03:41 07 Dezember 2019
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    „Deutschland muss auf die Couch!“ - Der „Retter-Tick“ der moralischen Weltmeister

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    Politik
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    So lautet der Befund der beiden EU-Abgeordneten Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty, die ihr soeben erschienenes Buch auch so betitelt haben. Inhaltlich kritisieren die Autoren von der Partei ALFA vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Politik. Darüber hat Sputnik mit Hans-Olaf Henkel gesprochen.

    Wie Henkel betont, liegt ihm und seinem Co-Autor das Wohl der Gesellschaft in Deutschland am Herzen. Seit Jahren machten die Gründungsmitglieder von ALFA (Allianz für Fortschritt und Aufbruch) Vorschläge für Veränderungen, vor allem für den ökonomischen Bereich.

    Leider würden viele dieser Vorschläge ins Leere laufen, „Weil wir meinen, wir müssten der moralische Weltmeister werden“, sagt Henkel mit Süffisanz. „Wir wollen das Weltklima retten, wir wollen den Euro retten, wir wollen Griechenland und den Euro retten. Jetzt retten wir die Flüchtlinge der Welt“, zählt der Europaabgeordnete auf. In den EU-Parlamenten in Brüssel und Straßburg stelle er immer wieder fest, dass seine ausländischen Kollegen über diesen Rettungswahn der Deutschen nur den Kopf schüttelten: „Wenn die den Titel unseres Buches hören, wissen die sofort, was wir meinen.“

    Das Problem ist für Henkel eindeutig die Kanzlerin: „Niemand versteht, warum sie Hunderttausende Menschen einlädt, um sie dann den anderen Europäern aufzudrücken, die sie nicht eingeladen haben.“ Das Gleiche gelte für den Atomausstieg. Hier wird der ehemalige Präsident des BDI fast polemisch: „Man hat den Eindruck, als würde ein Tsunami den Rhein oder die Elbe hochrauschen können, um sichere deutsche Kernkraftwerke in Gefahr zu bringen.“ Seit Fukushima gebe es auf der ganzen Welt mehr Kernkraftwerke als vorher, nur Deutschland wolle sie stilllegen.

    Auch die Merkelsche Flüchtlingspolitik bekommt ihr Fett weg. „Dies geschieht aus einem mangelnden Selbstwertgefühl heraus“, ärgert sich Henkel. Er und sein Co-Autor Starbatty seien mit dem Schuldkomplex der Nazi-Verbrechen aufgewachsen. Es ärgere ihn, dass politische Entscheidungen in Deutschland wegen dieses Schuldkomplexes immer moralisch begründet werden. „Auch die Flüchtlingspolitik wurde von Frau Merkel mit bedeutungsschweren Hinweisen auf unsere Geschichte gerechtfertigt“, betont der 76-jährige.

    Dagegen vertreten Starbatty und er die Meinung, die im oder nach dem Krieg Geborenen treffe kein Schuld: „Darum wollen wir den Begriff „Schuld“ durch „Verantwortung“ ersetzen.“

    Für Flüchtlingsproblematik gebe es keine einfachen Lösungen, wie sie beispielsweise seine ehemalige Partei, die AfD, proklamiere. Aber statt alle hereinzulassen oder festgelegten Zahlen, wie sie Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer vorschlage, sei ALFA für eine „atmende Obergrenze“. Bedeutet, die Bundesländer und letztlich die Kommunen sollten selbst entscheiden, wie viele Menschen sie aufnehmen könnten.

    „Die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber den Flüchtlingen sei dann wesentlich höher“, davon ist der EU-Parlamentarier überzeugt. 

    Dann kommt er auf die Kanzlerin zurück. Dazu greift der ehemalige BDI-Chef ein Bild auf der Wirtschaft auf: „Nehmen wir mal an, die CDU wäre ein Unternehmen und Professor Starbatty und ich wären Aufsichtsräte. Dann würden wir sagen: Frau Merkel, sie müssen gehen!“ Als nächsten Schritt würden die beiden einen Headhunter anheuern, der als allererstes Friedrich Merz kontaktieren sollte. Von dem halten Henkel und Starbatty aufgrund seines ökonomischen Wissens eine ganze Menge. Und offenbar nicht nur sie: „Viele in der CDU sind unzufrieden mit der Politik Angela Merkel. Merz könnte die CDU wieder aufrichten. Zudem hat er die jetzige Politik der Bundesregierung nicht mitgetragen“, erklärt Henkel. Zudem wäre eine von Merz geführte CDU ein möglicher Koalitionspartner von ALFA.

    Das komplette Interview finden Sie hier:

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    Tags:
    CDU, EU, Allianz für Fortschritt und Aufbruch (ALFA), Angela Merkel, Deutschland