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17:17 15 Oktober 2019
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    Nordkorea absolviert den Test einer ballistischen U-Boot-gestützten Rakete

    Nach Atomtest: „Nordkorea will Mittelstreckenraketen nuklear bestücken“

    © REUTERS / KCNA
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    Im Hinblick auf den nordkoreanischen Atomtest erläutert ein russischer Militärexperte, was Pjöngjang mit seinem Raketenprogramm erreichen will. Ein weiterer Analyst aus Russland klärt über mögliche politische Lösungen auf.

    „Laut südkoreanischen und US-amerikanischen Geheimdienst-Einschätzungen ist Nordkorea jeden Moment bereit, einen weiteren Atomtest bei Punggye-ri vorzunehmen“, sagte ein Militärsprecher in Seoul laut der Agentur Yonhap.

    Bombardierung von Hiroshima und Nagasaki in1945
    © REUTERS / U.S. Army/Hiroshima Peace Memorial Museum

    Am Freitag hatte die Regierung in Pjöngjang ihren insgesamt fünften Atomtest gemeldet. Nach Angaben der südkoreanischen Armee handelte es sich möglicherweise um einen Zehn-Kilotonnen-Sprengsatz.

    Der Militärexperte Viktor Jessin, Ex-Stabschef der russischen Raketentruppen, kommentierte für die Tageszeitung „Moskowski Komsomolez“, Nordkorea wolle einen Atomsprengsatz entwickeln, der von seinen Abmessungen und von seiner Masse her im Gefechtskopf einer ballistischen Rakete des Typs Rodong untergebracht werden könne.

    „Diese bereits in Dienst stehenden Raketen haben eine Nutzlastkapazität von je 1.000 bis 1.200 Kilogramm. Nordkorea betrachtet es nun als seine wichtigste Aufgabe, seine ballistischen Mittelstreckenraketen nuklear zu bestücken. Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Land aus meiner Sicht nur rund ein Jahr brauchen. Dann wird eine Bedrohung nicht nur für Südkorea entstehen, sondern auch für Japan und für die US-Truppen auf Okinawa“, prognostizierte Jessin.

    „Wenn Nordkorea auch bei seinen Raketentests mit einer größeren Reichweite von 3.000 bis 3.500 Kilometern positive Ergebnisse erzielt, wird sich die Situation noch mehr verkomplizieren. Dann gibt es eine reale Bedrohung für die US-Gebiete wie Guam. Es geht dabei um Raketen des Typs Musudan sowie um diejenigen, die von U-Booten aus gestartet werden sollen. Diese Raketen stehen noch nicht in Dienst. Wenn aber ihre Testflüge bereits stattfinden, wäre eine Indienststellung in einem oder in zwei Jahren möglich“, so der Experte.

    Alexander Woronzow, Chef der Korea-Studien am Orientalistik-Institut der Russischen Akademie der Wissenschaften, sagte im Radiosender Kommersant FM: „An seinen Atomwaffen bastelt Nordkorea für die Selbstverteidigung, denn das Land hält dies für nötig vor dem Hintergrund dessen, was dort als feindliche Politik der USA und ihrer Verbündeten bezeichnet wird.“  

    Die nordkoreanischen Atomtests seien aber ein Verstoß gegen die internationale Nonproliferation und in diesem Sinne gefährlich – als ungünstiger Präzedenzfall. Russland setze sich für einen atomfreien Status der Koreanischen Halbinsel ein und sei an einer Aufrechterhaltung des Atomwaffensperrvertrags interessiert, so Woronzow.

    „Man muss inhaltsreiche und ernsthafte Gespräche wiederaufnehmen und Nordkorea in diese Gespräche involvieren. Dabei müssen alle begründeten Interessen und Sicherheits-Besorgnisse aller involvierten Parteien berücksichtigt werden – einschließlich Nordkoreas selbst. Es ginge also um gleichberechtigte Verhandlungen mit einer Tagesordnung, die für alle Teilnehmer akzeptabel wäre“, äußerte Woronzow.

    Die Situation um den nordkoreanischen Atomtest stand am Montag im Mittelpunkt eines Telefongesprächs des russischen Außenministers Sergej Lawrow mit seinem chinesischer Amtskollegen, Wang Yi. „Die Minister verurteilten das Vorgehen Pjöngjangs und betonten, dass es für alle interessierten Seiten wichtig wäre, auf solche Schritte zu verzichten, die eine weitere Eskalation der Spannungen verursachen könnten. Sie bestätigten, dass Russland und China an einer politisch-diplomatischen Regelung des Problems der Koreanischen Halbinsel festhalten“, teilte das russische Außenamt mit.

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    Tags:
    Atomtest, Viktor Jessin, China, Russland, Südkorea, Nordkorea