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    MdB Dehm zu Flüchtlings-Rettung: „Er fällt der Allgemeinheit nicht auf die Tasche“

    Flüchtling im Kofferraum: Deutsche Justiz ermittelt gegen Linke-Abgeordneten

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    Die deutsche Justiz ermittelt gegen Dr. Diether Dehm. Der Bundestagsabgeordnete der Linke hat zugegeben, einen jungen Flüchtling in seinem Kofferraum von Italien nach Deutschland geschmuggelt zu haben. Während der Politiker in den sozialen Netzwerken für die Aktion gefeiert wird, drohen im strafrechtliche Konsequenzen.

    Zu Beginn des Gesprächs mit Sputnik ist Dr. Dehm zunächst etwas wortkarg und will nicht über Details der Aktion sprechen. Allerdings bestätigt er, dass er den jungen Mann aus Italien nach Deutschland gebracht hat: „Zu seinem Vater, der Junge ist Halbwaise. Der Mann hat einen festen Job und wird sich um ihn kümmern. Außerdem habe ich auch ein bisschen vorgesorgt. Sicher ist: Er fällt der Allgemeinheit nicht auf die Tasche.“

    Das große mediale Echo der Aktion hat den Bundestagsabgeordneten überrascht: „Das passt nicht zu den realen Zahlen, wenn so etwas einmal passiert und alle Zeitungen glauben, das sei nun ein Wunderwerk.“ Er fühle sich nicht als Held der Flüchtlingsbewegung. Ein Bekannter habe ihm auf das Schicksal des jungen Mannes hingewiesen, der in einer Flüchtlingsunterkunft in Italien „dahinvegetiere.“ Daraufhin sei Dehm losgefahren, habe sich mit dem Mann getroffen und habe ihn zu sich in sein Privathaus am Lago Maggiore geholt. „Ich habe ihn erst einmal ordentlich ausruhen lassen. In der ersten Nacht hat er 20 Stunden geschlafen.“ Während der Flüchtling bei ihm war, habe der Politiker gedacht: „Hier muss geholfen werden.“

    Das ihm das in Deutschland auch Kritik einbringt, ist Dehm klar, aber er hat eine Antwort: „Wenn man das Elend konkret sieht, denkt man darüber nicht nach.“ Bei dem Flüchtling handele es sich um einen jungen Mann unter 20 Jahren. Er sei intelligent und habe sein Leben noch vor sich, davon hat sich Dehm in der Zeit mit dem Geflohenen selbst überzeugt: „Er interessiert sich für das deutsche Grundgesetz, für europäische Musik, spricht englisch und er hat mir versprochen, er wird nach seiner Ausbildung in seine Heimat zurückkehren und Aufbauen zu helfen.“

    Das ist Dehm wichtig. Er bekennt sich zur Flüchtlingspolitik von Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine: „Ich finde, dass Schutzsuchende getrennt werden müssen von Menschen, die als Ingenieure oder Architekten ihr eigenes Land verlassen.“ Man könne es ihnen nicht verdenken, das sei klar. „Aber wir als Linke müssen auch ein Interesse haben, dass es in den Ländern einen Aufbau gibt“, stellt der Wirtschafts-Politiker klar. Dafür würde er zehn Milliarden Euro aus dem Rüstungsetat in die Entwicklungshilfe stecken und Gründe schaffen, dass die gut ausgebildeten Leute in ihren Ländern blieben.

    Zurück zum Geretteten: Auf die Frage, wie es dem jungen Mann ohne seine Hilfe ergangenen wäre, will Dehm gar nicht nachdenken: „Keine Ahnung, ob er zurückgegangen wäre, ob er sich irgendwie hätte durchschlagen können oder irgendwo abgesoffen wäre, daran habe ich keine Sekunde gedacht. Wissen sie, ich bin Vater von zwei Kindern. Wenn ich meinen Sohn über längere Zeit nicht sehen könnte und ich wüsste, der vegetiert da irgendwo — ich würde einen Tunnel graben und ihn rausholen.“ Auch über die rechtlichen Konsequenzen seiner Rettungsaktion verschwendet Dehm wenig Gedanken: „Das wird mir die Staatsanwaltschaft oder die Polizei schon sagen. Sie haben gestern gesagt, dass strafrechtlich gegen mich vorgehen. Sollen sie mal kommen.“

    Er habe wegen Castor und anderer Dinge schon Strafen verbüßt. Dehm ist mit sich im Reinen, wenn er zum Schluss sagt: „Ich möchte für unser Grundgesetz stehen. Da steht: Die Würde des Menschen ist unantastbar – nicht die Würde des Deutschen. Das steht über allem. Wenn sie dagegen strafrechtlich vorgehen wollen — okay.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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