18:43 26 Juli 2017
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    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan

    Große Lüge Erdoğans im Vorfeld des dritten Weltkrieges – russische Militärexperten

    © REUTERS/ Umit Bektas
    Politik
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    Russland hat der türkischen Militäraktion "Schutzschild Euphrat" in Syrien, die die Souveränität des Landes verletzt, laut dem Präsidenten der Akademie für geopolitische Probleme, General Leonid Iwaschow, keine Zustimmung gegeben und auch nicht geben können.

    Die Ausrede Erdoğans, gegen den IS zu kämpfen und alles mit Wladimir Putin vereinbart zu haben, sei eine Lüge, sagte Iwaschow in einer Diskussion in Moskau. „Der türkische Präsident hat mit dem russischen Präsidenten nur das Vorgehen gegen terroristische Organisationen vereinbart. Die Türkei hat aber gegenüber Syrien von Anfang an eine aggressive Politik betrieben. Gemeinsam mit den USA führte sie die syrischen Opponenten Assads zusammen.“

    Dahinter stehe die Wirtschaft, so der Geopolitiker. „Das Süd-Pars-Vorkommen enthält die weltgrößten Gasvorräte, 51 Billionen Kubikmeter. Zwei Drittel davon gehören Katar, ein Drittel dem Iran. Amerikanische, britische und sonstige Konzerne erkannten darin einen Riesenvorteil und planten eine Gaspipeline nach Europa, darunter auch über Syrien. Die Türkei wäre in diesem Fall der Betreiber, der das Gas nach Europa leiten würde. Der Iran habe aber seinen eigenen Vorschlag unterbreitet, ebenfalls mithilfe von Syrien. Assad widersetzte sich dem Bau einer Gasleitung von Katar aus“, betonte Iwaschow. 

    Daher sei eine Koalition gegen ihn entstanden, ist sich der Militärexperte sicher. „Um ihn zu beseitigen und in Syrien einen eigenen Strohmann an die Spitze zu stellen, wurde gerade der IS heraufbeschworen, dann die Al-Nusra-Front und andere terroristische Vereinigungen“, so Iwaschow. „Jedoch mischte Russland sich ein und vereitelte diese Pläne, um einen stabilen Nahen Osten an seiner Südgrenze zu sichern.“

    Darüber hinaus sei die Türkei wegen der möglichen Vereinigung der drei kurdischen Enklaven und der Gründung eines unabhängigen kurdischen Staates an ihren Grenzen besorgt, der die Munitionslieferungen und den Nachschub für die Terroristen aus der Türkei unterbinden würde, sagte der Experte weiter. Auch Assad mache sich Sorgen wegen der Kurden, da er sich keinerlei Autonomie von ihnen wünsche. Es gebe hier ein Knäuel von Widersprüchen. 

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    General Iwaschow sieht in Syrien schon so manche Anzeichen eines Weltkrieges. „Die führenden Weltmächte sind in dieser Region bereits engagiert, nämlich die USA und Europa, auch Russland ist da präsent und China zieht nach. Von dem Kräfteverhältnis zwischen den einander gegenüberstehenden Seiten wird die Zukunft des Nahen Ostens abhängen. Ein Weltkrieg wird aber die Türkei als einheitlichen Staat, aber auch Saudi Arabien wegfegen.“

    „Verlieren werden alle, einschließlich der USA, die ihren Einfluss auf die Region einbüßen werden. Europa ist schon infolge dieser Ereignisse wegen des Flüchtlingsstroms von Widersprüchen zerrissen. Russland, der Iran und China sind die drei Hauptakteure, die einer solchen Entwicklung entgegenarbeiten.“ Und das Kräfteverhältnis wandelt sich laut Iwaschow zu ihren Gunsten. 

    Der Vizedirektor des Instituts für die GUS-Länder, Wladimir Jewssejew, äußerte die Meinung, dass die Koalition unter der Führung Russlands stärker wird. „Zu ihr gehört auch China, das die Anwendung begrenzter militärischer Gewalt und eine finanzielle Unterstützung nicht ausschließt. Das ist für Russland äußerst wichtig. China rechnet auch damit, die Kontrolle über die Erdöl- und Erdgasbranche nach der Stabilisierung der Lage in Syrien wiederherzustellen.“

    Jewssejew zählt die Türkei jedoch nicht eindeutig zu der Koalition, die von den USA geleitet wird. „Die Türkei steht gewissermaßen abseits, weil ihre Ziele nicht immer mit den amerikanischen übereinstimmen. Mehr noch: In der Türkei beginnt ein Prozess der Annäherung nicht nur an Russland, sondern auch an den Iran. Vor diesem Hintergrund wird die Türkei zum Mitglied beider Koalitionen. Ihr Dialog mit Russland und dem Iran ist durchaus möglich. Diesem könnte die Verhinderung der Bildung eines syrischen Kurdistans zu Grunde liegen.“ 

    Die Zusammenarbeit dieser drei Länder — Russland, Türkei und Iran — könne das Kräfteverhältnis in der Region zu Ungunsten der USA grundsätzlich ändern, prognostiziert Jewssejew.

    „Die USA ziehen sich aus der Region teilweise zurück: Sie haben keine 3.000 Soldaten nach Syrien entsandt, was sie früher beabsichtigt hatten. Auch im Irak wollen sie offenbar ihre Präsenz nicht aufstocken. Und die Unmöglichkeit einer Alternative in der Region in Form von Türkei, Saudi Arabien oder Israel wird dazu führen, dass Russland in der Region an Einfluss gewinnt, so auch China. Dadurch wird die Verwirklichung der Idee eines Groß-Eurasiens unter Weiterentwicklung der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und Umleitung der Wirtschaftsströme in Richtung ASEAN-Länder möglich.“ Für das größte Problem der USA hält der Experte den Mangel an Ressourcen für ihre Aktivitäten in der Region.

    Die türkischen Streitkräfte seien heute nur begrenzt einsatzfähig. „Da nach dem Putsch in ihnen 45 Prozent der Generäle und Admiräle sowie 4.000 Offiziere ausgetauscht wurden, kann die Türkei ausgedehnte Kampfhandlungen auf syrischem Boden bei einem derart geschrumpften Offizierskorps und der gestörten Führung der Streitkräfte nicht bewältigen. Aber die Zusammenarbeit mit Russland erlaubt es ihr, sich die Berücksichtigung ihrer Interessen im künftigen Syrien zu sichern.“

    Laut der Prognose von Wladimir Jewssejew wird die Türkei ihre Grenze für die radikalen Islamisten allmählich dichtmachen. „Und Saudi Arabien wird bei den Genf-3-Verhandlungen die Politik der Assad-feindlichen Kräfte, die es leitet, anpassen müssen. Katar ist nicht mehr mit im Spiel. Auf diese Weise bleiben die Pläne der USA in der Region unverwirklicht“, schlussfolgert der Experte.

    Nikolaj Jolkin

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    Tags:
    Terrormiliz Daesh, Baschar al-Assad, Recep Tayyip Erdogan, China, Russland, USA, Syrien, Türkei
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