07:01 19 Dezember 2018
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    Sibylle Schmidt

    „Toughe Leute, die es ernst meinen“: Ex-SPDlerin kandidiert in Kreuzberg für AfD

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    Politik
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    Herbst-Wahlen 2016 in Berlin und MeckPomm (63)
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    Sibylle Schmidt war jahrelang in der linken Berliner Szene aktiv und in der SPD. Bei den Wahlen im September in Berlin kandidiert sie ausgerechnet im linken Szenekiez Kreuzberg für die Alternative für Deutschland. Sputnik hat Sybille Schmidt zu ihren Beweggründen für den Parteienwechsel befragt.

    Frau Schmidt Sie sind Urkreuzbergerin. Wie hat sich Ihr Kiez seit den Achtzigerjahren gewandelt? 

    Seit Öffnung der Mauer gibt es mehr Durchgangsverkehr. Punks und Haubesetzer stehen jetzt unter Artenschutz. Es gibt mehr Eigentumswohnungen und türkische Geschäftsinhaber. In den klassischen Wohlfühlghettos leben überwiegend Bio-Deutsche. Es gibt aber auch Viertel, wo Eingeborene inzwischen eher in der Diaspora sind.

    Wie war Ihr politischer Werdegang?

    Das begann schon früh mit dem Engagement für Abrüstung. Die Hausbesetzerbewegung war auch wichtig. Auch die DDR-Opposition habe ich mitgeholfen zu stärken. Ab 2000 nahm ich dann Kontakt zur SPD auf.

    Noch bis Frühjahr 2016 waren Sie in der SPD tätig. Was waren dort Ihre Aufgaben?

    16 Jahre habe ich mich im Bundeskulturforum und in der Arbeitsgemeinschaft Selbstständige engagiert. Mein Steckenpferd war aber der Fachausschuss für Inneres und Recht.

    Und nun haben Sie plötzlich alle Ämter aufgegeben und treten für die AfD an. Woher kommt dieser Sinneswandel?

    Die SPD hat ja schon mehr als die Hälfte Ihrer Mitglieder verloren. Dagegen wählen 79 Prozent aller Muslime in Europa sozialdemokratische Parteien. Die karrierebewussten Genossinnen und Genossen ignorieren dabei Menschenrechtsverletzungen durch den politischen Islam. Das ist falsch verstandene Toleranz. Die aktuelle Wahlkampagne wirbt ja auch um Stimmen konservativer Muslime.

    Steckt die SPD in einer Krise?

    Ja. Sie muss sich einfach neu finden. Es gibt in der SPD viele Mitglieder, die aufgrund ihrer Kritik nicht nach oben gewählt werden. Die SPD muss sich erneuern, am besten durch eine Schaffenspause.

    Was sind Ihre Ziele in der AfD? Was möchten Sie erreichen?

    Die AfD ist ein notwendiger Aufbruch. Es kommt jetzt darauf an, was man daraus macht. Ich möchte mich zunächst auf kleine, aber wichtige Themen spezialisieren.

    Wie ist Ihr erster Eindruck von der Arbeit in der AfD?

    Dass da toughe Leute zusammengekommen sind, die es wirklich ernst meinen. Es fehlt vielleicht noch an karrierebewusstem Verhalten und Professionalität. Aber vielleicht muss das auch gar nicht sein. Andere Parteien haben 150 Jahre Vorsprung. Aber dafür geht dort das, was die Menschen bewegt, die aktuellen Probleme, unter in Ideologien.

    Hauptthema in der Innenpolitik ist nach wie vor die Flüchtlingskrise. Was läuft hier falsch?

    Ein organisiertes Land sollte Katastrophenpläne für Masseneinwanderung haben. Menschen ohne Identitätsnachweise an Ländergrenzen müssen zum letzten Konsulat zurückgeschickt werden. Kriegsflüchtlinge sind auch keine Asylsuchende, die nach drei Jahren eine Niederlassung beantragen dürfen. Sie sollten nur zeitweise geduldet werden. Es gibt ja inzwischen eine Betreuungsindustrie, die 35-50 Euro pro Nacht und Nase erhält. Ich wünsche mir also in der Presse Namen und Parteizugehörigkeit dieser neuen Sozialmillionäre.

    Für anerkannte Schutzsuchende ist der Einblick in die Organisation unseres friedlichen Europas vielleicht die beste Entwicklungshilfe für eine unnötig zerstrittene Region.

    Sehen Sie eine Gefahr durch islamistischen Terror?

    Ja. Die Zermürbungstaktik vereinzelnder Anschläge zielt darauf ab, unsere Lebensgewohnheiten zu verändern. Man tritt morgens nicht mehr unbekümmert auf die Straße, sondern checkt die Mitfahrer in den Öffentlichen. Frauen verändern Stil und Verhalten. Den besten Schutz bieten funktionierende Nachbarschaften.

    In Kreuzberg gibt es ja noch andere Probleme. Zum Beispiel Drogen.

    Drogenpolitik ist eins meiner wichtigsten Themen. Ca. acht Prozent der Berliner Schüler konsumieren Drogen. Die Wartezeiten in den Entgiftungsstationen betragen zwölf Wochen. Cannabis hat durch Züchtung heute bis zu 30 Mal mehr THC. Von 15 Gramm Eigenbedarf Cannabis können fünfzig Joints gedreht werden. Der Eigenbedarf sollte gesetzlich auf null Gramm zurückgesetzt werden. Ungefähr 300.000 Berliner nehmen Drogen. Crystal Meth ist auf dem Vormarsch. Die Todesrate bei Drogen ist seit Anfang des Jahres um zwanzig Prozent gestiegen.

    Wie ist Ihre Prognose für die Wahlen in Berlin?

    Es gibt ja eine Dreierkonstellation. Aber ich hoffe, dass diesmal die liberalen und konservativen Kräfte überwiegen.

    Interview: Armin Siebert

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    SPD, Partei Alternative für Deutschland (AfD), Sybille Schmidt, Berlin, Deutschland