04:10 18 Dezember 2017
SNA Radio
    Russische und US-Flagge

    Russland als Schreckgespenst: „Hysterische Art des US-Wahlkampfs wirkt befremdend“

    © Sputnik/ Grigoriy Sysoev
    Politik
    Zum Kurzlink
    Präsidentenwahl in USA (2016) (443)
    5556

    Warum wird das Thema Russland so hartnäckig im US-Wahlkampf instrumentalisiert – insbesondere durch Hillary Clinton? Der russische Auslandsexperte Fjodor Lukjanow bietet eine Erklärung an.

    Lukjanow schreibt in einem Gastbeitrag für die Onlinezeitung gazeta.ru, die Präsenz des russischen Themas im derzeitigen US-Wahlkampf sei beispiellos: „Als Hillary Clinton Ende August in Reno (Nevada) ihre Programmrede hielt, griff sie den ‚alternativen Konservatismus‘ an, den aus ihrer Sicht Donald Trump vertritt. Laut Clinton schürt die ‚Alternative‘ die miesesten menschlichen und politischen Instinkte wie Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Sexismus. ‚Der oberste Pate dieser neuen globalen Richtung des extremen Nationalismus ist Russlands Präsident Wladimir Putin‘, verkündete sie.“

    Lukjanow kommentiert ironisch: „Das ist wohl eine neue Höhe, die der russische Staatschef überspringen konnte. Bisher wurden konkretere Vorwürfe gegen Russland erhoben – wie etwa die Hacker-Attacken auf das Democratic National Committee, als interne Einzelheiten publik wurden, die für Clintons Team unangenehm sind. Vor einigen Wochen ging man davon aus, dass jene Attacken darauf abgezielt hätten, die demokratische Kandidatin zu diskreditieren und Trump, diesem ‚Kandidaten Moskaus‘, Vorteile zu sichern. Doch die Ausmaße des Bösen, das durch Russland verkörpert wird, nehmen nun zusehends zu.“

    Aber auch Trump selbst instrumentalisiere das Thema Russland, um Clinton und Obama anzugreifen: „Er weist immer wieder darauf hin, dass Putin und die Russen nicht müde würden, Trumps Opponenten als Schwächlinge und Großschnauzen zu verhöhnen.“

    „Die hysterische Art der aktuellen US-Wahlkampagne – insbesondere seitens der Demokraten – wirkt befremdend“, meint Lukjanow. Umso erstaunlicher sei dies vor dem Hintergrund der Tatsache, dass praktisch alle führenden Denkfabriken kaum Zweifel an Clintons Wahlsieg hätten.

    Lukjanow beruft sich auf eine CNN/ORC-Umfrage, wonach Clinton etwa in Sachen Außenpolitik deutlich höhere Vertrauenswerte genieße (56 Prozent im Vergleich zu 40 bei Trump): „Da liegt offenbar die Antwort auf die Frage, warum das Thema Russland die Wahlkampf-Agenda gesprengt hat. Die Außenpolitik ist der (womöglich einzige) Bereich, wo die Erfahrungen von Hillary Clinton und deren Zugehörigkeit zur politischen Aristokratie sich als Vorteil erweisen können. Trump mit seinen draufgängerischen Rezepten, die dem üblichen Kurs zuwiderlaufen, ist jedenfalls eine bequeme Zielscheibe für solche Attacken. Bei den Debatten wird Clinton davon Gebrauch machen.“ 

    Clinton droht russischen Hackern mit „militärischen Konsequenzen

    US-Wahl: So finanzieren sich die US-Präsidentschaftskandidaten
    © Sputnik/
    US-Wahl: So finanzieren sich die US-Präsidentschaftskandidaten

    „Zwar findet der Neoisolationismus von Trump gewissen Anklang in der Gesellschaft – die Amerikaner sind laut Umfragen müde vom Imperativ der ‚globalen Führung‘ und haben ihre Zweifel an der Zweckmäßigkeit der US-Allgegenwärtigkeit. Doch der Milliardär nutzt allzu primitive Muster, indem er vor allem das unterste Segment seiner Wählerschaft anspricht. Dies verwirrt diejenigen, die davon ausgehen, dass internationale Angelegenheiten mehr Fertigkeiten und Feinheit erfordern, als Trump sie besitzt“, so Lukjanow.

    Er schreibt weiter: „Wie dem auch sei, Clintons Taktik im Wahlkampf erweist sich als ziemlich rationell: Das Ausmaß der äußeren Bedrohung wird absichtlich geschürt, um die völlige Inkompetenz des republikanischen Kandidaten zu demonstrieren. Bei dieser besonderen Art von Bedrohung sollen Trumps Parolen nicht anwendbar sein. Er setzt ja auf Stärke und Entschlossenheit, auf seine Fähigkeit, mit Putin so zu sprechen, wie es sich bei ‚richtigen Männern‘ gehört, anstatt sich auf eine echte Teufelslist gefasst zu machen, auf ein tückisches Komplott, von dem nicht einmal der sowjetische KGB zu träumen wagte.“

    „Vorerst könnten wir also darauf hoffen, dass es sich bei der für die US-Präsidentenwahl beispiellosen Dämonisierung Russlands bloß um ein Instrument handelt. Nichts Persönliches, wie man so schön sagt“, heißt es in dem Kommentar zum Schluss.

    Themen:
    Präsidentenwahl in USA (2016) (443)

    Zum Thema:

    Putin wünscht sich verantwortungsbewussten US-Präsidenten
    Kreml bedauert: „Dämonisierung Russlands“ wird Attribut des US-Wahlkampfes
    Wahlthema Russland: „Zeit der US-Überlegenheit ohne Rücksicht auf andere ist vorbei“
    Nach Vorwürfen gegen Trump: „Amerika verfällt in russlandfeindliche Hysterie“
    Tags:
    US-Präsidentschaftswahl 2016, Fjodor Lukjanow, Russland, USA
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren