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17:46 23 September 2019
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei dem Nato-Gipfen in Warschau

    „Zankereien in der Nato“ und Erdogans Aussichten auf Rüstungs-Deals mit Moskau

    © AFP 2019 / Stephane de Sakutin
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    Die türkische Führung will mit Russland im Rüstungsbereich zusammenarbeiten. Welche Auswirkungen hätte dies auf die Nato-Mitgliedschaft der Türkei? Russische Experten beschäftigen sich mit der Frage.

    Ruslan Puchow, Chef der russischen Denkfabrik CAST, sagte der Onlinezeitung gazeta.ru: „In Sachen Rüstungsindustrie gibt es genug Bereiche, wo eine Kooperation zwischen Russland und der Türkei gegenseitig nutzbringend wäre. Das betrifft insbesondere die Entwicklung unbemannter Luftfahrzeuge und gepanzerter Kampffahrzeuge. Außerdem haben die Türken ausgezeichnete Entwicklungen in Bezug auf militärische Schnellboote. Ausgerechnet auf solche Projekte sollten sich die beiden Länder konzentrieren.“

    Wie gazeta.ru schreibt, könnte Russland den Türken beispielsweise Ersatzteile für jene Mi-8-Hubschrauber und Panzerabwehrraketen anbieten, die der türkischen Armee derzeit zur Verfügung stehen. Die Türkei nimmt russische Waffen für ihre Schiffe ins Visier. Noch im Jahr 2013 hatte die Türkei Interesse an russischen Luftabwehrsystemen und gemeinsamen Entwicklungen auf diesem Gebiet gezeigt.

    Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag auf einer Pressekonferenz nach seinem Treffen mit Wladimir Putin in St. Petersburg angekündigt: „Wir wollen die Kooperation im Bereich der Rüstungsindustrie ausbauen.“

    Zuvor hatte sich Erdogan für den Abschuss einer russischen Su-24 im November 2015 entschuldigt – dies ermöglichte ein Tauwetter zwischen Moskau und Ankara. Zwischen der Türkei und der Nato-Führung kam es dagegen in letzter Zeit zu gewissen Spannungen. US-Außenminister John Kerry hielt sogar theoretisch einen Nato-Ausschluss der Türkei für möglich, falls die türkische Führung bei ihrem Durchgreifen im Zusammenhang mit dem jüngsten Putschversuch demokratische Grundsätze nicht berücksichtigt.

    Kaum begeistert ist die Allianz auch von den türkischen Plänen, chinesische Raketenabwehrwaffen zu kaufen. Die Nato will diese Waffen in ihren Raketenschirm nicht integrieren. Für weitere Differenzen sorgt die Situation im Ägäischen Meer. Dort operiert ein Nato-Verband, um illegale Migranten-Transporte auf See zu verhindern. Doch, wie gazeta.ru berichtet, erlaubt die Türkei diesem Verband keinen Aufenthalt in ihren Hoheitsgewässern.

    Einen Nato-Ausstieg der Türkei halten russische Experten allerdings für wenig wahrscheinlich. Sergej Makarow, Ex-Chef der russischen Truppen im Nordkaukasus, sagte der Onlinezeitung: „In historisch absehbarer Zukunft wird die Nato aus meiner Sicht ihre Integrität behalten.“

    Er erläuterte: „Die Türkei ist mit der Allianz durch viele Fäden verbunden. Es geht um militärtechnische Zusammenarbeit, militärische Berufs- und Truppenausbildung, bedeutende Infrastruktur-Projekte. Pläne für einen Nato-Ausstieg wären für die Türkei vor diesem Hintergrund unproduktiv und aussichtslos.“

    Wladimir Dworkin, einst Leiter des 4. Zentralen Forschungsinstituts des russischen Verteidigungsministeriums, stimmte zu: „Zwar gibt es eine bestimmte Krise in den Beziehungen zwischen der Türkei und der Nato, doch alles wird sich offenbar auf Skandale und Zankereien innerhalb der Allianz beschränken.“

    Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu sagte in der laufenden Woche der Agentur Anadolu, der Westen könne die Türkei nur wegen seiner eigenen Fehler „verlieren“. Die türkische Entscheidung, mit Russland im Verteidigungsbereich mehr zu kooperieren, sei allerdings „kein Schritt gegen die Nato“. Es gebe ja Nato-Mitglieder, die mit Drittländern in diesem Bereich zusammenarbeiten, so Cavusoglu. 

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    Denkfabrik CAST, NATO, Mevlüt Cavusoglu, Sergej Makarow, John Kerry, Recep Tayyip Erdogan, Ruslan Puchow, Russland, Türkei