22:58 04 August 2020
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    Edgar Matobato, ehemaliges Mitglied der Todesschwadron Davao, hat bei einer Anhörung im philippinischen Senat angegeben, Morde im Auftrag des amtierenden Präsidenten, Rodrigo Duterte, ausgeführt zu haben, wie das Nachrichtenportal „Asia Correspondent“ berichtet. Ein Sprecher des Präsidenten hat alle Vorwürfe zurückgewiesen.

    Er habe für Duterte gearbeitet, als dieser Bürgermeister der Stadt Davao gewesen sei, sagte Matobato im Senat. Er habe in Dutertes Auftrag Kriminelle und politische Opponenten beseitigt.

    Duterte habe ihn und andere Auftragsmörder persönlich instruiert, wie die Gegner getötet werden sollten. Die außergerichtlichen Hinrichtungen haben laut Matobato tausenden Menschen das Leben gekostet, berichtet das Nachrichtenportal.

    So seien in Dutertes Auftrag unter anderem vier Mitarbeiter des ehemaligen Senatspräsidenten Prospero Nograles ermordet worden. Matobato schilderte auch den Tathergang: Die Männer seien ausgeweidet, mit Steinen gefüllt und in ein Gewässer geworfen worden, erklärte der Killer bei der Anhörung. Laut Matobato haben die Mitglieder der Todessschwadron außerdem eine Moschee in die Luft gesprengt und mehrere Muslime ermordet. Auch die Senatorin Leila de Lima, eine vehemente Kritikerin des heutigen Präsidenten, habe auf der Todesliste Dutertes gestanden.

    Bislang gibt es keine Belege für die Echtheit der Aussagen Matobatos. So habe der Sohn des Ex-Senatspräsidenten Nograles erklärt, dass kein Mitarbeiter seines Vaters ums Leben gekommen sei: „Ich weiß nicht, wovon dieser Mann redet“, sagte er im Senat.

    Der Sprecher des philippinischen Präsidenten, Ernesto Abella, wies alle Vorwürfe zurück. Die Öffentlichkeit möge eine objektive Position in dieser Frage beziehen und die Angaben Matobatos kritisch prüfen: „Viele Menschen machen täglich unterschiedliche Angaben. Auch wenn jemand vertrauenswürdig wirkt, ist es äußerst wichtig, dass jeder von uns alles richtig einschätzt, was gesagt wird“, sagte Abella.

    Der Berater des philippinischen Präsidenten, Martin Andanar, erklärte, er glaube nicht, dass Duderte dazu imstande sei, solche Morde in Auftrag zu geben. Das sei bereits während Dutertes Amtszeit als Bürgermeister von Davao festgestellt worden: „Der Menschenrechtsausschuss hat vor einigen Jahren schon eine Untersuchung vorgenommen, als der Präsident noch Bürgermeister war. Sie haben damals keine direkten Beweise gefunden und keine Anklage erhoben“, sagte der Berater. Auch Duterte stritt früher jedwede Beteiligung an den Morden ab.

    Rodrigo Duterte hat das Amt des philippinischen Präsidenten am 30. Juni angetreten. Sein größtes Wahlversprechen war der Kampf gegen den Drogenhandel. Im Wahlkampf rief Duterte seine Landesbürger dazu auf, Drogenhändler zu töten, und beteuerte sogar, er würde seine eigenen Kinder töten, falls sie jemals Drogen konsumierten.

    Seit Dutertes Amtsantritt ist die Zahl der getöteten Drogenhändler auf den Philippinen gestiegen: Mehr als 2.000 mutmaßliche Drogendealer und —abhängige sind in den vergangenen zwei Monaten gelyncht worden. Die Opposition wirft dem Präsidenten vor, eine Atmosphäre der Angst erzeugt zu haben, in der jeder Mord durch eine Verbindung zum Drogenmilieu getarnt und gerechtfertigt werden könne. Auch US-Präsident Barack Obama kritisiert die Drogenpolitik des philippinischen Präsidenten.

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    Tags:
    Rodrigo Duterte, Martin Andanar, Edgar Matobato, Philippinen