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    Herbst-Wahlen 2016 in Berlin und MeckPomm (63)
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    Warum bekommt die AfD in Mecklenburg-Vorpommern so viel Zuspruch? Diese Frage hat Sputnik dem renommierten Parteienforscher Prof. Dr. Hajo Funke gestellt. Der Dozent der Freien Universität Berlin nennt zwei entscheidende Gründe.

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    © AFP 2019 / John Macdougall
    Gleich zu Beginn macht Funke deutlich, was er von einer möglichen Zusammenarbeit der AfD mit der NPD hält: „Sofern diese Aussage stimmt, zeigt das nur, wes geistig Kind sie sind.“ Das bedeute im Klartext, die AfD könne sich vorstellen, mit einer neofaschistischen, ideologischen Partei zu kooperieren. Darüber hinaus gebe es eine Schnittmenge zwischen den Parteien: Hetze gegen den Islam, Flüchtlingsfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und im Zweifel auch Rassismus.

    Allerdings sieht der Parteienforscher darin auch eine Schwächung der NPD, und zwar in dem Land, in dem sie stark ist wie in keinem anderen. Die Aussage der AfD könnte ihr Stimmen kosten. 

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    Funke sagt der AfD bei der Landtagswahl am Sonntag in Meck-Pomm ein Ergebnis von 25 bis 30 Prozent voraus: „Manche fürchten sogar etwas mehr.“ Für den Erfolg der Partei in diesem Bundesland nennt der Experte für Rechtsextremismus zwei Gründe: So sei – ähnlich wie in Sachsen-Anhalt – die Fremdenfeindlichkeit in Teilen der Bevölkerung stärker ausgeprägt: „Das wissen wir seit dem Pogromversuch in Rostock-Lichtenhagen im August 1992. Das ist eine ostdeutsche Konstellation nach den Umbrüchen der Wiedervereinigung und der Folge der autoritären DDR.“

    Der zweite Grund sei laut Funke vielleicht noch wichtiger: „Es gibt eine soziale und gegenüber den etablierten, demokratischen Parteien verbreitete Enttäuschung.“ Er führt ein Beispiel an, wie sehr sich die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern allein gelassen fühlen: „Wenn die Kinderabteilung des Hospitals in Anklam geschlossen wird, dann muss man sich nicht wundern, dass viele eine Sauwut haben!“ Diese Wut werde aufgeladen mit Sündenbock-Denken und –Jagden gegenüber Schwächeren, insbesondere den Flüchtlingen.

    Dann nimmt er die kritisierten etablierten Parteien in den Fokus: „Natürlich kann man den Zustand ändern, wenn man das will.“ Aber die großen Koalitionsparteien in Mecklenburg-Vorpommern hätten diesen Hebel nicht genug umgelegt, sondern sie haben weiter gespart: Amtsgerichte zusammengelegt, die angesprochene Kinderabteilung in Anklam geschlossen oder in Altstrelitz ein Gebäude für Kinderpädagogik stillgelegt. Das Gebäude stehe jetzt leer: „Aufgrund solcher Erfahrungen, dass man überflüssig ist, kommt diese Wut hervor“, sagt Funke nicht ohne Zorn in der Stimme.

    Für die demokratischen Parteien bedeutet das: Sie müssen eine soziale Wende in Mecklenburg-Vorpommern vollziehen. Sie müssten die Kümmerer sein, die sie vorgeben zu sein – vor und nach der Wahl, meint der Experte. Sehr wahrscheinlich sei das nach der Wahl wieder die Aufgabe der SPD und der CDU. Eine andere Konstellation wäre rot-rot-grün, auch Kenia, also schwarz-rot-grün sei denkbar. Ausgeschlossen sei eine Regierungsbeteiligung der AfD: „Sie ist ein gäriger Haufen. Es ist nicht klar, ob die Weintrauben versauern oder ob es guten Wein geben wird“, zitiert Funke den AfD-Politiker Alexander Gauland, der selbst vor einer Koalition mit seiner Partei gewarnt hat.

    Das komplette Interview finden sie hier:

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    Herbst-Wahlen 2016 in Berlin und MeckPomm (63)

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    Tags:
    Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), Partei Alternative für Deutschland (AfD), Hajo Funke, Mecklenburg-Vorpommern, Deutschland