11:14 21 Januar 2018
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    Türkischer Panzer auf dem Weg nach syrischem Dscharabulus

    Russisch-türkische Nähe ermöglichte Ankaras Syrien-Einsatz – Experten-Interview

    © AFP 2018/ Bulent Kilic
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    Serkan Demirtaş von der türkischen Zeitung „Hürriyet Daily News“ hat im Sputnik-Interview das Geschehen an der türkisch-syrischen Grenze kommentiert. Er ist überzeugt: Ohne die Normalisierung der Beziehungen zwischen Ankara und Moskau wäre die Militäroperation in Dscharabulus nicht möglich gewesen.

    Erst die Normalisierung der Beziehungen zu Russland und eine Milderung der Position gegenüber Assad haben es demnach Ankara ermöglicht, das Feld für eigene Manöver in Syrien zu erweitern.

    Demirtaş zufolge hatte eine Militäroperation in Dscharabulus schon im vergangenen Jahr zur Debatte gestanden. Nach den Erklärungen der türkischen und amerikanischen Behörden zu urteilen, sei sie gleich nach dem G20-Gipfel in Antalya geplant worden. Doch nach dem Vorfall mit dem abgeschossenen russischen Flugzeug habe die Situation eine scharfe Wende genommen, und diese Frage sei von der Tagesordnung gestrichen worden. 

    „In diesem Sinne kann man sagen, dass der Einmarsch der türkischen Truppen in Dscharabulus ein zu erwartendes und bedeutend verspätetes Ereignis ist. Denn der Türkei ist erst nach dem Terroranschlag in Suruç vom 22. Juli und den nachfolgenden Anschlägen der Dschihadisten klar geworden, dass die Daesh-Bedrohung von den eigenen Grenzen abgedrängt werden muss“, so Demirtaş.

    Ist von den Zielen der Militäroperation die Rede, so werde vor allem der Kampf gegen die Daesh-Terroristen (auch „Islamischer Staat“, IS) genannt. Die Türkei hatte bekanntlich lange auf der Einrichtung einer Puffer-Sicherheitszone bestanden. Die Erklärungen des türkischen Präsidenten und seines Außenministers, die den Daesh und die syrischen Kurden der Partei der Demokratischen Union (PYD) auf eine Stufe stellten, demonstrierten nun, so Demirtaş, dass sich die politischen Aufgaben der Türkei nicht auf die Abwehr des Daesh beschränken. Die Operation in Dscharabulus gehöre zu Ankaras Plan, die Kurden daran zu hindern, eine eigene Autonomie im Rahmen der Gebiete Afrin und Kobane zu schaffen. Die Bezeichnung „Schutzschild Euphrat“ sei ganz und gar nicht zufällig für die Operation gewählt worden. 

    Die Normalisierung der Beziehungen zu Russland habe die Lage der Türkei in syrischer Richtung bedeutend erleichtert. Die gegenwärtige Operation in Dscharabulus sei erst durch die Wieder-Anbahnung der türkisch-russischen Beziehungen möglich geworden. „Ohne Russlands Zustimmung wäre das nicht geschehen. Und wenn es plötzlich doch geschehen wäre, dann in ganz anderer Form, zum Beispiel wäre nicht die türkische Luftwaffe zum Einsatz gekommen. Ich betone noch einmal: Der Hauptfaktor für die Verwirklichung dieser Operation besteht in der Anbahnung der Beziehungen zwischen Ankara und Moskau. Der Kampf gegen den Daesh ist eine Frage, in dem sich alle Seiten einig sind. Die Türkei hat in diesem Rahmen den Start der Operation in Syrien verkündet“, so Demirtaş.

    Russland habe derweil aufmerksam die in jüngster Zeit zu verzeichnende Annäherung der syrischen Kurden mit den USA, aber ebenso die Zusammenstöße der kurdischen Kräfte mit syrischen Regierungstruppen in Al-Hasaka aufmerksam verfolgt. Jetzt sei wichtig, so der Journalist, in welche Richtung sich die Operation in den nächsten Tagen entwickeln werde. Davon ausgehend würden die Hauptakteure ihre Position wählen.

    Die Beziehungen zwischen Moskau und Ankara hatten sich dramatisch verschlechtert, seit die Türkei am 24. November 2015 an der syrischen Grenze einen russischen Su-24-Bomber abgeschossen hatte. Der Kampfjet bombardierte Stellungen der Terrororganisation Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) in Syrien, als er von einer türkischen Rakete getroffen wurde und auf syrischem Gebiet abstürzte. Der Pilot Oleg Peschkow wurde von Rebellen erschossen, als er am Fallschirm hing.

    Der Abschuss belastete die bilateralen Beziehungen der beiden Staaten schwer. Russland verhängte Sanktionen gegen die Türkei. Seit Ende Juni 2016 sind beide Staaten wieder auf Normalisierungskurs, nachdem sich Erdogan formell für den Abschuss des Jets und den Tod des Piloten entschuldigt hatte.

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Dscharabulus, Türkei, Syrien, Russland
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