23:34 05 Dezember 2019
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel

    Berlin hat geschlafen: Merkel gesteht Fehler in Flüchtlingspolitik

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    Migrationsproblem in Europa (1282)
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    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ deutsche Fehler in der Flüchtlingspolitik eingeräumt.

    „Auch wir Deutschen haben das Problem zu lange ignoriert“, sagte Merkel in einem SZ-Interview.

    Migranten auf der griechischen Insel Lesbos
    © AP Photo / Sergey Ponomarev/The New York Times/Columbia University
    Deutschland habe in den Jahren 2004 und 2005 Länder wie Spanien an den EU-Außengrenzen allein gelassen, obwohl bereits damals viele Flüchtlinge in die EU gekommen seien.

    Die Kanzlerin räumte auch ein, dass sich Berlin lange „gegen heute in der EU bitter nötige Reformen“ und eine proportionale Verteilung der Flüchtlinge gewehrt.

    „Deutschland war nach den vielen Flüchtlingen, die wir während der Jugoslawienkriege aufgenommen hatten, ganz froh, dass jetzt vorrangig andere das Thema zu bewältigen hatten“, gab Merkel zu.

    Außerdem sieht die Kanzlerin einen weiteren Fehler darin, dass Deutschland Modelle wie das der Grenzschutzagentur Frontex lange abgelehnt habe, weil sie angeblich die Staatssouveränität eingeschränkt hätten. „Stattdessen haben wir gesagt, dass wir das schon an unseren Flughäfen regeln“, so die Kanzlerin.

    Zu den jüngsten Terroranschlägen meint die Kanzlerin, dass es „völlig verständlich“ sei, dass „Unruhe und Sorge entstanden“ seien. Unter den Flüchtlingen gebe es eben auch solche, die nicht nur mit lauteren Absichten gekommen seien. Zugleich aber lehnt die Kanzlerin eine direkte Verbindung zwischen Flüchtlingen und Terror ab.

    Im vergangenen Jahr sah sich Deutschland in besonderem Ausmaß mit einem Flüchtlingsstrom aus dem Nahen Osten und Afrika konfrontiert. Insgesamt nahm Deutschland im vergangenen Jahr rund eine Million Flüchtlinge auf, was zum Härtetest für die deutsche Wirtschaft und Migrationsbehörden wurde.

    Die Flüchtlingspolitik spaltet indes weiterhin die deutsche Gesellschaft. Laut neuesten Umfrageergebnissen des Meinungsforschungsinstituts Emnid sind 50 Prozent der Befragten gegen eine weitere Amtszeit von Angela Merkel. 42 Prozent wollen dagegen, dass sie weiterhin Kanzlerin bleibt.

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    Flüchtlingspolitik, Terroranschläge, Fehler, Migrationspolitik, Reformen, Migranten, Angela Merkel, Europäische Union, Berlin, Deutschland