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    Am 31. Juli und 1. Augst flogen US-Bomber vom Typ B-52 bei Übungen des Strategischen Kommandos der USA die russische Arktis-Küste entlang, berichtet der Korrespondent von Rossiya Segodnya, Alexander Chrolenko.

    Laut dem strategischen Kommando der Luftstreitkräfte der Nato demonstrierten die US-Bomber „die Flexibilität und Präzision eines möglichen globalen Langstrecken-Schlags“. Die Übungen Polar Roar seien auf die Stärkung des operativen Zusammenwirkens zwischen den Besatzungen der Bomber der Verbündeten ausgerichtet.

    Zwei B-52-Bomber flogen vom Festland der USA bis zum Nordpol, wandten sich danach in Richtung der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen und flogen um die russischen Arktis-Gebiete herum – Alexandraland (Inselgruppe Franz-Joseph-Land), Sredni-Insel (Inselgruppe Nordland), Kotelny-Insel (Neusibirische Inseln) und Wrangel-Insel –, wo vor kurzem russische Militärstützpunkte errichtet worden waren. 

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    Ein B-52-Bomber, der von der Barksdale Air Force Base im US-Bundesstaat Louisiana startete, flog bei Übungen zum Abfangen gegnerischer strategischer Bomber zusammen mit Fliegerkräften der Nato-Verbündeten im Raum der Ostsee. Zwei B-2-Bomber, die von der Whiteman Air Force Base im US-Bundesstaat Missouri gestartet waren, flogen über dem Pazifischen Ozean und absolvierten Bombenabwürfe auf ein Militärgelände in Alaska.

    US-amerikanische strategische Bomber näherten sich dem Territorium Russlands auf eine Entfernung von 70 bis 150 Kilometern an, was heißt, dass sie in den Luftraum über der russischen Wirtschaftszone in der Arktis aufstiegen. Dabei zeigten sie ganz offen keine Aufmerksamkeit gegenüber Russland – offiziell wurde nur über den Flug einer B-52 von der Minot Air Base im US-Bundesstaat North Dakota zum Nordpol und danach nach Alaska und zurück zum Stützpunkt berichtet.

    Die strategischen Bomber flogen während der Übungen jeweils 20 Stunden ohne Landung und absolvierten dabei 26 Nachtankungen in der Luft mit dem Einsatz von 15 KC-135 und zehn KC-10.

    Aufgaben und Ziele

    Für einen globalen Langstrecken-Schlag von B-52-Bombern muss man sich nicht bis auf 150 Kilometer dem russischen Territorium annähern, weil die Startplattformen der Marschflugkörper mindestens 800 Kilometer von den russischen Grenzen entfernt sind. Die Flugzeuge kamen dem russischen Territorium so nahe, um die Möglichkeiten der neuen Militärstützpunkte in der russischen Arktis zu analysieren. Allerdings war das nicht der einzige Grund.

    Die Übungen Polar Roar demonstrierten die Strategie der Konfrontation aus der Zeit des Kalten Krieges, als sich russische Kampfjets MiG-31 auf die Abwehr von B-52-Bombern über dem Nordpolarmeer vorbereiteten. Laut der von den USA Mitte der 1980er Jahre ausgearbeiteten Operation Giant Lance hätten sich strategische US-Bomber über den Nordpol der russischen Küste auf 600 Kilometer annähern und mit Marschflugkörpern Ziele von Murmansk bis Moskau treffen sollen. Deswegen beschloss der russische Generalstab als Gegenmaßnahme die Stationierung von Kampfjet-Fliegerkräften und Flugabwehrkomplexen auf dem Franz-Joseph-Land. Die Geschichte wiederholt sich.

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    Allerdings hat sich die Position der US-Militärführung hinsichtlich der Rolle strategischer Bomber im modernen Krieg geändert. Heute können die Strategen auch bei begrenzten Militärkonflikten viel erreichen.

    Zu den Hauptaufgaben der strategischen Bomber gehören Angriffe auf Objekte an jedem Ort der Welt (darunter mobile Ziele). Bei Kampfhandlungen auf dem Territorium eines Drittlandes lautet das Ziel, die Eroberung der wichtigsten Infrastruktur-Objekte durch den Gegner zu verhindern und günstige Bedingungen zur Verlegung von allgemeinen Kräften sowie zur Luftunterstützung von Kampfhandlungen von Expeditionseinheiten zu schaffen.

    Die Vorteile strategischer Fliegerkräfte sind die hohe Einsatzbereitschaft; die Möglichkeit, bei Stationierung auf dem Festland der USA Ziele an jedem Ort der Erde zu treffen; eine hohe Kampflast; die mögliche Korrektur der Kampfaufgaben im Flug sowie die Fähigkeit, unter beliebigen Wetterverhältnissen vorzugehen. 

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    Die Ziele der strategischen Fliegerkräfte sind gegnerische Truppengruppierungen, Kommandostellen, Flugabwehrmittel, Munitionslager, Industrie- und Energieobjekte sowie Verkehrsknotenpunkte. Neben Angriffen auf den Gegner lösen die strategischen Fliegerkräfte Aufgaben im funkelektronischen Kampf, zudem leisten sie Flugaufklärung und platzieren Minen im Meer.

    Bei Erhalt eines Befehls zum Einsatz von Atomwaffen werden strategische Bomber auf individuellen Strecken zu den Koordinierungszentren für Atomangriffe geschickt, die sich 800 bis 1200 Kilometer nördlich der russischen Grenzen befinden. Die Gesamtdauer des Fluges vom Luftwaffenstützpunkt auf dem amerikanischen Festland bis zu den Startanlagen beläuft sich auf sechs bis 15 Stunden.

