09:44 19 November 2017
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    UN-Botschafter Syriens: „Nur ehrliche Koalition“ kann IS besiegen

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    Der syrische UN-Botschafter Baschar al-Dschaafari hat im Sputnik-Exklusiv-Interview zur aktuellen Situation an der syrisch-türkischen Grenze Stellung genommen.

    Eine lange Vorgeschichte

    Das, was jetzt an der türkischen Grenze geschehe, sei eine alte Geschichte, meint der Diplomat. Die Türkei wäre nicht eingedrungen, gäbe es nicht die Internationale Koalition zum Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS, Daesh). „Schon seit zwei Jahren verletzt Ankara die Souveränität Syriens, und die USA haben heute die Verletzung der syrischen Souveränität unterstützt. Sie waren doch die ersten, die das im militärischen Sinne getan hatten. Das türkische Regime hat unsere Souveränität damit verletzt, dass es den Terroristen half, ungehindert die Grenze zu überschreiten“, so Dschaafari.   

    Das türkische Volk wisse das, fuhr er fort, es habe darum sogar Demonstrationen gegeben. Mittlerweile sei der Terrorismus schon in der Türkei angekommen und greife auch dort an. „Man kann den Daesh unmöglich innerhalb Syriens bekämpfen, ehe man ihn nicht innerhalb der Türkei besiegt hat“, stellte er fest, „denn er kommt aus der Türkei.“ Wie könne die Türkei sagen, sie kämpfe gegen den Daesh in Dscharabulus, wo sie dessen Entwicklung doch selbst förderte? Dschaafari zufolge hat sie ihm Tausende Autos der Marke Toyota und anderer Marken mit darauf installierten Waffen zur Verfügung gestellt, auch Mittel der Golfstaaten zum Kauf von Waffen aus der Ukraine, Kroatien, Bulgarien usw.

    Druck zerstört Nachbarschaft

    Die Erklärungen der Türkei betrachtet er als „sehr erstaunlich“. Erstens stehe das im Widerspruch zu einer guten Nachbarschaftspolitik, es widerspreche dem Abkommen von Adana zwischen Ankara und Damaskus. Zudem hätten die syrischen Behörden weder die Türkei noch die Länder der sogenannten Koalition um eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes gebeten. „Wollt ihr helfen? Dann koordiniert eurer Vorgehen mit der syrischen Armee! Tauscht Informationen zu den Terroristen aus! Schafft eine ehrliche internationale Koalition“, appellierte der syrische UN-Botschafter.

    Foto: Türkische Truppen in Syrien einmarschiert

    Es bestehe keinerlei Zweifel, dass es russisch-iranischen Druck auf Ankara gebe, um dessen Syrien-Politik zu beeinflussen. Die Türkei sage das eine, tue aber das andere, so Dschaafari. Gute Reden höre man jeden Tag, aber Taten gebe es im Grunde genommen nicht. Hätte es irgendwelche neuen Aktivitäten gegeben, die ihren Erklärungen entsprechen würden, hätte Ankara keine Militäroperation in Dscharabulus begonnen, meinte der Diplomat.

    „Im 21. Jahrhundert, nicht im Wald!“

    Es gebe außerdem noch immer keine Veränderungen im politischen Ton der Türkei. Ihm zufolge nutzen die USA die Türkei, den militärischen Flügel der in der Türkei als Terrorgruppe verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans PKK, den Daesh (IS), die Nusra-Front nur aus. Das sei bereits bekannt. Selbst einem einfachen Diplomaten in der Uno müsse klar sein, was in Syrien und im Irak geschehe, betonte er. „Eine Bekämpfung des Terrorismus kann es nur bei der Bildung einer ehrlichen internationalen Koalition zur Koordinierung mit der syrischen Macht geben. Es kann nicht jeder, dem es einfällt, gegen den Terrorismus zu kämpfen, seine Flugzeuge nach Syrien schicken und sagen ‚ ich werde den Einen unterstützen, den Anderen aber nicht‘, und das auch noch ohne Zustimmung der syrischen Macht. Wir leben im 21. Jahrhundert und nicht im Wald. Die Menschen vergessen allmählich, dass es ein Völkerrecht gibt“, schließt der UN-Diplomat.

    Hintergrund: Abkommen von Adana

    Das Abkommen von Adana zwischen Syrien und der Türkei, parafiert am 2O. Oktober 1998, diente damals der Beilegung der Öcalan-Krise. Die Türkei verlangte damals in recht scharfer Form die Auslieferung des Führers der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan aus dem syrischen Exil. Da die Türkei Syrien damals mit einer offenen Invasion gedroht hatte, stimmte Damaskus letztendlich zu und wies Öcalan an, das Land zu verlassen. Letztendlich bedeutete es auch die Einstellung der bis dahin erwiesenen Unterstützung der PKK durch Damaskus, die Schließung aller syrischen PKK-Stützpunkte sowie das Verbot der PKK in Syrien. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern war danach im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts recht kooperativ und freundschaftlich.

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    Tags:
    Arbeiterpartei PKK, Terrormiliz Daesh, Türkei, Syrien