18:42 16 August 2018
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    Schlüsselwort „Qualität“? - Des Westens neue Medienkrieg-Strategie gegen Moskau

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    Ein Think-Tank aus Washington und ein sogenanntes unabhängiges Institut aus London haben Empfehlungen für ein Update im Informationskrieg gegen Russland ausgearbeitet und in einem gemeinsamen Leitfaden veröffentlicht. Staatliche Zugriffe auf die Medien sind das Kernelement des „neuen“ Maßnahmenkatalogs.

    Russlands Ziel sei nicht der Sieg „im Krieg um das Bewusstsein der Europäer“, sondern „der Angriff auf die Demokratie und die europäischen Werte“, betonen die Experten vom Washingtoner Zentrum für Europäische Politikstudien CEPA und ihre Kollegen vom Londoner „Legatum Institute“. Angesichts dessen benötigten die kleineren Staaten Europas Unterstützung, wie die Verfasser des Leitfadens betonen.

    Die benötigte Hilfe lässt derweil nicht lange auf sich warten und kommt von den Autoren der Empfehlungen selbst: Ein Konzept für den Umgang mit Russland in einem Informationskrieg. Darin wird angemahnt: 

    Propaganda
    © REUTERS / Tobias Schwarz
    Staatliche Regulierungsbehörden müssten dafür sorgen, dass in Europa der „Qualitätsjournalismus“* gedeiht, raten die Experten. Das schaffen die kleinen Europäer in Russlands Nähe nicht allein, also müsse ein einheitliches Organ geschaffen werden, welches die Regierungen dieser Länder beraten und entsprechende Standards für lokale Medien ausarbeiten könne.

    Ferner sollten staatliche oder staatsnahe Informationsagenturen entstehen. Diese würden den Informationsfluss zwischen den Medien und den staatlichen Strukturen sicherstellen, damit der Staat dabei helfen könne, „Russlands Propaganda bloßzustellen“, heißt es weiter. In die gleiche Kerbe muss nach Ansicht der Analysten eine internationale Organisation, vergleichbar mit „Transparency International“, schlagen: Sie würde Russlands Propaganda entlarven und „gute“ russische Medien durch westliche Sponsoren unterstützen. 

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    Ein weiterer unverzichtbarer Punkt des neuen Programms: Die Gründung „einer Arbeitsgruppe zum historischen Trauma“. Unter historischem Trauma verstehen die Strategen offensichtlich die Befreiung der kleinen europäischen Staaten vom Faschismus durch die Sowjetunion. Nach Ansicht der Ideologen müssten Psychologen, Soziologen und Historiker Methoden ausarbeiten, um der Zielgruppe „die Gegenargumente zahlreicher europäischer Völker“ zu vermitteln. Auch dem Schutz der Propaganda-Opfer widmen die Kommunikationsexperten große Aufmerksamkeit: Diese sollen in den sozialen Netzwerken ebenso behandelt werden, wie radikale Islamisten. Dabei soll der Zielgruppe ein exklusiv für sie bestimmter Content vorgeführt werden.

    Eine russischsprachige Nachrichtenagentur außerhalb Russlands solle zur tragenden Säule im Kampf um die europäischen Werte werden, so eine weitere Empfehlung. Der Westen brauche „Reuters oder AP auf Russisch“. Besonders „glaubwürdig“ solle der neue Informationsdienst sein, und die alltäglichen Sorgen und Nöte der Bevölkerung ansprechen. Die russischen Medien seien derweil so gefährlich weil sie „die Zuschauer mit einem Glamour-Bild“ anlocken. Genau das solle auch der Westen machen, heißt es in der Veröffentlichung.

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    Zu guter Letzt empfehlen die Wissenschaftler den europäischen Ländern, die eigenen Bürger darin auszubilden, Anzeichen russischer Propaganda zu erkennen. Und sollten westliche Unternehmen bei TV-Kanälen Werbung schalten, die „russische Propaganda und Hass auf europäische Werte“ senden, müssten diese Firmen starkem Druck ausgesetzt werden – alles für die Freiheit, versteht sich.

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    Tags:
    Propaganda, Center for European Policy Analysis (CEPA), Russland
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