15:52 29 Januar 2020
SNA Radio
    Politik
    Zum Kurzlink
    252108
    Abonnieren

    Da der Einfluss der USA weltweit zurückgeht, können sie in Sachen Geopolitik nicht mehr so offensiv wie früher agieren. Darauf weist der russische Analyst Konstantin Siwkow hin. Vor diesem Hintergrund skizziert er fünf wahrscheinliche Schwerpunkte der weiteren US-Politik.

    Siwkow schreibt in einem Gastbeitrag für die russische Wochenzeitung „WPK“: „Zum Rückgang des amerikanischen Einflusses weltweit trägt wesentlich der Widerspruch zwischen dem Volumen der ‚Dollar-Blase‘ und dem Ausmaß der US-Realwirtschaft. Dieses Ungleichgewicht ist schwer und manchmal überhaupt nicht mehr zu steuern, denn die Schwellenmärkte werden von den USA und den nationsübergreifenden Eliten nicht sicher kontrolliert.“

    Die US-Elite verliere die Weltführung: „Vorerst hat sich das im Wirtschaftsbereich vollzogen. Vom Bruttoinlandsprodukt her rangiert China mittlerweile auf Platz eins. Der intensive Aufstieg dieses Landes sowie der schnelle Wiederaufbau der russischen Streitkräfte und Rüstungsindustrie machen die Aussichten darauf real, dass die USA ihre Überlegenheit auch im Militärbereich einbüßen werden. Besonders gefährlich für die Amerikaner ist die sich abzeichnende militärstrategische Annäherung zwischen Russland und China.“

    Es gebe mittlerweile auch weitere Aufsteiger mit einem souveränen außenpolitischen Kurs – wie etwa Indien, Brasilien und der Iran. Der US-Einfluss im Großraum des Mittleren Osten nehme unterdessen ab. Vor diesem Hintergrund seien die wirtschaftlichen Möglichkeiten im geopolitischen Kampf zurückgegangen, hieß es.

    Krise der Außenpolitik: „Die Welt wird immer unfreundlicher zu den USA“

    US-Flagge
    © REUTERS / Stephen Lam
    „Man kann schlussfolgern: Die USA haben zeitweilig die Möglichkeit eingebüßt, eine offensive Geopolitik zu betreiben, und müssen zur Verteidigung übergehen“, postuliert Siwkow.  Er erwartet, dass die USA nun sich darum bemühen werden, die bisher eroberten Positionen zu festigen und Voraussetzungen für ein künftiges aktives Vorgehen zu schaffen. Der Experte nennt fünf wahrscheinliche Schwerpunkte der kurzfristigen US-Politik.

    Erstens versuche Washington offenbar, die politische Kontrolle über seine wichtigsten Verbündeten in Europa und im Pazifikraum zu stärken. Zweitens werde eine wirtschaftliche Integration Europas, Nordamerikas, Japans, Australiens und weiterer US-orientierter Länder angestrebt, um den wirtschaftlichen Einfluss der Rivalen wie China und Russland zu reduzieren, so die Prognose.

    „Dabei sollen die Amerikaner eine dominierende Lage auf den Märkten der verbündeten Länder einnehmen, um auf deren Kosten einen Teil der wirtschaftlichen Probleme der USA zu lösen“, betont Siwkow.

    Drittens versuche die US-Regierung scheinbar, die Kontrolle über die „verlorenen“ Regionen wiederherzustellen, zumindest dort, wo es noch möglich sei. Viertens sei eine Stationierung von Nato-Truppen in Osteuropa zu erwarten. Fünftens wolle Washington offenbar nach dem Krieg in Syrien einen Marionettenstaat dort zustande bringen – als „Aufmarschgebiet“ für den US-Einfluss auf die benachbarten Länder, prognostiziert der Experte.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Finnlands Außenminister nennt USA „weltweit einzige Großmacht“
    Darum scheitert die liberale Globalisierung
    US-Politik: „Europäer werden ausgenutzt wie einst Amerikas Ureinwohner“
    Lawrow: So müssen neue Beziehungen zu USA und EU aussehen
    Tags:
    China, Russland, USA