird, hat man es schwer zu verstehen. Nach der Ukraine-Krise sind alle Krisen des Kalten Krieges leider wieder zurück. Es wurde leichter, auf Moskau hinzudeuten. Es ist außerdem klar, dass es sich bei der gegenseitigen Abneigung von Obama und Putin um etwas Persönliches handelt. Allerdings ist Obama dafür aus meiner Sicht sogar mehr verantwortlich. Die USA sollten mit verschiedenen Ländern zusammenwirken – und nicht alle von ihnen müssen unbedingt unsere Werte teilen.“

    Laut Burrows betrachten die meisten US-Amerikaner derzeit China als ihren einzigen Rivalen – sowohl im guten als auch im schlechten Sinne: „Nicht, dass ich diese Meinung teile. Aus meiner Sicht wird die Welt multipolar. Russland wird weiter zu den führenden Mächten zählen – genauso wie Europa. Doch nach Ansicht der meisten Amerikaner verschiebt sich alles in Richtung China. Die beiden Länder sind voneinander wirtschaftlich sehr abhängig – zwischen den USA und der Sowjetunion hatte es so etwas nie gegeben. Für die USA gibt es keine Möglichkeit, eine Eindämmungspolitik gegen China zu betreiben, ohne sich selbst dabei zu schaden.“ 

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    Auf die Frage, ob ein Krieg zwischen gegenseitig abhängigen Ländern auszuschließen wäre, antwortete Burrows: „Wenn wir den Ersten Weltkrieg betrachten, hatte es damals sehr viel Abhängigkeit gegeben. Dies hinderte jedoch nicht daran, den Krieg zu beginnen. Ich vermute, die USA und China könnten in einen Krieg involviert werden, obwohl dies natürlich nicht das wahrscheinlichste Szenario ist.“

    Zwischen Russland und China gebe es in den letzten Jahren eine Annäherung, was viele in Amerika überrascht habe: „Ich denke, Russland steht am Scheideweg. Falls die Sanktionen weiterhin bestehen und von Europa nicht gelockert werden, beginnt Russland, in Richtung China zu driften. Ich denke, zwischen Russland und Europa gibt es viele kulturelle und zivilisatorische Verbindungen, die schwer kleinzureden sind. Im Szenario eines neuen Kalten Krieges könnten Russland und China jedoch auf einer Seite landen.“

    Generell prognostizierte Burrows: „Ich denke, die Spionagespiele aus der Zeit des Kalten Krieges werden zurückkommen. Zwar werden sie nicht mehr so spektakulär sein wie damals, als Spione über die Berliner Mauer sprangen. Doch man wird sie nutzen, um Informationen zu sammeln – wie jüngst im Fall Democratic National Committee (Hacker-Angriff auf die Parteiführung der Demokraten, der Russland vorgeworfen wird – Anm. d. Red.). In den USA sagt mancher, dass Russland verfalle, doch wenn es um all die Dinge geht, die mit Cyber-Bedrohungen zusammenhängen, stellt es sich heraus, dass Russland sehr konkurrenzfähig ist und im Vergleich zu China mehr Möglichkeiten hat. Russland führt solche Operationen auf einem höheren Niveau durch. Ich denke, solche Dinge werden auch weiter passieren und kaum auf einen Großkrieg hinauslaufen.“

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    Tags:
    Hillary Clinton, Donald Trump, James Clapper, Wladimir Putin, China, Russland, USA