23:30 14 November 2018
SNA Radio
    Große Moschee von Mekka während des Hadsches

    Iran beschuldigt Saudi-Arabien des Todes von Pilgern bei Hadsch-Massenpanik 2015

    © AP Photo / Mosa'ab Elshamy
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 270

    Der Oberste Religionsführer des Irans, Ayatollah Ali Khamenei, hat den Behörden von Mekka vorgeworfen, den bei der Massenpanik während der jährlichen Pilgerfahrt im September 2015 verletzten Pilgern medizinische Hilfe verweigert zu haben. Dies berichtet die britische Zeitung „The Guardian“.

    „Die herzlosen und mörderischen Saudis sperrten die verletzten Menschen in Container mit den Toten, anstatt sie mit medizinischer Hilfe zu versorgen oder wenigstens ihren Durst zu löschen. Sie ermordeten diese Menschen", schrieb Ayatollah Ali Khamenei  in einer Erklärung  zum Jahrestag der Tragödie, die auf seiner Webseite  veröffentlicht wurde. Khamenei rief auch dazu auf, die Durchführung der Veranstaltung zu revidieren.

    Der saudi-arabische Kronprinz und Innenminister Mohammed ibn Naif sagte, der Iran versuche, den Hadsch zu „politisieren" und sei deswegen „am Eintreffen iranischer Pilger nicht interessiert". 

    Die muslimische Pilgerfahrt Hadsch beginnt in diesem Jahr am Freitag, dem 9.September. Der Iran wirft Saudi-Arabien vor, die Verhandlungen zur Sicherheit der Pilger sabotiert zu haben.

    Nach Angaben der Nachrichtenagentur AP sollen am 24. September 2015 mindestens 2.426 Menschen bei der Massenpanik und dem anschließenden Gedränge im Tal Mina bei Mekka ums Leben gekommen sein. Teheran zufolge waren 464 von ihnen Iraner. An ihrem Tod beschuldigte Teheran die saudischen Behörden, die die jährliche Pilgerfahrt schlecht organisiert hätten. 

    Zudem warf Khamenei Saudi-Arabien das Umkippen eines Baukrans in Mekka  vor, bei dem 111 Menschen umgekommen waren.

    Der Staatssekretär des  saudischen Ministeriums für Kultur  und  Informationen  Abdulmohsen Alyas nannte die Vorwürfe „unbegründet"  und  sagte, sie  dienen „der unmoralischen und scheiternden Propaganda". Saudi-Arabien  sei  bereit,  die Pilger zu versorgen und ihnen Sicherheit und Komfort bereitzustellen.

    Der Sprecher des  iranischen Außenministeriums Bahram Ghasemi gab bekannt, das sein Ministerium einen Ausschuss zur Ermittlung der Tragödie gebildet habe, deren Ergebnisse auf internationalen Foren vorgelegt werden sollen.

    Saudische Behörden haben  bislang die Ergebnisse  ihrer Ermittlung der Tragödie bei Mekka  nicht veröffentlicht. In  ihren Vorbemerkungen hatten sie die Vermutung geäußert, das Gedränge sei durch den Zusammenstoß von mindestens zwei Menschenmengen ausgelöst worden. 

    Im laufenden Jahr will Saudi-Arabien die Pilger mit elektronischen Armbändern ausstatten und mehr Überwachungskameras einsetzen, um eine Wiederholung der Tragödie  zu verhindern. 

    Die Massenpanik während des Hadsches im Jahre 2015, bei der tausende Menschen umgekommen waren, hatte die ohnehin angespannten Beziehungen des Irans und Saudi-Arabiens weiter  verschlechtert. In den bewaffneten  Konflikten  in Syrien und Jemen unterstützen die beiden Rivalen die entgegengesetzten Parteien. Die diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten wurden abgebrochen, nachdem der schiitischer Prediger Nimr al-Nimr Anfang Januar in Saudi-Arabien hingerichtet worden war. Daraufhin stürmte eine Gruppe von Protestierenden in Teheran  die saudische Botschaft  an und versuchte, sie anzuzünden.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Iran fordert Stopp des türkischen „Schutzschilds Euphrat“ in Syrien
    Terror als Diät-Programm: Saudi wollte beim IS „abnehmen“
    Waffen für Saudis? US-Kongress bittet Obama um „Pause“
    Jemen: Sieben Tote bei Luftangriff von Saudi-Koalition
    Bin Ladens Sohn ruft zu „Befreiungs-Putsch“ in Saudi Arabien auf
    Irans Behörden lassen zehn Sunniten hinrichten
    Tags:
    Hadsch, Pilgerfahrt, Pilger, Ajatollah Ali Chamenei, Mekka, Iran, Saudi-Arabien