04:54 24 November 2017
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    Anti-Islam-Demo in Prag, Oktober 2015

    Merkel in Tschechien – „Ein Elefant im Porzellanladen“

    © AFP 2017/ MICHAL CIZEK
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    Am 25. August wird die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Prag reisen. In einem Sputnik-Interview erklärt Petr Hájek, langjähriger Pressesprecher des tschechischen Ex-Präsidenten und Chefredakteur des Portals „Protiproud“, wieso Merkel ein eher unerwünschter Gast und ihre Migrationspolitik für die Mehrheit der Tschechen ein Humbug ist.

    Das Hauptziel ihres Besuchs sei, so Hájek, den tschechischen Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka vor den kommenden Senats- und Regionalwahlen zu unterstützen. Merkel werde mit ihrem Besuch aber eher wie „ein Elefant in einem Porzellanladen“ wirken, da Sobotka, ihr Verbündeter in Sachen Migrationspolitik, gegen die Stimmung der absoluten Mehrheit der Tschechen agiere.

    „Wir werden den Versuch sehen, die tschechische Immunität gegen die verrückten Wendungen der Merkel-Politik auf die Probe zu stellen. Sie will wissen, wie standhaft diese Immunität ist und wie anfällig Tschechen für ihre Postulate sind“, sagt der Journalist.

    Es sei ein Treffen der deutschen Bundeskanzlerin mit Studenten der Karls-Universität in Prag geplant gewesen. Später sei jedoch ein anderer Ort gewählt worden.

    „Ich glaube, dass die Veranstalter sich im Klaren sind, dass sie (Merkel) in der Universität einfach ausgebuht werden könnte, deshalb haben sie es nicht riskiert“, erklärt er.

    Nun werde die Kanzlerin stattdessen die Wissenschaftsakademie in Prag-Dejvice besuchen, wo sie einst gearbeitet hat. „Sie besucht also ihre alte Arbeit. Für mich ist das alles eine Art Situationskomik“, lacht Hájek.

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    Höchstwahrscheinlich werde bei dem bevorstehenden Treffen wohl kaum die gemeinsame Flüchtlingspolitik besprochen werden: „Von Präsident Zeman könnte sie als Reaktion darauf eine Menge verletzender Worte hören. Auch Premierminister Sobotka, der als Merkels „Trojanisches Pferd“ in der tschechischen Politik betrachtet wird, wird sicherlich nicht in allem mit ihr einig sein.“ Trotzdem werde das Ansprechen der Migrationskrise unumgehbar sein.

    „Für diejenigen Menschen, die Tschechien wie Deutschland von Tausenden Islamisten besiedelt sehen wollen, ist Merkel natürlich ein willkommener Gast. Für die übrigen 90 Prozent, die die Politik der offenen Türen nicht befürworten, ist ihr Besuch in Prag eher eine Provokation“, betont der Redakteur.

    Der Grund dafür, dass die Tschechen Merkel nicht willkommen heißen, bestehe darin, dass sie sich einfach von vornherein schützen wollen.

    „Es sind keine fremdenfeindlichen Menschen, die Einwanderer grundsätzlich ablehnen. Wir kennen den radikalen Islam und könnten ein Lied von ihm singen. Wir wissen, was er in verschiedenen Ländern der Welt und bei uns hier mitten in Europa anstellt. Deshalb versuchen wir auch unsere Regierung zu überzeugen, diesem Weltübel den Riegel vorzuschieben. Merkel wird sich schwer tun, die Mehrheit von uns eines anderen zu belehren“, fügte er hinzu.

     

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    Miloš Zeman, Bohuslav Sobotka, Angela Merkel, Prag, Tschechien