14:02 23 August 2017
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    Ein-Euro-Job für Flüchtlinge? Grüne-Politikerin: „Bloß Beschäftigungstherapie“

    © AP Photo/ Michael Sohn
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    Als „Arbeitsgelegenheit zweiter Klasse“ hat die Grüne-Abgeordnete Brigitte Pothmer das von Arbeitsministerin Andrea Nahles gepuschte „Ein-Euro-Job“-Projekt für die Flüchtlinge kritisiert. „Der Ein-Euro-Job ist kein Weg zum gesetzlichen Mindestlohn“, betonte sie.

    „Die Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, wissen überhaupt nicht, wie der deutsche Arbeitsmarkt aussieht“, äußerte sie in einem Interview mit Sputnik-Korrespondentin Anne-Kathrin Glück. „Ich denke, es ist daher eine schlechte Idee, die Flüchtlinge in diese Arbeitsgelegenheiten zwischenzuparken, ohne sicherzustellen, dass alle einen Sprachkurs erhalten. Aus meiner Sicht sind die Ein-Euro-Jobs nicht mehr als eine Beschäftigungstherapie und das ist zu wenig.“

    Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen betonte dabei: „Der Ein-Euro-Job ist kein Weg zum gesetzlichen Mindestlohn“, zu dem die Flüchtlinge nach dreimonatigem Aufenthalt in Deutschland berechtigt wären. 

    Nach ihrer Ansicht wollen die meisten von ihnen „unbedingt arbeiten und nicht den ganzen Tag in den Flüchtlingsunterkünften rumsitzen. Doch diese Arbeitsgelegenheiten, die jetzt von den Kommunen geschaffen werden sollen, sind dem Arbeitsmarkt per Definition fern. Damit ist das kein Beitrag, die Flüchtlinge so schnell wie möglich in unseren Arbeitsmarkt zu integrieren.“

    „Ich weiß auch nicht, ob es die Kommunen schaffen, in kurzer Zeit so viele Ein-Euro-Jobs zu akquirieren, die ja keine Normalbeschäftigung ersetzen dürfen“, fügte Brigitte Pothmer hinzu.

    Sie verwies auch darauf, dass das „Ein-Euro-Job“-Projekt nicht die gewünschte Finanzierung bekommen hat. „Frau Nahles forderte ursprünglich 450 Millionen Euro vom Finanzministerium für diese 100.000 Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge. Zugesprochen wurden ihr aber nur 300 Millionen Euro. Das führt dazu, dass die Flüchtlinge nur 80 Cent pro Stunde verdienen. Wenn sie dann nun gemeinsam mit Langzeitarbeitslosen in diesen vorgeschriebenen Stellen arbeiten, was ja wünschenswert wäre, um Kontakte herzustellen, dann wird die Diskriminierung doch offensichtlich. Dann sprechen wir von Arbeitsgelegenheiten zweiter Klasse.“

    Als Alternative zum „Ein-Euro-Job“ bieten die Grünen die Einstiegsqualifizierung an, so die Abgeordnete.

    „Das ist eine Mischung aus einem Sprach- und Orientierungskurs, sodass die Flüchtlinge die deutsche Berufswelt erstmal kennenlernen, und einem betrieblichen Praktikum. Flüchtlinge müssen in Betriebe und nicht in Arbeitsgelegenheiten eingegliedert werden.“

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    Tags:
    Arbeitsmarkt, Migranten, Anne-Kathrin Glück, Deutschland
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