17:42 20 Juni 2019
SNA Radio
    Frankreich, Calais

    „Kein kleines Calais aus meiner Stadt“ – Französische BM zu Migranten-Verteilung

    © AFP 2019 / Philippe Huguen
    Politik
    Zum Kurzlink
    Migrationsproblem in Europa (1281)
    3344

    Die französische Regierung plant eine Umverteilung der Migranten aus dem geräumten illegalen Lagers der Hafenstadt Calais in alle Regionen des Landes. Drei Bürgermeister haben sich im Gespräch mit Sputnik dazu geäußert.

    Robert Ménard, Journalist und Mitglied der Front National und Bügermeister der Stadt Béziers, wolle seine Stadt auf keinen Fall in „ein kleines Calais“ umwandeln. In Béziers gebe es ohnehin schon viele Migranten und die Zahl müsse nicht noch zusätzlich erhöht werden, meint er.

    „Wir sehen die Unfähigkeit der Regierung, dieses Problem zu lösen. Sie logen was die Zahl der Migranten anging: Sie sagten, in Calais seien 4.000 Menschen, aber es waren 10.000“, kommentierte der Bürgermeister seine Entschlossenheit, keine Migranten zusätzlich in seiner Stadt aufzunehmen.

    Hingegen solle man die Gefängnisse der Stadt besuchen, wo etwa 70 bis 80 Prozent der Insassen einen Migrationshintergrund haben. Deren soziales Umfeld sei der Nährboden für den Terrorismus.

    „Selbstverständlich will niemand davon reden, aber das ist die Wahrheit und alle wissen das“, betonte der Politiker.

    Der Bürgermeister von Decize in Zentralfrankreich, Alain Lassus, hob im Sputnik-Gespräch hingegen die Vorteile einer zusätzlichen Aufnahme von Flüchltingen hervor.
    Französische Behörden seien zunächst skeptisch gewesen, wie sich ein Zusammenleben der Einheimischen mit den Migranten gestalten ließe. Lassus zufolge war es klar, dass auch die Stadtbewohner zu Beginn ihre Zweifel hatten. Dennoch sollen sich die Menschen langsam aber doch aneinander gewöhnt haben.

    Jean-Charles Orsucci, Bürgermeister der französischen Stadt Bonifacio auf Korsika, zeigt sich indes gegenüber Sputnik davon überzeugt, dass auch die Insel ihren Beitrag zur Lösung des Problems leisten müsse. Zuvor hatte die Regierung des Landes entschieden, die Insel aus Sicherheitsgründen nicht an der Migranten-Aufteilung zu beteiligen. Die korsikanische Bevölkerung würde jedoch Orsucci zufolge die Migranten willkommen geheißen.

    Um seine Position zu untermauern zitierte Orsucci die Worte des französischen sozialistischen Politikers Michel Rocard: „Man kann nicht das ganze Elend dieser Welt aufnehmen, aber zumindest einen Teil.“

    Die französische Regierung plant die Errichtung von Asylzentren, in denen rund 12.000 Migranten aus Calais untergebracht werden sollen. Diese Zentren sollen im ganzen Land verteilt werden. Paris und Korsika würden von der Aufteilung jedoch nicht betroffen. Indes sprach der Pariser Bürgermeister aber davon, dass in der Stadt das erste europäische Asylzentrum in einer Zone mit hoher Urbanisierung eröffnet werde.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1281)

    Zum Thema:

    Britische Top-Reiterin von bewaffneten Migranten in Calais-Dschungel attackiert
    "Calais-Dschungel": Eskalationen treiben Unternehmer zum Straßen-Protest
    Calais-Streit: London will weiter Grenzkontrollen in Frankreich durchführen
    Calais: Aus Syrien müsst‘ man sein – wie Migranten an neue Lebensläufe kommen
    Tags:
    Paris, Korsika, Calais, Frankreich