02:43 21 Februar 2018
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    Krise der Außenpolitik: „Die Welt wird immer unfreundlicher zu den USA“

    © REUTERS/ Mark Kauzlarich
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    Die US-geführte internationale Ordnung ist gescheitert: Die Globalisierung bringt nicht mehr jene Vorteile, mit denen Washington gerechnet hat. Zu diesem Schluss gelangt der russische Analyst Dmitri Suslow. Er erwartet einen drastischen Wandel in der US-Außenpolitik.

    Suslow schreibt in einem Kommentar, der auf der Webseite des internationalen Experten-Forums „Waldai“ veröffentlicht wurde: „Die Welt entwickelt sich nicht mehr in jene Richtung, die für den Westen und für die USA günstig wäre“.

    „Wie es sich herausstellte, hat die Globalisierung ihre ‚dunkle Seite‘ (weltweite Finanz- und Wirtschaftskrisen, die allgemeine Vulnerabilität aller gegenüber allen, nationsübergreifende Sicherheitsbedrohungen) und bringt nicht-westlichen Ländern mittlerweile deutlich mehr Vorteile als dem Westen (…) Die alte Globalisierung ist den USA nicht mehr recht. Sie kann auf eine Erosion der Mittelschicht und einen Rückschlag auf die Lebensstandards hinauslaufen, aber auch auf eine für das progressistische Amerika grausame Einsicht, dass die Kinder von nun an schlechter leben werden als ihre Eltern“, so Suslow.  

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    Ähnliche Probleme gebe es auch im Sicherheitsbereich: „Mit dem Ende des Kalten Krieges ist kein ‚Kant’scher Frieden‘ eingekehrt. Im Gegenteil: Die Welt wird immer mehr konfliktbeladen, unlenkbar und unfreundlich gegenüber den USA und dem Westen im Allgemeinen.“

    „Die nationsübergreifenden Bedrohungen nehmen vor dem Hintergrund einer wiederauflebenden Rivalität der Großmächte zu, während die USA als selbsternannter Führer dagegen völlig machtlos sind. Washingtons Versuche, sich einzumischen und als ‚globaler Polizist‘ zu agieren verkomplizieren in der Regel die Situation. Ein Beleg dafür ist die Lage im Irak, in Afghanistan, Libyen und dem Großraum des Mittleren Osten im Allgemeinen, aber auch in der Ukraine“, postuliert Suslow.

    Nach der US-Präsidentschaftswahl im November erwartet er einen Wandel in Sachen Außenpolitik: „Falls Donald Trump die Wahl gewinnt, wird er einen ernsthaften Schritt weg von dem außenpolitischen Paradigma machen, das seit 70 Jahren in den USA dominiert. Die Haltung zu China wird dann feindlicher, die zu Europa härter und pragmatischer, die zu Russland pragmatisch-neutraler und die zum Nahen Osten indifferenter.“ 

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    Hillary Clinton und Donald Trump
    © REUTERS/ Dominick Reuter
    Sollte jedoch die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton die Wahl gewinnen, werde sie anfangs zuerst für eine gewisse Zeit die Unterstützung der Elite und des Establishments der beiden Großparteien genießen. Danach würde sie versuchen, das zu tun, was die Obama-Regierung überhaupt nicht oder nur schwach gemacht hat. Diese Phase würde aber nicht lange anhalten. „Die Gesellschaft, vertreten durch neue populistische Spitzenpolitiker, wird den außenpolitischen Kurs von Clinton kritisieren – und diese wird dann bereits bei der Wahl 2020 mit neuen ‚Trumps‘ konfrontiert werden“, prognostiziert Suslow.

    Mit dieser Aussicht gelange die US-Außenpolitik in die Epoche mit dem größten Wandel seit der Präsidentschaft von Harry Truman von 1945 bis 1953. „In einer multipolaren Welt ist es nicht möglich, die ‚globale Führung‘ aufrechtzuerhalten. Die US-geführte ‚liberale internationale Ordnung‘, wie sie von Amerika traditionell verstanden wird, ist gescheitert“, stellt der Analyst letztlich fest.

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    Tags:
    US-Präsidentschaftswahl 2016, Donald Trump, Hillary Clinton, Harry Truman, Russland, USA