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    Das US-Kommando bevorzugt Angriffe mit Hochpräzisions-Atomgeschossen geringer Kapazität – zum psychologischen Einfluss auf den Gegner ohne unerwünschte Verluste und zur Lösung von Konfliktsituation mit politischen Mitteln unter für die USA vorteilhaften Bedingungen.

    Strategische Bomber B-52 absolvierten mehrmals Flüge nahe den russischen Grenzen. Im Juni übten sie bei den Nato-Übungen Baltops-2016 und Saber Strike das Legen von Seeminen.

    Teuer und einfach 

    Die US-Militärführung betrachtet die strategischen Bomber als effektive Mittel zur Lösung von Aufgaben bei begrenzten lokalen und regionalen bewaffneten Konflikten.

    Im Golf-Krieg (1990-1991) wurden 70 B-52-Bomber eingesetzt, einer davon wurde abgeschossen.

    Desert Strike (1996) – Militäroperation mit dem Ziel, die Entschlossenheit zu demonstrieren, die kurdischen und schiitischen Rebellenregionen vor dem Hussein-Regime zu schützen. Daran nahmen zwei B-52 teil (sie feuerten 13 Raketen auf Elektrizitätswerke und Verkehrsknotenpunkte in Bagdad ab).

    Desert Fox (1998) – Angriffsserie gegen Industrieobjekte im Irak (neben B-52 nahmen an der Operation zum ersten Mal strategische Bomber B-1B Lancer teil).

    Allied Force (1999) – Militäroperation der Nato gegen Jugoslawien, bei der zum ersten Mal Bomber vom Typ B-2 Spirit eingesetzt wurden. Sie basierten auf dem Stützpunkt Whiteman, absolvierten Flüge ohne Landungen von den USA bis Jugoslawien, warfen Hochpräzisionsbomben ab und kehrten zurück.

    Ein Pilot im Cockpit eines US-Bombers vom Typ B-52 Stratofortress während der Nato-Operation im Kosovo, Jugoslawien. 1999
    © AFP 2020 / DOD
    Ein Pilot im Cockpit eines US-Bombers vom Typ B-52 Stratofortress während der Nato-Operation im Kosovo, Jugoslawien. 1999

    Bei der Nato-Operation in Afghanistan (seit 2001) wurden alle Luftangriffe auf Objekte der Taliban anfangs von strategischen Bombern geflogen. Es wurden Hochpräzisionsgeschosse und die zu der Zeit stärksten nichtatomaren Flugzeugbomben BLU-82 Daisy Cutter (zur Vernichtung des Gegners in Bunkern) eingesetzt.

    Während der Operation Iraqi Freedom (2003) feuerten B-52 100 Marschflugkörper auf den Irak ab.

    In die Jahre gekommen, aber leistungsstark

    Der strategische Bomber vom Typ B-52H Stratofortress wurde von der Firma Boeing entwickelt und 1961 in Dienst gestellt. Die Lieferungen endeten 1962. Insgesamt wurden 102 Flugzeuge produziert.

    Heute stehen mehr als 70 Flugzeuge im Dienst, vier davon nehmen an Tests teil, 13 sind eingelagert. Die durchschnittliche Einsatzfrist der B-52 beläuft sich auf mehr als 45 Jahre, die angegebene Ressource beträgt 34.800 Stunden, die durchschnittliche Flugzeit 18.000 bis 19.000 Stunden. Die berechnete Betriebsdauer ist endet 2030 bis 2044.

    Die Überführung der B-52 in einen nuklearen bzw. nichtnuklearen Status erfordert keine Änderungen bei der Konstruktion. B-52-Flugzeuge tragen bis zu 20 Langstrecken-Marschflugkörper (sowohl nuklear als auch nichtnuklear).

    B-61
    © Foto : US Department of Defense / SSGT Phil Schmitten

    Strategische Bomber sind für die Kampfführung mit dem Einsatz konventioneller Waffen angepasst. Zur Erweiterung der Möglichkeiten werden diese Flugzeuge mit neuesten Hochpräzisionswaffensystemen, Beobachtungs- und funkelektronischen Mitteln ausgestattet.

    Trotz der langen Betriebsdauer hat das Flugzeug anspruchsvolle Flugeigenschaften und kann große Lasten und verschiedene Waffen tragen. Der größte Mangel sind relativ geringe Möglichkeiten zur Überwindung der gegnerischen Flugabwehr. Die B-52 erfordern Versorgungsmaßnahmen durch taktische Fliegerkräfte (Unterdrückung bodengestützter Flugabwehrmittel, Reinigung des Luftraums). Dem Kommando der US-Luftstreitkräfte zufolge besteht die wichtigste Rolle der B-52-Bomber darin, Marschflugkörper außerhalb von Gebieten mit aktiven Flugabwehrmitteln zu tragen bzw. massive Bombenangriffe bei schwacher Flugabwehr zu absolvieren.

    Strategischer US-Bomber (Archivbild)
    Ein strategischer US-Bomber B-52H am Himmel über Afghanistan. 2006 (Archivbild)

    Während Moskau zur friedlichen Lösung der Probleme Europas einlädt und Militärbeobachter aus der Ukraine, Deutschland und Schweden im Rahmen des Open-Sky-Vertrags über Russland fliegen werden, bereiten sich die Europäer heimlich auf einen Krieg gegen Russland vor. Die Vorbereitungen der USA sind wegen der B-52-Flüge viel auffälliger.

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    Tags:
    B-52, Arktis, USA, Russland