02:25 20 Januar 2018
SNA Radio
    Protestaktion gegen Merkel in Prag

    Merkel ist „unten durch“ - Tschechen bevorzugen Putin

    © REUTERS/ David W Cerny
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 2565

    Die deutschen Medien haben „ihren“ neuen kleinen Skandal: Russlands Präsident Waldimir Putin ist in Tschechien beliebter als Bundeskanzlerin Merkel, deren Popularität einer aktuellen Umfrage der tschechischen Meinungsforschungsfirma STEM zufolge buchstäblich einbrach.

    Bundeskanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin und Großbritanniens Premier David Cameron (Archivbild)
    © REUTERS/ Alexander Zemlianichenko
    Die Welt schrieb am Donnerstag, dass Merkel noch vor etwa einem Jahr mehr als 70 Prozent der tschechischen Bürger vertrauten. „Doch ihre ‚Willkommenskultur‘ hat sie für viele Tschechen zum Feindbild gemacht“, schreibt die Zeitung. Die jüngsten Erhebungen im Juni 2016 ergaben für Merkel eine Zustimmung von nur noch 18 Prozent unter den befragten Tschechen und eine Rekord-Ablehnung von 80 Prozent. Damit liegt sie weit abgeschlagen an allerletzter Stelle der Umfrage – hinter dem russischen Präsidenten.

    „Ich habe in der Zeitung gelesen, dass sie kommt. Aber ich brauche sie hier, ehrlich gesagt, nicht. Wir haben hier alle die Nase voll von Frau Merkel", zitiert Die Welt den Prager Bürger Karel Krejčí. „Sie hat die ganzen Flüchtlinge eingeladen, und nun sollen wir die Suppe auslöffeln. Nicht mit uns!“, ereifert sich Krejčí weiter über Merkels Visite der tschechischen Hauptstadt.

    Der Welt-Kommentar behauptet weiter, dass „selbst Wladimir Putin sie in der Gunst überholt hat“. Und ergänzt: „Das grenzt an ein Wunder“. 
    Den Ex-Minister und ehemaligen Botschafter Tschechiens in Russland und der Ukraine, Jaroslav Basta, wundern solche Umfragewerte dagegen jedoch gar nicht: „Das ist völlig in Ordnung. Wenn bestimmte Dinge gedacht werden, sollten sie auch ausgesprochen werden können.“ Wirtschaftlich gesehen sei, so Basta, Tschechien oft „so eine Art 17. Bundesland“ Deutschlands, aber man müsse „wenigstens politisch klar stellen, dass dem nicht so ist.“

    Im Interview mit dem Portal „Parlamentni Listy“ prognostiziert Basta für Merkel zwei Zukunftsszenarien: „Das hängt von den Folgen der Migrationskrise ab. (…) Wenn der Migrantenzustrom den Sozialstaat nicht nur in Deutschland, sondern auch den anderen EU-Ländern nicht zerstört, dann kann das Positive überwiegen. Wenn es in den nächsten fünf oder zehn Jahren blutiger ausgehen wird, was gegenwärtig nicht ausgeschlossen werden kann, dann überwiegt letztlich ein unglücklich gewählter Satz des letzten Sommers bzw. ein negativer Blick auf dessen Auswirkungen.“

    Auch der tschechische Präsident Miloš Zeman, der sich am Donnerstag mit Merkel getroffen hatte, werde nicht müde, so Die Welt weiter, „Merkels Kurs in der Flüchtlingsfrage vehement zu verurteilen“. Der sei ein „großer Fehler". Nach den wiederholten Terrorakten in Westeuropa habe er seinen Bürgern empfohlen, sich zu bewaffnen.

    Europa durchlebt zurzeit die schwerste Migrationskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie wurde vor allem durch etliche bewaffnete Konflikte und Wirtschaftsprobleme im Nahen Osten und in Nordafrika ausgelöst. Wie die Internationale Migrationsbehörde (IOM) Ende Juli mitteilte, sind seit Jahresanfang 2016 immer noch mehr als 240.000 Flüchtlinge über das Mittelmeer nach Europa gekommen. Im Vorjahr waren es weit über eine Million. Dabei aber ertrinken viele Menschen im Mittelmeer.

    Zum Thema:

    Prager Polizei rettet Merkel vor Anschlag – VIDEO
    Zeman an Merkel: „Wer Flüchtlinge einlädt, muss sich auch um sie kümmern“
    Putin spricht mit Merkel und Hollande über Kiews Sabotage-Einsatz auf Krim
    Deutschland: Merkel verliert Vertrauen – Medien
    Tags:
    Beliebtheit, Umfrage, Die Welt, Miloš Zeman, Angela Merkel, Wladimir Putin, Tschechien